Archiv für das Jahr: 2017

Fünf Jahre Forschen und Experimentieren in der Technik-Erzieher-Akademie: Jubiläumsfeier mit Kultusstaatssekretär in der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt

Am 10. November 2017 war unsere Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Gastgeber für einen Festakt, mit dem das fünfjährige Bestehen der „Technik-Erzieher-Akademie“ in Baden-Württemberg gefeiert wurde. Dabei fügte es sich gut, dass die Veranstaltung am Tag der Freien Schulen stattfand, an dem sich die Schulen in freier Trägerschaft alljährlich im November mit ihren pädagogischen Konzepten und innovativen Ideen einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Als Ehrengast konnte die Schule hierzu den Staatssekretär aus dem Stuttgarter Kultusministerium, Volker Schebesta, begrüßen. Er sprach sich in seinem Grußwort dazu aus, das Forschen und Experimentieren im Kindergartenalltag weiter zu fördern: „Naturwissenschaftlich-technische Bildung ist deshalb so bedeutsam, weil sie auf spielerische Weise das Verstehen von Phänomenen ins Zentrum stellt. Solche Ansätze sind besonders wirksam, wenn sie Kindern ermöglichen, selbst eigene Ideen auszuprobieren, Versuche aufzustellen und Hypothesen zu überprüfen.“
Stefan Küpper, Geschäftsführer Politik, Bildung und Arbeitsmarkt bei Südwestmetall, erläuterte als Initiator des Projekts  in seiner Ansprache, warum sich sein Arbeitgeberverband in diesem Bereich engagiere:
Im Profilfach Forschen und Experimentieren haben die angehenden Erzieherinnen und Erzieher die Möglichkeit, praktische Erfahrungen in unterschiedlichen naturwissenschaftlichen Fachgebieten zu sammeln. Sie vertiefen durch entdeckendes Lernen ihr theoretisches und praktisches Wissen. Sie beschreiben Wege, wie Kinder alters- und entwicklungsangemessen in ihrer Neugierde und in ihrem Entdeckerdrang unterstützt werden können. Sie beschreiben, wie Kindern durch Forschen und Experimentieren ihre Kompetenzen erweitern. Und sie entwickeln ein eigenes Konzept, wie sie dieses Wissen und diese Erfahrungen in ihrer eigenen Arbeit mit Kindern praktisch umsetzen können.
Wie dies konkret gelingen kann, demonstrierten die Schülerinnen und Schüler nach den Festreden durch zahlreiche Mitmachstationen zu den Elementen Feuer – Wasser – Luft. Die bewusste Auseinandersetzung mit diesen Elementen übt nicht allein auf Kinder eine große Faszination aus, wie die anwesenden Festgäste, an der Spitze der Kultusstaatssekretär, der Geschäftsführer von Südwestmetall sowie der örtliche Landtagsabgeordnete, Claus Paal, unter Beweis stellten. Die Schülerinnen und Schüler hatten Experimente mit leicht erhältlichen Materialien ausgewählt, die in jedem Haushalt zu finden sind. Schon Kinder im Vorschulalter können diese eigenständig durchführen. Auszuprobieren gab es beispielsweise „Teebeutelraketen“ und einfache „Kohlendioxidfeuerlöscher“, die auf Basis von Backpulver und Essig arbeiten. Aus Wasser, Pflanzenöl, Lebensmittelfarbe und Salz konnten die kleinen und großen Forscher eine „Lavalampe“ bauen. Zwei miteinander verbundene Mineralwasserflaschen veranschaulichten, wie ein Wasserstrudel entsteht und welche Sogwirkung dieser entfaltet.
Nach ihrer „Forscherreise“ waren Staatssekretär Schebesta und der Vertreter von Südwestmetall, Herr Küpper, gefragt, ihre Talente als Baumeister unter Beweis zu stellen. Unter Leitung von Frau Geymann, Koordinatorin unserer Berufsfachschule für Kinderpflege und Leiterin des Profilbereiches Natur- und Bewegungspädagogik, traten sie im Rahmen der von ihr entwickelten Baumeister-Challenge gegen zwei Schülerinnen an. Aus naturbelassenen Buchenholzklötzchen, Pappröhren in verschiedenen Längen, Steinen in verschiedenen Formen, Holzplatten, Rohrstücken, Blechdosen oder Baumscheiben galt es, ein möglichst hohes Bauwerk zu erschaffen. Am Ende hatten die zwei Schülerinnen schließlich die Nase vorn, deren Turm zwar nicht höher war, sich jedoch als standfester erwies.
(PD Dr. Axel Bernd Kunze, komm. Schulleitung EFSP)

Januar 2018: Projektwoche und Tag der offenen Tür an den Ev. Fachschulen für Sozialpädagogik in Osnabrück

Kulturtrip der EFS – Osnabrücker Kultur entdecken und checken

Geplant ist, dass wir mit 16 – 18 Projektgruppen (ca. 250 SchülerInnen) Kontakt zu verschiedenen Osnabrücker Kultureinrichtungen aufnehmen, um einen Tag (23.1.) in den Einrichtungen zu hospitieren und mit den verantwortlichen PädagogInnen zu sprechen. Ziel der Hospitation ist es, den Schülerinnen und Schülern die vielfältige Osnabrücker Kulturszene näher zu bringen und sie darüber hinaus dazu zu animieren, in ihrer späteren Berufstätigkeit als Erzieherinnen und Erzieher die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen mit im Blick zu haben. Neben dem Felix- Nussbaum-Haus, dem Naturkundemuseum und dem Industriemuseum sind z.B. auch die Osnabrücker Fankultur des VfL oder die Graffiti- Szene als Kooperationspartner angefragt. Aus dem Hospitationstag werden sich dann eigene, an das Erlebte angelehnte kreative Umsetzungen und Aktionen in den Gruppen ergeben. Am Tag der offenen Tür werden wir die Ergebnisse der Hospitationen und der weiteren Aktionen präsentieren und die vielen kulturpädagogischen Möglichkeiten des Osnabrücker Einzugsbereichs bei uns in den Ev. Fachschulen vorstellen.

