Archiv für den Monat: Mai 2017

Fachtag „Personalarbeit 4.0 – Arbeit kompetenzorientiert gestalten“

findet am 21.11.2017 in der Diakonie Deutschland, im EWDE in Berlin statt.

Was heißt Personalarbeit 4.0?

Was sind die neuen Herausforderungen, denen sich Personalarbeit im Non-Profit-Bereich zu stellen hat, um marktfähig bleiben zu können?

Woraus ergeben sich Chancen für die Arbeitsfelder der Diakonie und der Freien Wohlfahrtspflege? Welche Rolle spielt dabei der DQR und die damit verbundene Kompetenzorientierung?

Der Fachtag wendet sich an Personalverantwortliche, Multiplikator_innen, Träger, Bildungseinrichtungen und Verbände.

Auf dem Fachtag werden ein Erklärfilm und ein Leitfaden zur kompetenzorientierten Arbeit präsentiert.

Die Teilnehmendenzahl des Fachtages ist begrenzt. Bitte melden Sie sich daher bei Interesse zeitnah an.

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldungen mit dem dazugehörigen Anmeldeformular.

Vertiefungs-Bausteine für Krippenpädagogik

Wie überall im Land ist auch im Umfeld unserer Fachschule zu beobachten, dass die Krippenplätze stark ausgebaut werden. Der Krippenpädagogik beziehungsweise der Pädagogik für die Altersgruppe der unter Dreijährigen (U3) sollte darum auch im Rahmen der Erzieherausbildung genügend Raum und Aufmerksamkeit zukommen. Für uns war selbstverständlich, dass nicht nur diejenigen, die die PiA-Ausbildung machen, während ihrer Ausbildung alle Altersgruppen kennenlernen sollten (U3, 3-6-Jährige, Hortkinder), wie es für diese Ausbildungsform vorgeschrieben ist, sondern wir wollten dies auch für die klassische Ausbildung als elementaren Bestandteil ermöglichen. Das Krippenpraktikum als letztes Praktikum im Berufskolleg war dafür immer weniger geeignet, weil die Zahl der Quereinsteiger im Unterkurs der Fachschule zunimmt. Nach eingehenden Beratungen und konzeptionellen Überlegungen ist nun das Krippenpraktikum elementarer Bestandteil der Praxis im Oberkurs. Es wird damit dem Argument Rechnung getragen, dass unserer Einschätzung nach die Arbeit mit den Kleinsten das höchste Maß an Sensibilität und Fachlichkeit voraussetzt. Zudem wird dieses Praktikum mit Vertiefungsbausteinen, also zusätzlichen Unterrichtsstunden, bereits ab dem Unterkurs hinterlegt, die abschließend auch zertifiziert werden sollen. Nur so scheint uns gewährleistet, dass die von uns ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher beim Eintritt in den Beruf beste Voraussetzungen mitbringen, um auch in einer Krippengruppe hochqualifizierte Arbeit zu leisten.

BU: Pädagogik für die Altersgruppe der unter Dreijährigen (U3) spielt im Berufsfeld eine immer größere Rolle.

Kronenkreuz in Gold verliehen

Vor genau 30 Jahren hat Christiana Heinrich-Burscheid im Januar 1987 ihre Lehrtätigkeit an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik begonnen. Sie hatte damals ihr Diplom als Musiklehrerin im Hauptfach Rhythmik an der Musikhochschule Trossingen mit Bravour abgeschlossen und übernahm in Herbrechtingen den Bereich Musik, Rhythmik, Theaterpädagogik und Bewegungserziehung in der Erzieherausbildung. Als Ausdruck der großen Wertschätzung für den langjährigen Einsatz überreichte ihr Beate Sorg-Pleitner, Direktorin der Evangelischen Fachschule, das Kronenkreuz der Diakonie in Gold. „Unser Dank für Ihre mitreißende und professionelle Lehrtätigkeit kommt von Herzen“, sagte Sorg-Pleitner bei der Übergabe, „Sie haben tausende angehende Erzieherinnen und Erzieher für ihren anspruchsvollen Beruf im Bereich Musik und Bewegung ausgebildet und ihnen zur Entwicklung einer reifen Persönlichkeit und einer selbstsicheren Ausdrucksfähigkeit verholfen – ein großartiger Schatz fürs ganze Leben!“

