Archiv für den Monat: Mai 2016

Stuhl-Verwandlungen

Stuhl-Verwandlungen-1Ich bin ein Stuhl – ein ziemlich alter Stuhl.
Die meisten meiner Kollegen und Freunde sind längst kaputt oder wurden jetzt einfach ausgetauscht. Dabei weiß ich noch genau, wie es war, als ich jung war und vor fast 33 Jahren hier an die Fachschule kam. Ich war aufgeregt und noch völlig unerfahren in meiner Rolle als Sitzgelegenheit für Schülerinnen. Schüler gab es damals nur ganz wenige. Der Raum, in den ich mit vielen anderen gestellt wurde, roch noch ganz neu, aber er gefiel mir gleich: hier war es hell und die Menschen wirkten freundlich.

In den vielen Jahren habe ich einiges erlebt und mitgemacht: Menschen mit ganz unterschiedli-chem Gewicht haben sich auf mir niedergelassen; oft war ich auch nur Ablage für Taschen oder Füße; manche SchülerInnen kippelten mit mir – das auszuhalten fiel mir im Lauf der Jahre immer schwerer.

Manchmal wurde ich in andere Räume geschleppt und fremde Menschen nahmen auf mir Platz. Eines Tages – ich konnte es kaum fassen –, da klebte wirklich jemand einen Kaugummi an mich. Wie eklig!
Mit der Zeit habe ich auch ganz schön viele unterschiedliche Gespräche mitbekommen. Manches hat sich Jahr für Jahr wiederholt, das wurde dann ziemlich langweilig und ich habe mich auf die Ferien gefreut: die Ruhe, die Leichtigkeit, das Nichtstun!

Aber spannender war es schon, wenn alle SchülerInnen und LehrerInnen da waren und etwas los war. Nebenbei habe ich auch einiges gelernt und manche Geheimnisse gehört … unglaublich, was an einem Schultag alles gesprochen wird! Ich bin ein alter Stuhl und gespannt, was nun mit mir gemacht wird.

18 junge Frauen aus dem Oberkurs 1 haben 18 alte Stühle mutig und kreativ bearbeitet: Es wurde gesägt und geschliffen, gefräst und geraspelt, gebohrt und gehämmert, bemalt und beklebt, besprüht und geleimt.

Ich bin ein Stuhl – ein ziemlich einzigartiger Stuhl.
Stuhl-Verwandlungen-4Wenn ich es richtig verstanden habe, werde ich bald bei der netten Frau einziehen, die mich in den letzten Wochen so bearbeitet hat. Zugegeben: das war nicht immer lustig! Die Frau behauptet aber, nun wäre ich was ganz Besonderes, ihr Lieblingsstuhl, ihr Traumstuhl!

Ich habe mich in dieser Zeit ziemlich verändert. Der alte Lack ist ab, neue Farbe kam drauf, manche meiner Freunde bekamen sogar Glitzer und einige beneide ich um ihre gemütlichen Sitz-kissen. Ich bin ziemlich gespannt darauf (und auch ein bisschen ängstlich), meine alte Heimat, die Fachschule, zu verlassen und ein neues Le-ben in einem neuen Zuhause zu beginnen.

Ich bin ein verwandelter Stuhl.

Annemarie Steiner,
Dozentin für ästhetische Bildung
Evang. Fachschule für Sozialpädagogik Stuttgart

 


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Stuhl-Verwandlungen

Land Art, Inszenierte Fotografie, Natürlich-Künstlich

Kinder bauen gerne Sandburgen am Strand. Sie formen mit ihren Händen oder mit Schaufeln den Sand zu einem Gebilde nach ihrer Vorstellung. Eigentlich besteht keine Notwendigkeit dies zu tun.
Es scheint jedoch Freunde zu machen, sich etwas Auszudenken, Umzuformen, Auszuprobieren, Spuren zu hinterlassen und damit Gedanken sichtbar zu machen. So ähnlich entsteht auch Land Art.
Land Art kennenzulernen, auch in Bezug zu einer inszenierten Fotografie war das Vorhaben einer Klasse der Erzieherausbildung des Seminars für Kirchlichen Dienst in Greifswald. In der Klasse und in kleinen Gruppen wurden spannende Ideen entwickelt und dokumentiert.

Save the date – Vorankündigung: Fachtag mit und für berufsbildende Schulen in diakonischer Trägerschaft

Veranstaltung der Diakonie Deutschland in Kooperation mit BAG EJSA, BAG HEP, BeA, BeB, DEVAP, DEKV, EREV

am 2. November 2016 im EWDE, Caroline-Michaelis-Straße 1 in 10115 Berlin

Ausbildung nach der Flucht? – Neue Wege in der Ausbildungslandschaft
Zugänge im Sozial- und Gesundheitswesen für Ausbildungsinteressierte internationaler Herkunft an Schulen in diakonischer Trägerschaft

In Deutschland leben 10 Millionen Eingewanderte, darunter eine zunehmende Zahl von geflüchteten Menschen. Diese Menschen treten nicht nur als Nutzende der diakonischen Angebote auf, sondern kommen, wenn sie im geeigneten Alter sind, auch für eine Ausbildung in den Sozial- und Gesundheitsberufen in Betracht.

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Staatssekretär Eumann würdigt Engagement zur Europawoche

Kostproben aus aller Welt konnten (v.l.) Staatssekretär Dr. Marc Jan Eumann und Schulleiterin Astrid Hofmeister probieren.

Kostproben aus aller Welt konnten (v.l.) Staatssekretär Dr. Marc Jan Eumann und Schulleiterin Astrid Hofmeister probieren.