„Müssen wir da mitmachen?“ Kompetenzorientierung in der Personalgewinnung und –entwicklung

Vorstellung des gerade erschienen Erklärfilms und des Handbuches.

In den Personalabteilungen des Sozial- und Gesundheitswesens geistert seit einigen Jahren ein Schlagwort herum: Kompetenzorientierung. Müsste man sich mal mit auseinandersetzen, so heißt es. Aber was steckt dahinter? Ist das einfach nur mehr Arbeit oder hilft mir das wirklich bei der Personalgewinnung und -entwicklung? Und wie sieht eine kompetenzorientierte Stellenanzeige aus? Antworten gibt es in dem Ergebnisbericht zum Fachtag „Personalarbeit 4.0 – Arbeit kompetenzorientiert gestalten“ der Diakonie Deutschland am 21. November 2017.

Was dahinter steckt
2013 hat die Bundesregierung den Deutschen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR) verabschiedet. Er soll für mehr Orientierung im deutschen Bildungssystem sorgen und – in Anlehnung an den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) – dafür, dass Berufsabschlüsse EU-weit besser vergleichbar sind. Die Idee: Mitarbeitende werden nicht mehr nur nach ihren Berufsabschlüssen bewertet, sondern auch nach ihren Kompetenzen. Selbst nach Fähigkeiten, die außerhalb der Ausbildung oder des Studiums oder sogar außerhalb beruflicher Zusammenhänge gewonnen wurden. Über die Integration von Geflüchteten lernt man schließlich nicht nur im Studium Soziale Arbeit etwas, sondern auch als Elternsprecher in der Kita. Umwege im Berufsleben sind aus Sicht der Kompetenzorientierung kein Makel mehr, sondern normal. Gute Bewerbende sind die, die lebenslang bereit sind zu lernen, und nicht die, die damals den besten Ausbildungsabschluss gemacht hat. Besonders profitieren Mitarbeitende in Assistenztätigkeiten oder ohne Schulabschluss, mit Behinderungen und Ehrenamtliche, deren Fähigkeiten nun sichtbar gemacht werden können.
Klingt grundsätzlich gut. Wenn Personalerinnen und Personaler dann aber hören, was sie alles überarbeiten sollen, um die Kompetenzorientierung bei sich im Unternehmen umzusetzen, sinkt die Begeisterung: Stellenprofile und Stellenanzeigen, Fort- und Weiterbildungsprogramme, Zeugnisse, Assessmentverfahren, Entscheidungskriterien für die Bewerberauswahl, Kompetenzbilanzierungsverfahren für die Personalentwicklung. Was, so viel? Und was muss da genau gemacht werden? Einen Einblick gibt folgender Erklärfilm und das Handbuch „Personalarbeit 4.0 – Arbeit kompetenzorientiert gestalten“ von Dr. Annett Herrmann, in dem unter anderem Vorlagen und Best Practice-Beispiele für kompetenzorientierte Mitarbeitergespräche und Trainee-Programme zu finden sind.

22. November 2017
Maja Roedenbeck Schäfer

Zur Bestellung des Handbuches …

Fachschüler veranstalten inklusives Hallenturnier: „Heperonies“ treten gegen „gestiefelten Muskelkater“ an

BAD KREUZNACH. Lautes Gejohle und Anfeuerungsrufe dringen aus der Theodor-Fliedner-Halle an der Ringstraße: Die angehenden Heilerziehungspfleger an der Fachschule Sozialwesen veranstalten das jährliche „Inki-Turnier“, und da geht es hoch her. Die „Heperonies“ treten gegen die „gestiefelten Muskelkater“ an, die „Teufel“ messen sich mit dem „Club der gelben Bender“.
„Wir veranstalten jährlich ein Inklusionsturnier, daher der Name Inki“, erklären Finn Herrmann und Pascal Denzer vom Organisationsteam. Die Fachschüler aus vier Klassen bilden gemeinsam mit rund 20 Beschäftigten der Werkstätten der Stiftung kreuznacher diakonie gemischte Teams und treten in verschiedenen Wettbewerben gegeneinander an. „Heute spielen wir Rollifußball, Affenbrennball, Bowlingball und Luftballon-Volley. Wir haben die Sportarten vorher gemeinsam ausprobiert und geschaut, ob das alles funktioniert“, berichtet Pascal Denzer. Wichtig ist den künftigen Heilerziehungspflegern, dass jeder seine Stärken ausspielen kann – unabhängig von der Beeinträchtigung. Auch ein Rollstuhlfahrer oder eine Rollstuhlfahrerin gehört zu jedem Team, das aus je zwei Beschäftigten sowie vier Fachschülerinnen und Fachschülern besteht. Neben den „HEPs“, wie die Heilerziehungspfleger scherzhaft abgekürzt genannt werden, spielen auch zukünftige Erzieherinnen und Erzieher mit.

Während die Teams auf dem Spielfeld um Punkte rennen und werfen, werden sie von den einzelnen Fanclubs kräftig angefeuert.