Die Überreichung der Brosche mit Ehrenurkunde geschah unter anhaltendem Applaus der Schülerinnen und Schüler während der Aufführung der traditionellen Vesper. Das sei genau der passende Rahmen, betonte die Direktorin, „denn diese Veranstaltung haben Sie in den vergangenen Jahren aus einem kleinen Weihnachtssingen entwickelt und mit Performance, Theater und Rhythmik zum Highlight des Schuljahres ausgeprägt.“

 BU: Dozentin Christiana Heinrich-Burscheid (links) bekam für ihre 30-jährige Tätigkeit an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik das Kronenkreuz der Diakonie in Gold verliehen. Foto: Simon Steinhauer

Pfarrerin Beate Sorg-Pleitner, Direktorin
Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Herbrechtingen

www.fachschule-herbrechtingen.de

 

70 Jahre Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik in Stuttgart-Botnang

Jubiläen, kleine und große, sind immer eine Gelegenheit, um eine Bestandsaufnahme zu machen, Erinnerungen auszukramen und lebendig werden zu lassen. Wir haben das im Rahmen unseres Tages der offenen Tür im November getan, unter anderem durch:

  • Interviews mit ehemaligen Studierenden
    Wie verlief denn Ihr Werdegang nach der Ausbildung zur Erzieherin? Wenn Sie heute nochmals Studierende wären, was wäre Ihnen dann wichtig? Was möchten Sie Auszubildenden für die Tätigkeit als Erzieherin mit auf den Weg geben? Absolventinnen aus unterschiedlichen Jahrgängen gaben persönliche Antworten auf die Interviewfragen. Wie sich Einschätzungen im Laufe von Jahrzehnten wandeln, zeigte die Antwort der ältesten Ehemaligen auf die Frage, was sie denn von Männern im Erzieherberuf halte: „Männer finde ich in den Kindergärten nicht so gut, vor allem wegen des Singens. Ich habe immer viel mit den Kindern gesungen, das können die Männer nicht.“
    BU: Beim Tag der offenen Tür machte eine Modenschau den Wandel der Zeit deutlich.
  • Wandfries zu den jährlichen Absolventenzahlen
    Um einen Eindruck zu erhalten, wie viele Frauen und Männer in den vergangenen 70 Jahren in der Fachschule ausgebildet wurden, gestaltete eine Gruppe ein Wandfries im Stempelverfahren. Für jedes Abschlussjahr wurde die Anzahl der Frauen (rot) und Männer (blau) mit Stempelfiguren übereinander dargestellt. Die größeren Figuren stehen für jeweils zehn, die kleinen für eine einzige Person: Insgesamt waren es 4332 Frauen und 149 Männer.
    BU: Stempelmännchen symbolisieren die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in den vergangenen 70 Jahren.
  • Alte und neue Spiele
    Unsere Studierenden haben Ideen und Vorschläge gesammelt, um ein interaktives Spiele-Angebot für die Besucherinnen und Besucher anzubieten. Spiele wie „Pfennige an die Wand“, „Himmel oder Hölle“ oder „Gummitwist“ haben große und kleine Besucher am Tag der offenen Tür zum aktiven Mitmachen eingeladen.
    BU: Himmel oder Hölle: Als Aktion zum Mitmachen gab es alte und neue Spiele.
  • Geburtstagskaffee mit ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
    Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter folgten der Einladung zu einem Treffen bei Kaffee und Torte in der Fachschule. Lebendige Erzählungen, etwa von Kolleginnen, die in den 70er- und 80er-Jahren an die Fachschule kamen, machten deutlich, dass die Herausforderungen für Lehrkräfte früher wie heute in manchem (noch) ganz ähnlich sind.
    BU: Eine feine Geburtstagstorte wurde beim Treffen ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeit serviert.

 

Wanderausstellung: Flucht und Vertreibung in der Kinder- und Jugendliteratur

Anfang der Jahres eröffnete die Botnanger Fachschule eine aktuelle Buchausstellung mit Kinder- und Jugendliteratur zum Thema „Flucht und Vertreibung“. Präsentiert wurden rund 40 Titel von A wie „Akim rennt“ über M wie „Maulwurf Grabowski“ bis Z wie „Zuhause“. Die Ausstellung zeigt die Vielfalt an Literatur zum Thema und unterstützt die künftigen Erzieherinnen und Erzieher dabei, die Bücher in der Kita einzusetzen und die Fragen der Kinder zum Thema Flucht und Fremdsein pädagogisch sinnvoll aufzugreifen.

