Archiv für den Monat: Oktober 2017

Seit der Reformation ist Bildung Kernaufgabe evangelischen Denkens, Handelns und Seins

Liebe Mitgliedsschulen des BeA,

mit großer Bestürzung haben wir als Bundesverband der evangelischen Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik die Nachricht aufgenommen, dass die Evangelische Sozialpädagogische Ausbildungsstätte in Münster, kurz die ESPA, zum Schuljahr 2018/1019 aus der Trägerschaft Bethels in die Trägerschaft der Kommune, der Stadt Münster, überführt werden soll.

Erschüttert stellen wir fest, dass sich mit Bethel ein großer evangelisch-diakonischer Träger aus der Bildungsverantwortung in Münster verabschiedet.

Bethel lässt dazu folgendes, offiziell auf seiner Homepage verlautbaren:

Pressenotiz, Bielefeld 20.09.2017

„ESPA in Münster Münster/Bielefeld. Die Evangelische Sozialpädagogische Ausbildungsstätte Münster, kurz ESPA, ist seit 2004 in Trägerschaft der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Bethel hat dieses Berufskolleg der ESPA gGmbH aufgrund der Insolvenz des damaligen Trägers, des Vereins zur Unterhaltung des Diakonissenmutterhauses Münster/Westfalen, übernommen. Seitdem hat Bethel als Schulträger kontinuierlich in die Sanierung und Modernisierung des Gebäudes und die Ausstattung investiert sowie gemeinsam mit Schulleitung und Kollegium die fachliche und personelle Entwicklung an der Coerdestraße vorangetrieben. Die v.
Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel möchten die Bildungsgänge erhalten, jedoch den Übergang in eine andere Trägerschaft vorbereiten.

Motivation für Trägerwechsel

2004 ging es darum, diese evangelische Ausbildungsstätte zu retten; das ist gelungen, und die ESPA ist heute etabliert, hat einen guten Ruf und bietet ein gutes zukunftsträchtiges Ausbildungsprogramm an. Allerdings hat sich gezeigt, dass sie kein Element der Personalentwicklung Bethels geworden ist. Anders als ursprünglich geplant gibt es in Münster und Umgebung keine Angebote der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. So hat Bethel durch die ESPA keinen Nachwuchs gewinnen können.

Zugleich haben sich Absolventen der ESPA schwer damit getan, die Region zu wechseln, um in Bethel zu arbeiten. In Münster und Umgebung gibt es genug attraktive Arbeitsplätze für sie. In der Ausbildung und Personalentwicklung will sich Bethel künftig auf die eigenen Schulen und Berufskollegs in Bielefeld, Hannover und Berlin konzentrieren; dort und in den jeweiligen Regionen werden eigene Einrichtungen in verschiedenen Hilfefeldern unterhalten.

Termin des Übergangs

Ein möglicher Übergang soll zum 01.08.2018 und damit zum neuen Schuljahr angestrebt werden, da er mit dem Schuljahreswechsel verbunden sein muss.

Zukunft der ESPA / Was passiert mit dem Standort Coerdestraße?

In der ESPA werden rund 550 Schülerinnen und Schüler in Berufen der Erziehung, Pflege und Heilerziehungspflege ausgebildet. Der Fachkräftebedarf in Pflege und Erziehung zeichnet sich bereits jetzt deutlich ab, sowohl im sozialpädagogischen wie besonders auch im erzieherischen Bereich. Einig sind sich die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, Bezirksregierung und Stadt Münster nach intensiven Gesprächen, dass die Bildungsgänge und damit die Ausbildungskapazitäten für den beruflichen Nachwuchs für Stadt und Region unverzichtbar sind. Ziel ist der Erhalt der Bildungsgänge.

Die Stadt Münster könnte die Bildungsgänge der ESPA ab dem Schuljahr 2018/19 organisatorisch unter dem Dach des Anne-Frank-Berufskollegs, Manfred-von-Richthofen-Straße, fortführen. Dabei würden die angestammten Räumlichkeiten an der Coerdestraße zunächst weiter genutzt.

Bislang sind politische Gremien mit einer Übernahme der Trägerschaft noch nicht befasst worden. Erforderliche Beschlüsse stehen daher noch aus.

Konditionen für den Übergang

Im Sinne eines gelingenden und auch für die Stadt Münster verkraftbaren Übergangs haben die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel angeboten, die Aufwendungen für die ersten beiden Jahre (Schuljahr 2018/19 und 2019/20) zu erstatten, so dass für den städtischen Haushalt erstmalig in 2020 Aufwendungen entstehen würden.

Wie viele Beschäftigte gibt es / Welche Zukunft haben sie?

37 Lehrkräfte, 5 Personen nicht-lehrendes Personal (Hausmeister, Schulsekretärinnen) und 5 Lehrkräfte mit Einzelstunden sind aktuell in der ESPA tätig. Allen Lehrkräften soll für den Fall eines Trägerwechsels ein Angebot zum Übergang in den Landesdienst NRW gemacht werden. Dazu wird aktuell eine Rahmenvereinbarung mit der Bezirksregierung abgestimmt, um einen guten Übergang zu regeln. Die Schulsekretärinnen und Hausmeister sollen ein Angebot der Stadt Münster zur Übernahme bekommen.

Auswirkungen für Schülerinnen und Schüler?