Angelia Oberkirch vom begleitenden Dienst der Werkstätten kümmert sich um die Ausschreibung des Turniers in den Betrieben: „Die Beschäftigten sind immer begeistert von diesem Turnier und machen gerne mit. Es ist schon das fünfte Turnier und somit fast Tradition“, so Oberkirch. Und Eva-Maria Bender, Lehrerin an der Fachschule, ergänzt: „Wir arbeiten auch auf anderen Gebieten mit den Werkstätten zusammen, das funktioniert hervorragend.“ Die jungen Frauen und Männer, die den verschiedenen Klassen der Heilerziehungspflege angehören, sind ebenso hoch motiviert bei der Sache. Während ihrer Ausbildung an der Fachschule haben sie oft die Gelegenheit, sich mit eigenen Ideen in der Praxis zu beweisen und Erfahrungen zu sammeln.
Während auf dem Spielfeld um Punkte gerungen und vom Rand aus lauthals angefeuert wird, halten die zahlreichen Helferinnen und Helfer Speisen und Getränke zur Stärkung bereit. „Die Organisation steht“, freuen sich Finn Herrmann und Pascal Denzer – Daumen hoch.

Die Stiftung kreuznacher diakonie ist Träger von Krankenhäusern, Hospizen, Senioren-, Wohnungslosen-, Kinder-, Jugend- und Familienhilfen, Sozialstationen sowie Wohnungen und Werkstätten für Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Die Stiftung unterhält Bildungsstätten für Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen. Die Stiftung kreuznacher diakonie beschäftigt rund 6.700 Mitarbeitende.

Synode trifft Beschluss zur Sicherung und Entwicklung Evangelischer Fachschulen für Sozialpädagogik

4. Tagung der 12. Synode der EKD vom 12. bis 15. November 2017 in Bonn

Der diesjährige Tagungsort der EKD-Synode 2017 war Bonn. Das Schwerpunktthema der Synode lautete: „Zukunft auf gutem Grund“

Es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. (1. Joh. 3,2). Auf der diesjährigen Synode wurde ein Beschluss zur Sicherung und Entwicklung Evangelischer Fachschulen für Sozialpädagogik gefasst.

Die Synode betont die Bedeutsamkeit von Fachschulen für Sozialpädagogik in evangelischer Trägerschaft. Sie bittet das Kirchenamt der EKD und die Landeskirchen, eine geregelte Kommunikation mit den Trägern aufzubauen oder weiterzuentwickeln, um Standorte von evangelischen Fachschulen für Sozialpädagogik gemeinsam zu sichern. Sie bittet um verstärkte Anstrengungen, in gemeinsamer evangelischer Bildungsverantwortung religionspädagogisch gut qualifizierte Fachkräfte für evangelische Kindertagesstätten auszubilden und zu gewinnen.

Link zum Beschluss der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland auf ihrer 4. Tagung.

Kindheitsprojekt an der Fachschule in Wolmirstedt

Dritte Auflage des Projektes: Selbstständig lernen, praxisorientiert üben

Im Foyer der Fachschule laden Kindheitserinnerungen der Lehrerinnen und Lehrer der Fachschule zum Innehalten ein. Da stehen ein Schaukelpferd, ein Dreirad und ein Holzroller, hängt aber auch die typische Brottasche eines Kindergartenkindes aus den Siebzigern.

Was verbinden Sie mit dem Begriff Kindheit? Mit welchen Aktivitäten oder Gefühlen würden Sie Ihre Kindheit beschreiben? Mit diesen Fragen stimmte Ute Salzer die Kolleginnen und Kollegen in Vorbereitung auf das diesjährige Projekt ein und sammelte Antworten. Kindheit, das ist für viele eine unbeschwerte Zeit, da wiederholen sich Assoziationen wie „warmer Kakao“, „draußen spielen“, „Zeit haben“, „Zeit mit den Großeltern verbringen“, „Ferienlager“, „im Spiel versinken“, Unternehmungen mit Freunden“ u.v.a.m..

Im Rahmen der Ausbildung zum Staatlich anerkannten Erzieher stellen sich die Schülerinnen und Schüler des 1.Ausbildungsjahres nicht nur der Lebenswelt ihrer Lehrer, sondern vor allem auch ihrer eigenen Kindheit und der Kindheit in früheren Zeiten. Es gilt, sich Fachwissen zur Geschichte der Pädagogik zu erarbeiten, aber auch – wie sollte es an der Fachschule anders sein – sich der Gegenwart zu stellen. Welche Spielzeuge, Alltagsstrukturen und Herausforderungen prägen die heutige Kindheit?

Die erste der drei Projektwochen haben die Schülerinnen und Schüler bereits geschafft. In dieser Woche widmen sie sich in acht verschiedenen Arbeitsgruppen ganz unterschiedlichen Themen und werden diese abschließend präsentieren. Die dritte Projektwoche wird dann ganz praktisch. Zunächst werden Lehrer und Schüler gemeinsam spielen – Spiele von heute und von gestern. Damit wird der fließende Übergang zum großen Finale geschaffen.

Am 24.11.2017 werden zahlreiche Kindergartenkinder der Umgebung in die Fachschule kommen. Dann stehen die Fachschülerinnen vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe der Berufsausbildung, wenn sie Kinder einen Vormittag lang thematisch begleiten und fördern.

Dieses Projekt wird auch am Tag der offenen Tür präsentiert, der am 25.11.2017 ab 10.00 Uhr in der Fachschule stattfindet. Hier können dann auch die Arbeitsergebnisse der Schülerinnen und Schüler angeschaut werden, die gleichzeitig spiegeln, wie die neuen Rahmenrichtlinien der Erzieherausbildung und der Sozialassistenz an der Evangelischen Fachschule umgesetzt werden.