Die ausgestellten Kinder- und Jugendbücher eigenen sich alle zum gemeinsam Betrachten und Vorlesen mit Kindern oder Jugendlichen. Die Ausstellung ist als Wanderausstellung angelegt und kann inklusive Roll-Up und Infomaterial gerne bei der Fachschule ausgeliehen werden: stuttgart@ev-fs.de

BU: Das Roll-Up zeigt einige Buchtitel der Wanderausstellung „Flucht und Vertreibung“.

Ästhetisches Lernen im Atelier der Erfahrungen

eigenverantwortlich – kreativ – partizipativ

Dicke Tropfen grüner Farbe landen mit einem unüberhörbaren „Platsch“ auf einem großen weißen Malgrund von
1 m x 2 m. Der zweite Farbschwall in rot folgt nur wenige Sekunden später aus einer mit Löchern versehenen Konservendose, die an einer Juteschnur baumelt. „Ein schöner Komplementärkontrast!“, stellt der Schöpfer des Werkes fest!
20 Studierende der praxisintegrierten Ausbildung zur/ zum ErzieherIn haben sich am Berufskolleg Bethel zusammengefunden, um den ersten Umsetzungsschritt für die in Kooperation mit dem Verein „Spielen mit Kindern e. V.“ geborene Projektidee „Kunst ohne Dach“ zu verwirklichen.

Die Frage nach dem „Was machen die hier?“ liegt nahe. Nennen wir es ästhetisches Lernen oder Bildung! Nun, die Aktualität der Thematik zeigt sich in der Verankerung der Bildungsvereinbarungen von Nordrhein-Westfalen und ist mittlerweile wohl unumstritten.
Musisch-ästhetische Bildung nimmt in Bezug auf das aktuelle Bildungsverständnis, welches ästhetische Bildungsprozesse in erster Linie als sinnliche Erfahrung und die kreative Auseinandersetzung mit der Umwelt und somit als Ausgangspunkt für kognitive Bildungsprozesse betrachtet, einen immer wichtigeren Stellenwert in der aktuellen Bildungsdebatte (Früh-)kindlicher Bildung und somit auch im Lehrplan der angehenden ErzieherInnen ein. Ästhetische Bildung im Sinne von Selbstbildungsprozessen versteht sich als Ergebnis sinnlicher Erfahrungen, die selber zu neuem Wissen und neuen Erkenntnissen führen können. Und das tun sie in der Tat! 20 Studierende beschreiten neben dem malerischen Dschungel des Amerikaners Jackson Pollock auch das Feld der abstrakten Malerei von Gerhard Richter. Auch hier finden sich wieder große Formate, vielschichtig angelegt, mit einer faszinierenden Dichte. Farbstrukturen werden mit Pinseln,
Rakeln und Spachteln aufgetragen, die über die nassen Farbschichten gezogen werden, wobei bereits vorhandene durch neue überlagert, aufgerissen oder ganz ausgelöscht werden. Das Prinzip des Zufalls spielt hierbei eine wesentliche Rolle, da sich der Farbauftrag bei der Arbeit mit der Rakel nur bedingt steuern lässt.