Integration von Flüchtlingen fängt in den Köpfen der Menschen an, im Begreifen der Unterschiede und Gemeinsamkeiten, im Erkennen der Chancen und Risiken. Dies bedarf einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Migration. Die Gelegenheit dazu bekamen jetzt Schülerinnen und Schüler sowie Studierende des Berufskollegs Kaiserswerther Diakonie, die bei der „Europawoche 2016“ mitgemacht hatten. Das Land NRW prämierte ihren Projektvorschlag „Migration an meiner Schule-Wege zu einer professionellen Handlungskompetenz“ mit bis zu 2.000 Euro aus Landesmitteln.

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World Café – Games, Entertainment, catering and charitable donation for displaced persons

Mit diesem Motto leistete die Unterstufenklasse Sozialassistenz, der Höheren Berufsfachschule der kreuznacher diakonie, am Mittwoch, 22.07.2015 mit ihrem selbstentwickelten WORLD Café ihren persönlichen Beitrag zur Willkommenskultur für junge Menschen mit Fluchterfahrung.
2016-An-BV-ev-Ausbildstaetten-Foto-1Das World Café fand in der Theodor-Fliedner Halle, die einen unmittelbaren räumlichen Bezug zur Fachschule hat, statt. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten und führten diesen Nachmittag mit großer Hingabe, freiwilligem Engagement und schulischer Mehrarbeit durch.
Die Höheren Berufsfachschulen in RLP haben seit dem Ausbildungsgang (Schuljahr 2010/2011) das Fach Projektmanagement in ihrem Curriculum zu durchlaufen. In diesem Rahmen arbeitet die Lehrkraft Kerstin Guthmann mit den Schülern und Schülerinnen auf die Durchführung eines realen und nicht simulierten Projekts, welches dem zukünftigen Berufsfeld entspringt, hin.
Die 25 SchülerInnen des Jahrgangs 2014-2015 haben dabei eine multidimensionale Aktion konzipiert, die sich mit ihren Teilfacetten an Kinder, Jugendliche, Erwachsene aus den Erstaufnahmeeinrichtungen der Stadt Bad Kreuznach richtet und die einen aktuellen Fluchtweg aus ihrer Heimat hinter sich haben. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich in der Stadt Bad Kreuznach zwischen 1.000 und 3.000 Geflüchtete vorwiegend aus dem arabischen Raum, in Erstaufnahmeeinrichtungen und Sammelunterkünften.

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Interessante Links und Podcasts

Die Sendung „Essay und Diskurs“ im Deutschlandfunk präsentiert zu Fragen der Gesellschaft, die aktuell diskutiert werden, ein eigenes Radioformat. Die Sendung eröffnet besondere und auch neue Blickwinkel auf kulturelle Themen und wissenschaftliche Diskurse, hinterfragt aber auch den öffentlichen Diskurs und konterkariert ihn möglicherweise – mal als Radiotext, mal als Gespräch.
Interessante Links zum Thema „Menschen mit Fluchterfahrungen – ein gesellschaftliches Thema gewinnt öffentliche Aufmerksamkeit“ haben wir hier für Sie zusammengestellt:

 Hannah Arendt über Flüchtlinge
„Es bedeutet den Zusammenbruch unserer privaten Welt“

Grenzverluste
Die Suche nach Heimat in Zeiten permanenter Migration

 

Material: Fachtagung zur Ästhetischen Bildung 2016

Da ist noch Luft drin! Ästhetische Bildung erleben und verstehen

BeA-Fachtagung am 17./18.3.2016 in Lutherstadt Wittenberg

Der Bundesfachverband evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik (BeA) hat sich auf seiner Fachtagung in 2016 mit dem Thema „Ästhetische Bildung“ beschäftigt.

Ästhetische Bildung versteht Bildung nicht in erster Linie als verwertbare und zielgerichtete Wissensaneignung, bei der das Denken der Wahrnehmung übergeordnet ist, sondern als Ergebnis sinnlicher Erfahrungen. Ästhetische Bildung – verstanden als verschiedene Formen des Ausdrucks – unterstreicht das Lebensweltverstehen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten ästhetischen Gestaltens in der pädagogischen fachschulischen Praxis: bildnerisches Gestalten, Musizieren, plastisches Gestalten, Werken, Theater spielen, Spielen im Sinne von Playing Arts oder die Arbeit mit neuen Medien.

Nachgegangen wurden auf der Tagung „Da ist noch Luft drin! Ästhetische Bildung erleben und verstehen“ am 17./18.3.2016 in Lutherstadt Wittenberg den Fragen: Wie lässt sich ästhetische Bildung mit dem kompetenzorientierten Qualifikationsprofil für die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher verbinden? Gehört ästhetische Bildung nicht zwingend zur professionellen Haltung einer Erzieherin und eines Erziehers sowie zum Lehrplan der Fachschulen für Sozialpädagogik? Bieten ästhetische Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche weitere Zugänge, um sich selbst und Gesellschaftliches zu verstehen? Welche politischen Forderungen sind für die Stärkung der Bereiche der ästhetischen Bildung in den Lehrplänen zu formulieren? Auf der Tagung gab es Raum für Erfahrungen und Erkenntnisse sowie Zeit zum Diskutieren und Erleben.

Vorträge

Vorträge am 17.03.2016:
Bild und Bildung in ästhetisch-künstlerischen Prozessen
Prof. Dr. Joachim Kettel, Pädagogische Hochschule Karlsruhe

2016-Bild-und-Bildung_Prof-Kettel

 

Vorträge am 18.03.2016:
„Mummy, it`s real“ – Zur ästhetischen Dimension fachlichen Lernens
Prof. Dr. Andreas Brenne, Universität Osnabrück

2016-Mummy-it-is real_Prof-Brenne


Bildergalerie

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Weiterführende Literatur

Dada und die Folgen – Subversive Kunst