Projektleitung Kindheitsprojekt: Ute Salzer, Gundula Ihlefeldt, Steffen Bringezu

Erzieherin Marie Bahr berichtet vom Praktikum in der Türkei: „Die Offenheit, Herzlichkeit und Lebensfreude aus Istanbul möchte ich in den Kita-Alltag in Feuerbach mitnehmen“

„Die Offenheit, Herzlichkeit und Lebensfreude aus Istanbul möchte ich in den Kita-Alltag in Feuerbach mitnehmen“
Erzieherin Marie Bahr berichtet vom Praktikum in der Türkei

Bereits zum zweiten Mal setzte die Bernstein Köllner Stiftung erfolgreich das Projekt „Interkulturelles Lernen“ für angehende Erzieherinnen und Erzieher um. Die Stiftung mit Sitz in Stuttgart-Feuerbach finanziert ein Stipendium für ein mehrwöchiges Kita-Praktikum im Ausland – in Kooperation mit der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Stuttgart-Botnang. Das Stipendium wird auch für das Jahr 2018 wieder ausgeschrieben und auf ein neues Partnerland ausgeweitet: Bosnien. Bewerbungsschluss ist vor den Weihnachtsferien.

STUTTGART, 07.11.2017. Seit zwei Jahren läuft erfolgreich das Stipendium der Bernstein Köllner Stiftung „Interkulturelles Lernen“ für angehende Erzieherinnen und Erzieher. In Kooperation mit der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Stuttgart-Botnang können Studierende ein mehrwöchiges Kita-Praktikum im Ausland absolvieren. Die Stiftung mit Sitz in Feuerbach fördert durch dieses Projekt die konkrete Begegnung mit der islamischen Kultur. Das Ziel ist, pädagogischen Fachkräften eigene Erfahrungen im Ausland zu ermöglichen, um eine kultursensible Haltung in den Kitas auszubauen.

„Das Praktikum war durch die Sprachbarriere und die fremde Kultur sehr herausfordernd, aber auch äußerst interessant, bunt und erlebnisreich“, berichtet Marie Bahr von ihrem Aufenthalt im September und Oktober in Istanbul. „Ich habe mir vorgenommen, weiterhin Türkisch zu lernen, um so den Kindern und Familien in der Kita ein Gefühl der Vertrautheit geben zu können. Vor allem möchte ich die Offenheit, Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Lebensfreude, die ich in der Türkei so oft erlebt habe und die mich immer wieder berührt hat, mitnehmen in den Kita-Alltag in Feuerbach.“

Erzieherin Marie Bahr zeigt das Abschiedsgeschenk von der Kita in Istanbul: eine bunte Schürze mit Handabdrücken und Namen aller Kinder. „Die Offenheit, Herzlichkeit und Lebensfreude aus Istanbul möchte ich in den Kita-Alltag in Feuerbach mitnehmen.“

Für die Evangelische Fachschule ist die Kooperation mit der Stiftung eine willkommene Bereicherung des internationalen Profils. „Der Themenbereich „Unterschiedlichkeit und Vielfalt leben“ gehört zum Curriculum in der Erzieherausbildung“, sagt Direktorin Birgit Deiss-Niethammer, „der kultursensible Umgang mit Personen aus anderen Kulturen und Religionen spielt auch in der Religionspädagogik eine wichtige Rolle. Durch das Praktikum im Ausland können die Stipendiaten das Gelernte in persönlichen Begegnungen vertiefen.“

Die Zusammenarbeit von Stiftung und Fachschule hat sich sehr bewährt und soll fortgeführt werden. „Wir sind begeistert darüber, wie intensiv sich die Erzieherinnen auf diese Erfahrung im Ausland einlassen“, sagt Philipp C. Hansis, Vorstand der Bernstein Köllner Stiftung. „Von dem gewonnen Weitblick werden ganz sicher die Kinder und Familien in den Stuttgarter Kitas profitieren, genau dafür setzen wir die Fördergelder ein.“

Für das Stipendium im nächsten Jahr wurde die Kooperation auf ein neues Land mit muslimischem Hintergrund ausgeweitet: Bosnien. Das sechswöchige Praktikum wird in einer Kindertagesstätte in Sarajevo stattfinden. „Als Projektleiterin bin ich sehr dankbar, dass dank der Stiftung und der Fachschule junge angehende Erzieherinnen solche Erfahrungen in Istanbul machen konnten. Die ersten Auswertungen zeigen, dass die Erzieherinnen bei ihrem sich anschließenden Einsatz in einer Stuttgarter Kita mit einem geschärften Blick und einer sensibleren Haltung Kindern aus anderen Kulturen begegnen. Auch bei der neuen Destination Sarajevo/Bosnien bin ich mir sicher, dass die zukünftigen Stipendiaten eine große und tiefe Bereicherung erfahren werden“, unterstreicht Roswitha Wenzl von der Bernstein Köllner Stiftung.

Die Studierenden an der Fachschule für Sozialpädagogik in Stuttgart-Botnang können sich ab sofort bis Mitte Dezember mit einem Motivationsschreiben bewerben. Alle Infos: www.fachschule-stuttgart.de

Mehr Informationen zur Fachschule und zum Stipendium gibt es beim Tag der offenen Tür am 25. November von 14-17 Uhr in der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik, Kauffmannstraße 40, 70195 Stuttgart-Botnang.

Christine Haag-Merz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Selbstbestimmung für alle Menschen! – Die Situation des nicht zutreffenden Zuweisungsgeschlechts oder „Transgeschlechtlichkeit“ in der Kindheit

Die Zeit, in der sie aufwachsen, gehört den Kindern selbst und wird durch sie gestaltet. Daher sind ihre Kindheiten durch sie und nicht über sie zu beschreiben, soll ihre Lebenswirklichkeit erkennbar sein und anerkannt werden. Die Eltern und die anderen Erwachsenen können durch ihr Zuhören und ihr Erleben, die Lebenssituation der jungen Menschen beschreiben und unser Verständnis und unsere Denkweisen erweitern. Auch wenn es noch nicht „beweisbar“ ist, dass es diese Art von selbstbestimmter Empfindung des Geschlechts gibt, von der wir hier sprechen, so ist es doch eine Realität, dass den Menschen mit unzutreffendem Zuweisungsgeschlecht diese Empfindung und die Entscheidung, das andere als das sog. biologische Geschlecht für sich zu verwirklichen (auf welchen Ebenen auch immer, als Name, als Lebensweise, als körperliche Angleichung an das empfundene Geschlecht und in welcher Lebensphase auch immer) als Menschenrecht zusteht.