Im Rahmen der dreijährigen Ausbildung zur/zum ErzieherIn am Berufskolleg Bethel werden den Studierenden im Sinne des kompetenzorientierten Lehrplans in Workshopatmosphäre Lehr- und Lernräume eröffnet. Im „Atelier der Erfahrungen“ haben
die Studierenden die Möglichkeit, sich auf verschiedene ästhetische Erfahrungen einzulassen und deren Bedeutsamkeit für das eigene pädagogische Handeln zu erkennen. Aktiv, entdeckend, experimentierend, selbstverantwortlich, spielerisch und ungezwungen können sie ihr eigenes Repertoire an Ausdrucksformen (wieder)entdecken und weiterentwickeln. „Und genau das spiegelt sich in den Gesichtern der Studierenden wider: Begeisterung, Aufmerksamkeit, Stolz, Überzeugung und eine Menge Spaß“, resümiert auch Daniela Duckwitz, Lehrerin am Berufskolleg. In Form von Lerntheken haben die Studierenden die Möglichkeit, sich angebotene Lerninhalte nach ihren eigenen Verständniszugängen im Kontext ihrer individuellen Lebenswelt anzueignen. Die Angebote reichen von den bereits erwähnten Maltechniken des abstrakten Expressionismus, über die Herstellung von Zuckerkreide, bis hin zu Projekten in und mit der Natur (Landart). Gemeinsame Museumsbesuche, in welchen sich die Studierenden in der Kunstrezeption und Kunstvermittlung erproben und so didaktische und methodische Vorgehensweisen kennenlernen, sind als zukünftige Workshopinhalte ebenfalls geplant.
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Um die Lernorte Praxis und Schule enger zu verknüpfen und den Studierenden Raum und Möglichkeiten zur Erprobung professioneller Handlungskompetenzen zu gewährleisten, entstand die Projektidee „Kunst ohne Dach“ in Kooperation mit dem Verein „Spielen mit Kindern e. V.“. Im Rahmen der offenen Arbeit mit Kindern bieten die Studierenden im Lernatelier erprobte Angebote im Bereich ästhetischer Bildung an, um diese Kindern und Jugendlichen als Erfahrung, Erlebnis und Gestaltung vor Ort zu ermöglichen. Über die Umsetzung dieser Idee und den daraus resultierenden Erfahrungen wird an anderer Stelle noch berichtet werden.
Ziel ist es, über punktuelle Vorhaben hinaus Kooperationen mit kulturellen Institutionen einzugehen, die das gestalterisch-ästhetische Handeln intensiv und nachhaltig in eine Zusammenarbeit überführen, um langfristig miteinander zu kooperieren, Kulturprojekte gemeinsam zu entwickeln und zu realisieren. Denn damit ist ein wesentliches Ziel von Bildung angesprochen: Jungen Menschen ein eigenständiges, kreatives und sinnvolles Leben zu ermöglichen und sie zur Mitarbeit an der Gestaltung von Zukunft zu befähigen.

Ästhetisches Lernen in der Kunsthalle Bielefeld

Vom Erkennen, Erfahren und Verstehen der Kunst

Eine aufgewühlte Farblandschaft aus formlosen, sich überlagernden Feldern, glühendes rot und wolkiges blau. Darauf schwebt, wortwörtlich, eine Schar von Rechtecken, erfüllt von eindeutigen, intensiven Farben. Die überwältigende räumliche Wirkung, des mehr als zwei Meter hohen Bildes des deutsch-amerikanischen Künstlers Hans Hofmann, ließ auch die Studierenden der praxisintegrierten Ausbildung zur/ zum ErzieherIn vom Berufskolleg Bethel nicht unberührt. Dass der Künstler diese beeindruckenden Effekte durch ganz simple Prinzipien des Überlagerns und der Differenz erreicht, konnten die Studierenden im Museumsrundgang in der Kunsthalle Bielefeld noch genauer erfahren und in den hauseigenen Malstuben erproben.

Zeit für die letzte Workshop-Einheit vor der eigentlichen Durchführung des Kinderkunstprojektes „Kunst ohne Dach“ im Spielhaus des Vereins „Spielen mit Kindern e.V“. Dieses Mal fand der Unterricht für die Studierenden der praxisintegrierten Ausbildung zur ErzieherIn nicht im „Atelier der Erfahrung“ des Berufskollegs Bethel, sondern in der Kunsthalle Bielefeld statt, wo es die aktuelle Ausstellung von Hans Hofmann zu besichtigen galt. Was ist Kunst? Wie kann ich sie für Kinder und Jugendliche erfahrbar machen? Fragen, auf die die Studierenden im Rahmen einer Führung durch die Ausstellung Antworten suchten. Museumspädagogin Nele Oelschläger, führte die Studierenden durch die Ausstellung und berichtete dabei auch von realen Erlebnissen mit Kinder- und Jugendgruppen und deren Begegnung mit der Kunst. „Oft ist es besonders die naive und unvorbelastete Sichtweise der Kinder, die inspiriert und neue Anregungen gibt.“ Ebenso wichtig sind allerdings auch die eigene Haltung und das ehrliche Interesse der Erwachsenen an Kunst. „Denn je natürlicher Erwachsene mit Kunst und Kultur umgehen und je mehr sie Teil ihres Lebens sind, umso besser können Kinder und Jugendliche diese als Teil ihres Lebens annehmen und verstehen.“, so Nele Oelschläger. Trotz dieser Erkenntnis werden Museen als außerschulische Lernorte kultureller Bildung und sinnlich-ästhetischer Begegnung heute noch zu selten mit Kindern und Jugendlichen genutzt.

