Archiv für den Monat: Juli 2016

Im Gespräch mit Dr. Annett Herrmann über das Konzept „Kompetenzorientierte Personalarbeit“

Projekt

Bildungsaufgaben und Strategien des lebensbegleitenden Lernens zur Förderung der Fachkräfteentwicklung in der Diakonie: Kompetenzorientierung und Personalverantwortung
Leitung: Dr. Annett Herrmann, Referat Berufliche Bildung und Qualifizierung in sozialen Berufen – Vorstandsbüro Sozialpolitik der Diakonie Deutschland – Evangelischer Bundesverband, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e. V.

Zur Aktualität und Relevanz des Projektes

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Quelle: Brigitte Willuweit

Was heißt Personalarbeit 2020? Was sind die neuen Herausforderungen, die sich Personalarbeit zu stellen hat, um marktfähig bleiben zu können? Die Berufliche Bildung und Qualifizierung ist einem Paradigmenwechsel unterworfen, der massiv auf die Aus-, Fort- und Weiterbildung Einfluss nimmt als auch massiv auf die Personalarbeit und Personalverantwortung. Eingeleitet wurde dieser Paradigmenwechsel durch die Einführung der Kompetenzorientierung und die Perspektive, dass es nicht so sehr um Abschlüsse in einer Berufsbiographie hinsichtlich einer Einstellung zu gehen hat, sondern vielmehr darum, welche Kompetenzen potenzielle Mitarbeitende in welcher Ausprägung mitbringen.
Ist die Kompetenzorientierung tatsächlich relevant für die Träger und Einrichtungen der Diakonie?

Ästhetische Bildung: „Die Möglichkeiten sind so groß wie du sie siehst“

Ästhetische Bildung im Oberstufenmedienprojekt an den Evangelischen Ausbildungsstätten für sozialpädagogische Berufe, Pädagogische Akademie Elisabethenstift

die-moeglichkeiten-sind-so-gross-wie-du-sie-siehst-1Darmstadt, 21.06.2016, 14.45 Uhr. Neugierig schiebt sich eine kleine Kindergruppe durch eine Eingangstür unseres Schulhauses. Nach wenigen Schritten bleiben die Kinder stehen. Groß die Augen, die den weiten, wuseligen Raum vor ihnen abwandern. Und hängen bleiben: an den Kinderschlangen vor der Waffel- und Crepestation, an einer kleinen, selbstbemalten Kartonstadt, dem vielfarbigen Zirkuszelt im Hintergrund, körpergroßen Pappmosaiken, aus der Höhe herabbaumelnden bunten Leinwänden, einer Station für Hand- und Fußmalerei, einem weitläufigen Bewegungsparcours. Was sich hier, im Lichthof des Schulhauses, den Kinderaugen erschließt sind einzelne Facetten einer Mitmachausstellung, die sich über drei Etagen erstreckt. Und an deren Entstehen alle eingeladenen Kinder maßgeblich beteiligt sind.

die-moeglichkeiten-sind-so-gross-wie-du-sie-siehst-2Aber der Reihe nach: die Pädagogische Akademie Elisabethenstift (PAE) hat zu diesem Fest eingeladen und etwa 100 Kinder samt ihrer Erzieher/innen sind gekommen. Zu sehen und zu feiern sind die Ergebnisse eines 3-monatigen Projektes zur ästhetischen Bildung im Rahmen der Oberstufenmedienprojekte an der PAE. Während dieser Zeit haben unsere Studierenden in Kleingruppen an einem Nachmittag pro Woche 25 ausgewählte Kitas, Horte und Grundschulen besucht um, nach einer ersten Phase der Kontaktaufnahme und Beobachtung, mit einer interessierten Kindergruppe zusammen ein kleines Projekt zu entfalten, das den aktuellen Themen und Interessen der Kinder folgt. Das Themenspektrum der 3 bis 10 jährigen Kinder reichte von: geheime Rückzugsorte bauen, selber kochen und bewirten, Kochbuchautor/in sein, den eigenen Körper mit vielen Sinnen erkunden, besonders mit Einwegkameras und Spiegeln, bis zu: Außenseiterin sein, eine Andere/ein Anderer sein wollen – sich gegenseitig schminken und Rollenspiele erfinden, Farben selber herstellen, Trikots gestalten, Zirkus und Zauberkünste, Dinosaurier-Lyrik, …

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Die Anregung und Schulung ästhetischer Wahrnehmung und ästhetischen Ausdrucks als dominante Form der Weltbegegnung von Kindern in ihrer offenen, überraschenden, meist lustvollen Prozesshaftigkeit war eines der zentralen Ziele der Bemühungen unserer Studierenden. Ausgangspunkt und Anlass für ästhetische Prozesse kann fast alles sein, was der Erkenntnislust von Kindern entspringt. Das methodische Spektrum ästhetischer Handlungsformen, in der Unterstufe weitgehend in den sogenannten Medienfächern erworben, konnte hier in der Oberstufe möglichst umfassend verbunden und in der Praxis mit Kindern erprobt werden. Denn ästhetische Bildung (Aisthesis (griech.) = sinnliche Wahrnehmung, Empfindung, Erfahrung) will eben nicht nur die Konzentration auf eine bestimmte kreative Ausdrucksform. Sie will ein möglichst breites Sinnenspektrum ansprechen, Wahrnehmung in viele Richtungen differenzieren, Vorstellungsbildung, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Konzentration, Raumempfinden, Ideenreichtum und Fantasietätigkeit entwickeln. Durch die eingehende Beschäftigung mit den Eigenschaften und Potenzialen unterschiedlichster Materialien, Klänge, Bewegungen, innerer Bilder und Worte werden Handlungen und Auseinandersetzungen angeregt, die – in Produktion wie Rezeption – Grundlage einer selbstgesteuerten Aneignung von Welt mit „allen“ Sinnen und damit Grundlage von Sinn- und Sinnenbildung sind.

die-moeglichkeiten-sind-so-gross-wie-du-sie-siehst-4Wer „unsere Kinder“ bei der Präsentation und erneuten Erprobung der Ergebnisse ihrer Ästhetischen Prozesse in diesem Sommer beobachten konnte, wurde Zeuge von Genuss und Verweilen, Neugierde und Freude am Tun, Kommunikation und Bewegung, Selbstwirksamkeitserleben und Stolz. Nicht nur die Kinder waren beseelt von diesem Tag. Unsere Studierenden, wir als Dozentinnen in den Oberstufenmedienprojekten und unsere Kolleginnen und Kollegen ebenso!

Katja Rauch
Dozentin
Evangelische Ausbildungsstätten für sozialpädagogische Berufe