In einer Broschüre möchten wir, Dr.med. Erik Schneider (Verein trankine e.V., Luxemburg) und Prof. Dr. Dipl.Päd. Claudia Maier-Höfer (Evangelische Hochschule Darmstadt), eine Informationsgrundlage zu dem Phänomen der Transgeschlechtlichkeit in der Kindheit zusammenstellen. Diese Broschüre soll für den Aus-, Fort- und Weiterbildung verwendet werden können. Wir verfolgen einen affirmativen Ansatz der Anerkennung der Selbstbestimmung des Geschlechts, die für alle Menschen, sowohl für Kinder wie auch Erwachsene gilt. Unsere Arbeitsweise zur Erstellung der Broschüre und von entsprechenden Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen orientiert sich an dem sozialwissenschaftlichen Ansatz der „Akteur_innenschaft“. Die Gestaltung sozialer Praktiken, die Demokratie und Vielfalt als Norm verwirklichen, verbinden alle Menschen in gleichberechtigter und inklusiver Weise miteinander.

Hier möchten wir ein Statement anführen, das von Menschen formuliert wurde, die im Rahmen der Evangelischen Kirche die Transgeschlechtlichkeit von Erwachsenen als Broschüre erarbeitet haben:

„Die Wahrnehmung von Verschiedenheiten und Vielfalt ist eine Bereicherung nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch der kirchlichen Gemeinschaft, indem ein Prozess des wechselseitigen Verstehens in Gang gesetzt wird, der Stereotype aufbricht und zu einer wertschätzenden Begegnung mit Menschen und deren Lebensgeschichten führt.“ (Livia Prüll, Johanna Schmidt-Räntsch, Gerhard Schreiber und Petra Weitzel, in der Broschüre des dgti e.V.: REFORMATION FÜR ALLE* – Transidentität/ Transsexualität und Kirche, Einleitung, S. 5, 2017)

 

Projekt:

Borschüre mit dem Arbeitstitel: trans_Kindheiten1

1Wir sind uns bewusst, dass „trans“ eine Kategorisierung ist. Uns geht es darum, mit dem Begriff „trans“-Kindheiten sichtbar zu machen, das Recht der Kinder so zu sein, wie sie es bestimmen, als Kinder- bzw. Menschenrecht zu verankern und offen zu lassen, wer sich wann und an welchem Ort wie benennen möchte.

 

Als Arbeitsgruppe „Selbstbestimmte Kindheiten“ haben wir einen Prozess mit der Zielsetzung begonnen, eine Broschüre zu erarbeiten, die einen Zugang zu einem demokratischen Miteinander von allen Menschen eröffnen soll: Kinder, Erwachsene, Cis-Frauen/Mädchen und Cis-Männern/Jungen, bei denen das Zuweisungsgeschlecht bei der Geburt zutrifft, Trans-Frauen/Mädchen und Trans-Männern/Jungen, bei denen es nicht zutrifft wie auch jene, die ihr geschlechtliches Zugehörigkeitsgefühl noch anders beschreiben, z.B. fluide, wechselnd, beides vorhanden, gar nicht vorhanden u.v.m..

Die Definitionen sollen hier nicht als Fremd-Bestimmung der Menschen herangezogen werden. Sie sollen die Verschiedenheiten sichtbar und gleichzeitig die sozialen Praktiken als veränderbar erkennbar machen, insbesondere da, wo sie Verschiedenheiten wie auch Selbstbestimmung der Menschen nicht unterstützt haben. Diese sind Aspekte des Zusammenlebens, die in der Entwicklung von Demokratie immer wieder neu mit allen Menschen als teilhabend erarbeitet werden.

Von jungen Menschen und ihrem Recht auf Selbstbestimmung ausgehend, möchten wir deren Lebenswelt affirmativ, bejahend, bezeugen. In Bezug darauf, kann, so unser Ansatz, (Selbst-) Sicherheit für alle Beteiligten in konkreten Begegnungen stabilisiert werden, so dass die einen nicht auf Kosten der anderen bestimmen und „Recht haben“.

Professionelle in den Bereichen von Bildung, Erziehung und Ausbildung in ihrer täglichen Praxis und im beruflichen Alltag zu unterstützen, demokratische Prozesse zu initiieren, ist das Ziel unseres Ansatzes. Die Rechte der Kinder und ihre Teilhabe an demokratischen Prozessen zu sichern ist unser Anliegen.

Der Ausgangspunkt der Arbeitsweise zur Erstellung der Broschüre ist es, „Trans_Kindheiten“ aus dem Erleben heraus zu begreifen, aus dem Erleben junger Menschen, ihrer Eltern, der Fachkräfte, die sie bei ihrer Entwicklung begleiten und aus den Erfahrungen von Menschen, die mit dem Thema und dem Phänomen der unzutreffenden Zuschreibung eines Geschlechts auf unterschiedliche Weise verbunden sind. Es werden immer wieder andere Erlebnisse und Erfahrungen sein, die zu bearbeiten sind, daher gibt es viele „Kindheiten“.