Bei dem Rundgang durch die Ausstellung hatten die Studierenden die Möglichkeit, in die Welt der Formen und Farben des Künstlers, die Illusion von Raum und Bewegung abzutauchen, und dabei ihr Verständnis von Kunst und Kunstaneignung zu entwickeln, indem sich die Studierenden zum Teil eigenständig, aber auch angeleitet den ausgestellten Exponaten annäherten.
Doch wie wird Kunst für Kinder und Jugendliche nun im Konkreten erfahrbar? Da treffen sich dann wohl die Kunsthalle und das „Atelier der Erfahrung“. „Dass die Aneignung von Kunst immer stark von ästhetischen Erfahrungen geprägt ist“, weiß auch Lehrerin Daniela Duckwitz zu berichten. „Genau so funktioniert ja auch das Lernen im Atelier der Erfahrung am Berufskolleg Bethel. „Die richtige Verknüpfung sowie ein ausgewogenes Zusammenspiel von Vermittlung und Aneignung sind dabei von maßgeblicher Bedeutung.“

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Angekommen in der hauseigenen Malstube der Kunsthalle, konnten die Studierenden die wesentlichen Aspekte der Ausstellung praktisch nachzuvollziehen. Wie gelang es Hofmann, besprochene Wirkungen von Räumlichkeit und Dreidimensionalität zu erzielen? Wie setzte er Farben und Formen ein? Dazu wurde das zuvor in der Ausstellung Gesehene mit unterschiedlichen Malgründen, Farben und farbigen Papieren verarbeitet, erweitert und fixiert – mit beeindruckenden Ergebnissen.
Neben dem Erkennen und Verstehen der Kunstwerke im Vorfeld, ging es also anschließend vor allem um das Erproben von praktischen Vorgehensweisen mit dem Ziel, diese dann sowohl zielgruppenorientiert, als auch sach- und fachgerecht in der pädagogischen Praxis eröffnen zu können.
Wie lautet das Fazit am Ende eines erfahrungsreichen Tages in der Kunsthalle Bielefeld? Den Studierenden zufolge gehört zu einer zeitgemäßen (früh)pädagogischen Qualifikation auch das Feld der Kunstpädagogik. Sie ist eine wichtige Brücke zu den Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen. Das konnten die Studierenden selbst in Auseinandersetzung mit der Kunst Hans Hofmanns und der kreativen Arbeit in der Malstube der Kunsthalle erfahren, und dabei viel kunstpädagogisch Wertvolles für ihre Projektidee „Kunst ohne Dach“ mitnehmen.

„Kunst ohne Dach“ im Spielhaus – ein Kooperationsprojekt des Berufskollegs Bethel und dem Verein „Spielen mit Kindern e.V.“

Das Spielhaus wird zum Kinderkunstatelier als Lern- und Erfahrungsraum, in dem Kinder künstlerische Spuren hinterlassen.

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Es ist Samstag. Das Berufskolleg Bethel verwandelt das Spielhaus in der Teichstraße 18a in Bielefeld für einen Tag in ein Kunstatelier für Kinder von 6 bis 14 Jahren. An vielen Stationen können sich die Kinder kreativ ausprobieren und Methoden der abstrakten Kunst, wie zum Beispiel die Rakeltechnik Gerhard Richters, ebenso kennenlernen, wie die Geheimnisse fotografischer Bilder ganz ohne Kamera nach dem Vorbild Man Rays. Im Vordergrund steht das freie, prozesshafte Experimentieren mit neuen Gestaltungsformen, Materialien und Techniken. Neugier an der Kunst und Kreativität sollen geweckt werden. Wie offen Kinder der Kunst gegenüber stehen ist an ihrem kreativen Eifer in der Sache zu erkennen: Sie mischen Farben selbst, malen mit Fingern und Pinseln und fügen Formen aus diversen Materialien als Collage aneinander. Eine Dunkelkammer wird als Ort zum Experimentieren aufgesucht und bereitet den kleinen und großen Künstlern große Freude. Das erfüllt auch die Studierenden des Berufskollegs Bethel sichtlich:

