„Arbeit mit Flüchtlingen“: Berufskolleg Kaiserswerther Diakonie

Ein kleines Zeichen setzte das Berufskolleg der Kaiserswerther Diakonie zum Tag des Flüchtlings im Oktober 2015.
Schulpfarrerin Barbara Geiss-Kuchenbecker und Politiklehrer Steffen Kraus hatten für drei Klassen eine Filmvorführung mit anschließender Diskussion organisiert.

2015-Berufskolleg-Kaiserswerther Diakonie-3Das Thema „Flüchtlinge“ bewegt die Schülerinnen und Schüler. Sie haben viele Fragen: was passiert mit den Flüchtlingen, wenn sie nach Deutschland kommen, wo wohnen sie, welche Rechte haben sie, welche Ansprüche, wie können sie integriert werden,… und sie wollen helfen. Manche engagieren sich bereits, andere suchen noch nach geeigneten Möglichkeiten.
„Flüchtlinge“ sind auf Wunsch vieler Schülerinnen und Schüler zum Thema im Politik- und Religionsunterricht geworden. Und so entstand die Idee des gemeinsamen Filmvormittags.

Pro asyl hatte zum Tag des Flüchtlings dazu aufgerufen, Flüchtlinge willkommen zu heißen und Integration zu ermöglichen: „Flüchtlinge sind keine Last, sie sind eine Chance.“ – so pro asyl.
Genau das wurde in dem ausgewählten Film „ la Havre“ von Kaurismäki deutlich: Das Flüchtlingskind Idrissa aus Gabun ist illegal in einem Container nach Frankreich eingereist. Das Versteck wird von der Polizei entdeckt, Idrissa kann fliehen. Er trifft auf einen Schuhputzer, der ihm hilft, zu seiner Mutter nach Großbritannien zu gelangen. Unterstützt wird er dabei von seiner Nachbarschaft. Das Schicksal des Jungen berührt viele von ihnen und verwandelt sie – zuletzt auch den nach Idrissa fahndenden Polizisten. Fast märchenhaft erzählt der Regisseur diese Geschichte.

In der anschließenden Diskussion kritisierten einige Schülerinnen dieses „heile Ende“ als nicht realistisch. Aber es gab auch Zustimmung zu der Auswahl. Der Film mache Hoffnung, dass auch „ein gutes Ende“ möglich sei und diese Hoffnung sei gerade jetzt nötig, damit angesichts zunehmend ängstlicher oder kritischer Haltung vieler Menschen die Solidarität mit den Flüchtlingen nicht nachlasse.

Barbara Geiss-Kuchenbecker

 


 

… mal was machen!

Flüchtlinge zu Gast am Berufskolleg der Kaiserswerther Diakonie

Deutschstunde der FOS 12.2 an einem Donnerstag im Oktober 2015. „Wir hätten da mal einen Vorschlag!“, meldete sich der Klassensprecher zu Wort. „Wir haben ja im Unterricht, auch in anderen Fächern, viel über die Flüchtlinge gelesen und diskutiert. Wir wollen aber jetzt auch mal was mit Flüchtlingen machen!“ Mal was machen … okay: Aber wie bitte macht man das konkret?

2015-Berufskolleg-Kaiserswerther Diakonie-1-1Brainstorming war angesagt. Die Deutschlehrerin hatte Kontakt zu einer Erstaufnahmeeinrichtung auf der Roßstraße im Stadtteil Derendorf. Es entstand die Idee, eine Gruppe von Flüchtlingen für einen Tag an das Berufskolleg der Kaiserswerther Diakonie einzuladen. Diesen Tag – ausgewählt wurde der 3. Dezember – wollten die Schülerinnen und Schüler in Eigenregie gestalten. Gesagt, getan: In Deutsch und auf Englisch wurden Einladungskarten geschrieben und zur Verteilung der Leitung der „Erstaufnahme“ übergeben. Der Tagesplan – Abholung, Fahrt zur Schule, Frühstück, Schulrundgang, Englischstunde, Sportstunde, Mittagessen, Rundgang durch Kaiserswerth – füllte sieben Stunden zwischen 9 und 16 Uhr. Selbst die Gestaltung der Inhalte von Englisch- und Sportstunde übernahmen die Schülerinnen und Schüler.

Am fraglichen Donnerstag war alles vorbereitet, dennoch war die Nervosität auf beiden Seiten deutlich zu spüren. Fragen standen allen in den Gesichtern geschrieben: Was und wer erwartet uns? Wie reden wir miteinander? Worüber reden wir? Eine echte interkulturelle Herausforderung stand bevor. Elf junge Menschen aus Syrien, Eritrea und dem Irak standen schließlich erwartungsvoll und beklommen, die Einladungskarten in den Händen, den Schülerinnen und Schülern der FOS an der Haltestelle „Klemensplatz“ gegenüber. Doch gleich auf dem Weg zum Berufskolleg entspannen sich erste zaghafte Gespräche: „What’s your name?“, „Where are you from?“ – die einfachen Fragen erleichterten den Zugang. Schnell wurde klar, dass eine sprachliche Hürde nach der anderen überwunden werden konnte.

2015-Berufskolleg-Kaiserswerther Diakonie-2Schritt für Schritt wurde der Tag zu einem Gemeinschaftserlebnis mit viel Spaß beim Unterricht – aus der Englischstunde wurde dann schnell die erste Deutschlektion – und beim Spiel im Sportunterricht. Man redete miteinander über alles, was auf dem Weg lag: Schule, Ausbildung, Beruf, das Wetter und das Essen. Die Neugier aufeinander und das neue Leben hier war groß. In privaten Gesprächen am Rande wurden auch persönlichere Informationen ausgetauscht.

Keine Spur mehr von Beklommenheit und Scheu gab es daher am Ende des gemeinsamen Schultages. „Schade nur, dass die Zukunft der Flüchtlinge so ungewiss ist“, so äußerte sich eine Schülerin der FOS. „Wir würden gerne mit einzelnen Mädchen in Kontakt bleiben“. Weil die Flüchtlinge nach ihrer Registrierung in andere kommunale Einrichtungen transferiert werden, blieb erst einmal nur der Kontakt über Whats-App – und die Erinnerung an einen schönen Tag. Ein Tag, an dem aus Schülerinnen und Schülern interkulturell kompetente Gesprächspartner wurden und aus Flüchtlingen interessierte Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Dr. Angelina Monego