 

Das Ziel der Broschüre ist es, Professionelle mit den Aspekten des Zusammenlebens und der teilhabenden Gestaltung von Gemeinschaft hinsichtlich des Themas trans_Kindheiten vertraut zu machen. Diese Gestaltung von Gemeinschaft, die im Kontext von Selbstbestimmung des Geschlechts kreative soziale Praktiken hervorbringt, kann und muss konsequenter Weise im Zusammenwirken von allen Beteiligten, insbesondere mit den jungen Menschen erarbeitet werden.

Unser umfassendes Ziel im Kontext der Selbstbestimmung als Selbstbestimmung des Geschlechts ist es:

Das Nicht-Zutreffen der Zuweisung zu einem bestimmten Geschlecht bei der Geburt als Phänomen zu beschreiben und soziales, kreatives Handeln in diesem Kontext von Professionellen zu unterstützen, das mit jungen Menschen (unter 18 Jahren) und ihren Eltern abgestimmt ist. Dass die sozialen Praktiken in Bildungs-, Erziehungs- und Ausbildungsinstitutionen der inneren Notwendigkeit Rechnung tragen, das Geschlecht selbst zu bestimmen, wenn die Zuschreibung zum Geschlecht bei der Geburt nicht zutrifft, ist das Recht eines jeden Menschen. Was Kinder über sich selbst sagen, muss demnach respektiert werden. Die Vorstellung von dem, was Kinder wissen und was sie ausdrücken, wird sich verändern, wenn ihnen auf diese Weise zugehört wird. Der demokratische Handlungsspielraum erweitert sich und Demokratie als Bezugspunkt von Bildung, Erziehung und Ausbildung wird als Rechtsposition für alle Menschen und von allen Menschen begreifbar. Diese Rechtsposition sichert allen Menschen Teilhabe.

 

  1. a) Die Zielgruppen der Broschüre sind:

Professionelle in Kindertageseinrichtungen, Schulen, Nachmittagsbetreuung, Fachschulen und Hochschulen

Träger von Bildungseinrichtungen und Organisationen

Wissenschaftler_innen und Politiker_innen

und alle, die das Aufwachsen von jungen Menschen begleiten

 

  1. b) Verwendung der Broschüre:

Die Broschüre soll als erste Informationsquelle erreichbar sein, um sich als Einzelpersonen oder als Gruppe, Institution und Gemeinschaft in Bezug zur Selbstbestimmung des Geschlechts von jungen Menschen unter 18 Jahren zu orientieren. Sie kann verwendet werden

  • als Information zum Verstehen von unzutreffendem Zuweisungsgeschlecht als soziale Situation
  • für die Ausbildung und Lehre
  • zum Weiterreichen an Interessierte
  • als Anregung, sich weiter mit dem Phänomen zu befassen
  • als Ausgangspunkt eines Prozesses einer Einrichtung, Demokratie zu begreifen
  • als Bezugspunkt, um auf den Ebenen von Forschung und Politik, Fragestellungen zu entwickeln und zu bearbeiten

 

  1. c) Inhalt der Broschüre:

Grundinformationen

Beispielsituationen in Einrichtungen

Beispiele von Formen von Abstimmungen in der Gemeinschaft

Bücherliste

Glossar

Vereine und Bewegungen

 

  1. d) Arbeitsformen im Prozess der Zusammenstellung der Broschüre:

Sichtung von bereits entstandenen Borschüren (national und international)

Workshop mit Studierenden,

Nachmittag zum Austausch mit Kindern und Eltern

Schreib-Phase und Review-Prozess (viele verschiedene Menschen lesen die Broschüre und geben Rückmeldung und Änderungsvorschläge bevor sie gedruckt wird)

Info-Tag mit Kurzvorträgen und Diskussionen (Termin und Ort wird noch bekannt gegeben)

 

 

Unsere Anliegen, das soll hier noch gesagt sein, endet nicht mit der Fertigstellung der Broschüre. Wir möchten Verbindungen zu Gruppen und Vereinen herstellen, auf der Ebene von Forschung, Ausbildung, Lehre und Politik aktiv werden und uns allmählich überflüssig machen.

Wir haben noch einen Blog aufgemacht, auf dem wir immer wieder neue Informationen zusammenstellen, auch zu anderen Themen und Phänomen, die Selbstbestimmung als Recht der Generation der Kinder in gesellschaftspolitischen und sozialethische relevanten Situationen erkennbar machen, Beiträge sammeln und dort veröffentlichen. Unser Anliegen ist es auch, wissenschaftstheoretische Ansätze zu erarbeiten, um die Selbstbestimmung von Kindern in den Angewandten Kindheitswissenschaften auf unterschiedlichen Ebenen zu verorten. (Blog: Selbstbestimmte-Kindheiten@blogspot.de)

 

Claudia Maier-Höfer und Erik Schneider

Landeskirche in Württemberg investiert in die Erzieher_innen-Ausbildung

Die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Herbrechtingen feiert am 24. November die Einweihung der sanierten Fachschule mit Neubau. Nach zwei Jahren im Interim kehrt die Erzieherausbildung zurück an den Standort in der Eselsburger Straße.

HERBRECHTINGEN Der rote Teppich wurde bereits zu Beginn des Schuljahres ausgerollt: Die warme Farbe strahlt einladend in den hellen Eingangsbereich und wird von den Sitzstufen im Foyer aufgegriffen. Nach zwei Jahren im Interim hat die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik das sanierte Schulzentrum mit Neubau am alten Standort in der Eselsburger Straße wieder bezogen – mit großer Begeisterung.