„Es ist schön zu sehen mit wie viel Neugier und Begeisterung die Kinder bei der Sache sind. Beim Rakeln beispielsweise, bei dem nach dem Prinzip des Zufalls jedes Mal aufs Neue unvorhersehbare und spannende Farbkompositionen entstehen. Jede neue Rakelschicht ist für die Kinder eine echte Überraschung, die den Kindern förmlich ins Gesicht geschrieben steht“, so eine Studierende des Berufskollegs.
Doch warum heißt es denn nun „Kunst ohne Dach!“, wenn doch offensichtlich ein ganzes Haus ein ziemlich großes Dach für Kunst- und Kreativangebote bietet?
„Ursprünglich war das Konzept als mobiles Kinderkunstprojekt gedacht, um Kindern Kunst- und Kreativangebote „überall“, also auch dort, wo feste, kindgerechte Angebote und Strukturen fehlen oder nur bedingt vorhanden sind, anzubieten“, verrät Lehrerin und Verantwortliche des Projekts Daniela Duckwitz. Aus organisatorischen Gründen wurde das Projekt letztendlich ins Spielhaus verlegt. Vom eigentlichen Projekttitel wollte sich aber keiner mehr so richtig trennen und so bekam das Projekt: „Kunst ohne Dach“ im wahrsten Sinne des Wortes doch ein Dach und zwar das des Spielhauses vom Verein „Spielen mit Kindern e.V.“.

Das rege Interesse und der breite Zulauf der Kinder aus verschiedenen Stadtteilen Bielefelds lassen auf eine Fortsetzung des Projekts hoffen. Warum nicht? Stellt doch das Projekt „Kunst ohne Dach“ wertvolle Erfahrungen und Bildungsmöglichkeiten bereit, sowohl für Kinder, als auch für angehende Erzieherinnen und Erzieher.

mission maths: Fünf Schulen in Europa rechnen für eine gemeinsame Sache

Wie kann mathematisches und naturwissenschaftliches Interesse bei Kindern geweckt und aufrechterhalten werden? Dieser Frage geht die Haller Fachschule gemeinsam mit Schulen aus Polen, Spanien, Italien und Griechenland nach. Das Projekt „mission maths“ wird von der Euro­päischen Union über ERASMUS plus unterstützt und läuft von September 2015 bis September 2018.

Unser Beitrag: Erfahrungsorientiertes und selbstmotiviertes Lernen

Als Fachschule in Schwäbisch Hall bringen wir unser Know-How bezüglich Lernmotivation von Kindern und Jugendlichen ein und geben Erfahrungen aus unserer pädagogischen Arbeit im Projekt „Haus der kleinen Forscher“ weiter:

  • Forschendes Lernen: Wir lenken das Augenmerk auf Situationen, in denen mathematische Fähigkeiten unseren Alltag erleichtern, können kreative Problemlösestrategien weitergeben und zum Einsatz innovativer Methoden motivieren, die den Forscherdrang der Kinder und Jugendlichen unterstützen.
  • Wir regen an, die Perspektive zu verändern. Wir schauen ganz bewusst und genau auf das Neugierverhalten der jungen Kinder. Ihr Interesse an einer ganzheitlichen Welterkundung und der „handgreifliche“ Zugang kann auch dem mathematischen und naturwissenschaftlichen Lernen mehr Sinnlichkeit und Alltagsnähe geben.

Online-Workshops und Begegnungen

Lehrkräfte aus den Partnerländern

Neben Planungs- und Kooperationstreffen in Polen, Deutschland und Spanien gestalteten wir mehrere Online-Workshops für die vier Partnerschulen – zum Beispiel zum Thema Optik (Licht, Spiegelung, Dunkelheit, Schatten, Farben) und zum Thema Mathematik (Fibonacci-Folge und Goldener Schnitt mit Beispielen aus Architektur und Natur). Bei der Workshop-Woche in Schwäbisch Hall tauschten wir uns mit 20 Lehrkräften aus den Partnerländern über innovative Unterrichtsmethoden aus und genossen die kulturübergreifende Begegnung. Wir bekamen viele positive Rückmeldungen für die gute Organisation und die herzliche Gastfreundschaft. Auch bleibt das gemeinsame Fußballschauen dem Lehrerteam aus Griechenland in lebhafter Erinnerung, wie eine Rückmeldung per E-Mail zeigt: „Thank you once more for the wonderful moments we shared! So sad that your team didn’t make it to the finals.”

Unsere Studierenden profitieren sehr durch den Blick über den Tellerrand. Sie können bei Hospitationen vor Ort erfahren und erleben, wie in anderen Ländern pädagogisch gearbeitet wird und teilen diese Eindrücke dann in der Schulgemeinschaft mit dem ganzen Haus. Alle sind so begeistert dabei, dass wir für die nächste Studienfahrt die Plätze auslosen mussten.

Martin Berger, Direktor