Bauherrin ist die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Seit über 150 Jahren gehört die Erzieher_innen-Ausbildung auf evangelischer Basis zum Auftrag der Kirche. Und so soll es auch bleiben, unterstreicht Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July: „Die Evangelische Landeskirche investiert in die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern in der Region, weil wir für die Kinder das Beste wollen. Gute pädagogische Fachkräfte legen in einer wertegebundenen Begleitung von Kindern den Grundstein für ein gelingendes Leben. Frühkindliche Pädagogik mit evangelischem Profil will Kindern ermöglichen, im Vertrauen auf den liebenden Gott aufzuwachsen. Das ist die Grundlage für einen wertschätzenden und friedfertigen Umgang miteinander.“

Die Fachschule ist der Evangelischen Landeskirche sehr dankbar für die Finanzierung. Die Synode hat rund sieben Millionen Euro für die Sanierung mit Neubau bewilligt. Das Schulzentrum hat eine direkte Anbindung an den historischen Klosterhof in Herbrechtingen und wurde vom Architekturbüro Klaiber und Oettle aus Schwäbisch Gmünd konzipiert. Das neue Gebäude ist von der Hauptstraße her als markantes Bauwerk gut zu erkennen. Durch die Komplettsanierung wurde der Brandschutz berücksichtigt und ein barrierefreier Zugang zu allen Unterrichtsräumen ermöglicht: Zwei ebene Glasbrücken verbinden die Altbauten mit dem Neubau. Die technische Ausstattung mit modernsten digitalen Tafeln, aktueller Tontechnik und Internetanbindung hat der Trägerverein in Stuttgart übernommen.

Oberkirchenrat Dieter Kaufmann legt als Vorstand des Trägervereins besonderen Wert auf die religions- und friedenspädagogischen Grundsätze der Fachschule. „Die staatlich anerkannte Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Unsere Absolventen werden händeringend gesucht. Die Evangelische Fachschule Herbrechtingen übernimmt hier eine Vorreiterrolle: friedenspädagogische Grundlage, innovative Unterrichtskonzepte, moderne Technik und bewährte Vernetzung in der Region“, so Kaufmann.

Schulleiterin Beate Sorg-Pleitner freut sich über den frischen Elan und die vielen Chancen, die sich aus dem Neubau ergeben: „Wir sind sehr glücklich über unsere sanierte Fachschule und nutzen die neuen Möglichkeiten mit Begeisterung. Der Unterricht profitiert vor allem von der flexiblen Raumgestaltung, dem neuen Raum der Stille, dem großzügigen Werkraum, den digitalen Tafeln, und den einladenden Außenanlagen. Unsere Studierenden sagen, sie seien richtiggehend geflasht von dem tollen Ambiente.“

Die Sitztreppe im Foyer ist das Herzstück des neuen Schulgebäudes. Die Studierenden können ihre Pausen dort verbringen oder in kleinen Lerngruppen zusammenarbeiten. „Wir haben nun endlich genügend Platz, damit sich die gesamte Schulgemeinschaft treffen kann – bei Veranstaltungen, Festen im Kirchenjahr und auch zu gemeinsamen Unterrichtsformen wie unser regelmäßiges Religionspädagogisches Projekt“, freut sich Schulleiterin Sorg-Pleitner.

Der Schwerpunkt der Erzieher-innen-Ausbildung liegt in Herbrechtingen bei Bewegung, Musik, Rhythmik, Kunst, Erlebnis- und Naturpädagogik. Wer von außerhalb kommt, kann ein Zimmer in den ebenfalls frisch renovierten Studierenden-WGs mieten. Bewerbungen für das kommende Schuljahr werden laufend entgegengenommen. Mehr Infos zu den Ausbildungswegen und den zusätzlichen Optionen wie Fachhochschulreife und Bachelor-Abschluss gibt es auf der Homepage: www.fachschule-herbrechtingen.de .

Seit der Reformation ist Bildung Kernaufgabe evangelischen Denkens, Handelns und Seins

Liebe Mitgliedsschulen des BeA,

mit großer Bestürzung haben wir als Bundesverband der evangelischen Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik die Nachricht aufgenommen, dass die Evangelische Sozialpädagogische Ausbildungsstätte in Münster, kurz die ESPA, zum Schuljahr 2018/1019 aus der Trägerschaft Bethels in die Trägerschaft der Kommune, der Stadt Münster, überführt werden soll.

Erschüttert stellen wir fest, dass sich mit Bethel ein großer evangelisch-diakonischer Träger aus der Bildungsverantwortung in Münster verabschiedet.

Bethel lässt dazu folgendes, offiziell auf seiner Homepage verlautbaren:

Pressenotiz, Bielefeld 20.09.2017

„ESPA in Münster Münster/Bielefeld. Die Evangelische Sozialpädagogische Ausbildungsstätte Münster, kurz ESPA, ist seit 2004 in Trägerschaft der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Bethel hat dieses Berufskolleg der ESPA gGmbH aufgrund der Insolvenz des damaligen Trägers, des Vereins zur Unterhaltung des Diakonissenmutterhauses Münster/Westfalen, übernommen. Seitdem hat Bethel als Schulträger kontinuierlich in die Sanierung und Modernisierung des Gebäudes und die Ausstattung investiert sowie gemeinsam mit Schulleitung und Kollegium die fachliche und personelle Entwicklung an der Coerdestraße vorangetrieben. Die v.
Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel möchten die Bildungsgänge erhalten, jedoch den Übergang in eine andere Trägerschaft vorbereiten.

Motivation für Trägerwechsel

2004 ging es darum, diese evangelische Ausbildungsstätte zu retten; das ist gelungen, und die ESPA ist heute etabliert, hat einen guten Ruf und bietet ein gutes zukunftsträchtiges Ausbildungsprogramm an. Allerdings hat sich gezeigt, dass sie kein Element der Personalentwicklung Bethels geworden ist. Anders als ursprünglich geplant gibt es in Münster und Umgebung keine Angebote der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. So hat Bethel durch die ESPA keinen Nachwuchs gewinnen können.

Zugleich haben sich Absolventen der ESPA schwer damit getan, die Region zu wechseln, um in Bethel zu arbeiten. In Münster und Umgebung gibt es genug attraktive Arbeitsplätze für sie. In der Ausbildung und Personalentwicklung will sich Bethel künftig auf die eigenen Schulen und Berufskollegs in Bielefeld, Hannover und Berlin konzentrieren; dort und in den jeweiligen Regionen werden eigene Einrichtungen in verschiedenen Hilfefeldern unterhalten.

Termin des Übergangs

Ein möglicher Übergang soll zum 01.08.2018 und damit zum neuen Schuljahr angestrebt werden, da er mit dem Schuljahreswechsel verbunden sein muss.

Zukunft der ESPA / Was passiert mit dem Standort Coerdestraße?

In der ESPA werden rund 550 Schülerinnen und Schüler in Berufen der Erziehung, Pflege und Heilerziehungspflege ausgebildet. Der Fachkräftebedarf in Pflege und Erziehung zeichnet sich bereits jetzt deutlich ab, sowohl im sozialpädagogischen wie besonders auch im erzieherischen Bereich. Einig sind sich die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, Bezirksregierung und Stadt Münster nach intensiven Gesprächen, dass die Bildungsgänge und damit die Ausbildungskapazitäten für den beruflichen Nachwuchs für Stadt und Region unverzichtbar sind. Ziel ist der Erhalt der Bildungsgänge.

Die Stadt Münster könnte die Bildungsgänge der ESPA ab dem Schuljahr 2018/19 organisatorisch unter dem Dach des Anne-Frank-Berufskollegs, Manfred-von-Richthofen-Straße, fortführen. Dabei würden die angestammten Räumlichkeiten an der Coerdestraße zunächst weiter genutzt.

Bislang sind politische Gremien mit einer Übernahme der Trägerschaft noch nicht befasst worden. Erforderliche Beschlüsse stehen daher noch aus.

Konditionen für den Übergang

Im Sinne eines gelingenden und auch für die Stadt Münster verkraftbaren Übergangs haben die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel angeboten, die Aufwendungen für die ersten beiden Jahre (Schuljahr 2018/19 und 2019/20) zu erstatten, so dass für den städtischen Haushalt erstmalig in 2020 Aufwendungen entstehen würden.

Wie viele Beschäftigte gibt es / Welche Zukunft haben sie?

37 Lehrkräfte, 5 Personen nicht-lehrendes Personal (Hausmeister, Schulsekretärinnen) und 5 Lehrkräfte mit Einzelstunden sind aktuell in der ESPA tätig. Allen Lehrkräften soll für den Fall eines Trägerwechsels ein Angebot zum Übergang in den Landesdienst NRW gemacht werden. Dazu wird aktuell eine Rahmenvereinbarung mit der Bezirksregierung abgestimmt, um einen guten Übergang zu regeln. Die Schulsekretärinnen und Hausmeister sollen ein Angebot der Stadt Münster zur Übernahme bekommen.

Auswirkungen für Schülerinnen und Schüler?

Auf die Schülerinnen, die zurzeit ihre Ausbildung an der ESPA machen, wird es keine Auswirkungen geben. Die Ausbildungen können bei einem möglichen Trägerwechsel wie begonnen weitergeführt und abgeschlossen werden. Wie oben beschrieben, sollen die Ausbildungskapazitäten in diesen zukunftsträchtigen Berufen erhalten bleiben.“

(Zitat der Pressemeldung Ende)

Für den BeA ergeben sich daraus folgende Fragen:

1. Welchen Stellenwert nimmt die evangelische berufliche Bildung im evangelischen Sein und Handeln ein?

2. Können wir es uns leisten, Schulgemeinden als Teil evangelischen Lebens aufzugeben?

3. Wie soll es gelingen, dass sich aus dem anvisierten Trägerwechsel keine Auswirkungen für die Schulgemeinde ergeben werden?

4. Ist die Berufsbildung an evangelischen Ausbildungsstätten nur dem Zweck der Personalgewinnung unterworfen und unter markt- und fiskalpolitischen Aspekten zu betrachten?

Der Vorstand des BeA ist bestürzt!

Im letzten Jahr haben wir uns im BeA intensiv mit der Zukunftsfähigkeit evangelischer Fachschulen auseinandergesetzt. Nun ist dies aktueller denn je. Der BeA-Vorstand arbeitet an einer weiteren Stellungnahme, die den entsprechenden Gremien zugehen und im BeA veröffentlicht wird. Am Rande des Bundeskongresses der evangelischen Schulen in Warnemünde (27.-29.9.2017) haben wir zahlreiche Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Diakonie, der EKD und der Evangelischen Landeskirche von Westfalen geführt.

Wir fordern die Verantwortlichen aus Kirche, Diakonie und Gesellschaft auf, einem Paradigmenwechsel entgegenzuwirken und die berufsbildenden Schulen in evangelischer Trägerschaft nicht zu schwächen, sondern zu stärken.

Mit freundlichen Grüßen
für den BeA-Vorstand

Silvia Gartinger, Fachschule für Sozialpädagogik d. Ev. Johannesstift, Berlin

Ulrike Kläfker, Ev. Fachschule für Sozial- und Heilpädagogik, Osnabrück

Andrea Schumann, Friederike-Fliedner-Berufskolleg, Iserlohn

Silke Seidel-Beck, Ev. Fachschule für Sozialpädagogik Nonnenweier, Schwanau

Susanne Weber-Ludwig, Diakonisches Bildungsinstitut Johannes Falk gGmgH, Eisenach

 

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