Auf die Schülerinnen, die zurzeit ihre Ausbildung an der ESPA machen, wird es keine Auswirkungen geben. Die Ausbildungen können bei einem möglichen Trägerwechsel wie begonnen weitergeführt und abgeschlossen werden. Wie oben beschrieben, sollen die Ausbildungskapazitäten in diesen zukunftsträchtigen Berufen erhalten bleiben.“

(Zitat der Pressemeldung Ende)

Für den BeA ergeben sich daraus folgende Fragen:

1. Welchen Stellenwert nimmt die evangelische berufliche Bildung im evangelischen Sein und Handeln ein?

2. Können wir es uns leisten, Schulgemeinden als Teil evangelischen Lebens aufzugeben?

3. Wie soll es gelingen, dass sich aus dem anvisierten Trägerwechsel keine Auswirkungen für die Schulgemeinde ergeben werden?

4. Ist die Berufsbildung an evangelischen Ausbildungsstätten nur dem Zweck der Personalgewinnung unterworfen und unter markt- und fiskalpolitischen Aspekten zu betrachten?

Der Vorstand des BeA ist bestürzt!

Im letzten Jahr haben wir uns im BeA intensiv mit der Zukunftsfähigkeit evangelischer Fachschulen auseinandergesetzt. Nun ist dies aktueller denn je. Der BeA-Vorstand arbeitet an einer weiteren Stellungnahme, die den entsprechenden Gremien zugehen und im BeA veröffentlicht wird. Am Rande des Bundeskongresses der evangelischen Schulen in Warnemünde (27.-29.9.2017) haben wir zahlreiche Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Diakonie, der EKD und der Evangelischen Landeskirche von Westfalen geführt.

Wir fordern die Verantwortlichen aus Kirche, Diakonie und Gesellschaft auf, einem Paradigmenwechsel entgegenzuwirken und die berufsbildenden Schulen in evangelischer Trägerschaft nicht zu schwächen, sondern zu stärken.

Mit freundlichen Grüßen
für den BeA-Vorstand

Silvia Gartinger, Fachschule für Sozialpädagogik d. Ev. Johannesstift, Berlin

Ulrike Kläfker, Ev. Fachschule für Sozial- und Heilpädagogik, Osnabrück

Andrea Schumann, Friederike-Fliedner-Berufskolleg, Iserlohn

Silke Seidel-Beck, Ev. Fachschule für Sozialpädagogik Nonnenweier, Schwanau

Susanne Weber-Ludwig, Diakonisches Bildungsinstitut Johannes Falk gGmgH, Eisenach

 

Beitrag als PDF zum Download:

Studientag mit Prof. Susanne Viernickel an der Diakonissen Fachschule für Sozialwesen Speyer

Mit Prof. Susanne Viernickel begrüßte Schulleiter Matthias Kreiter in den ersten Wochen des neuen Schuljahres prominenten Besuch an der Fachschule. Die Wissenschaftlerin, die an der Universität Leipzig lehrt, ist Autorin zahlreicher Veröffentlichungen, die sich mit der Qualität pädagogischer Arbeit befassen. Sie wird vielfach und gerne zitiert, wenn es um die aktuellen Herausforderungen geht, denen die Kitas sich derzeit zu stellen haben.

Einen ganzen Studienvormittag lang ging es im Festsaal des Mutterhauses für die gesamte Schulgemeinschaft um die pädagogische Haltung, die grundlegend und individuell das Handeln von Erziehern beeinflusst und steuert. Die Haltung des Erziehers sei ein stabiles Muster – geprägt von individueller Authentizität und Persönlichkeit, in das kulturelle Werte und Normen wie auch berufsethische Prinzipien einfließen. Entsprechend müsse eine solche Haltung erworben und immer wieder neu daran gearbeitet werden.

Professionelle pädagogische Arbeit brauche aber in gleichem Maße fachliches und didaktisches Knowhow. Viernickel mahnte an, die Komplexität dieser Aufgabe nicht zu verkennen. Erzieher agierten in mancherlei Spannungsfeldern. So sollen beispielsweise einerseits Kinder bei Schuleintritt möglichst gleiche Startbedingungen mitbringen – in der Kita steht aber die inklusive Arbeit mit der Offenheit für Vielfalt und individuelle Entwicklungswege im Vordergrund pädagogischen Handelns.

Viernickel legte der Schulgemeinschaft die Kinderrechte, die gemäß der entsprechenden UN-Konvention für alle in Deutschland lebenden Kinder gelten, als Richtschnur für die Auseinandersetzung mit der professionellen Haltung ans Herz.

Mit der Arbeit an „Dilemma-Situationen“ sowie einer Methode, mittels Videografie die Interaktionen zwischen Erzieher und Kindern im Team zu analysieren, stellte die Professorin Möglichkeiten vor, mit denen Erzieher an ihrer eigenen pädagogischen Haltung arbeiten können. Die Schülerinnen und Schüler probierten dies in einer praktischen Einheit gleich aus und entwarfen und diskutierten in vorgegebene Szenarien neue Handlungsoptionen für die Erzieher.

So war der Studientag vollgepackt mit Theorie und Praxis zu für die angehenden Erzieher grundlegenden Themen. Auch Vorsteher Dr. Geisthardt hatte eingangs in seinem Grußwort betont, dass bei den Diakonissen die eigene Haltung auf allen Ebenen professionellen Handelns als Modell angesehen werden könne. Die Schulgemeinschaft dankte am Ende nicht nur Susanne Viernickel für diesen besonderen Schultag, sondern auch der stellvertretenden Schulleiterin, Serena Doerr, die nach Maria Aarts nun erneut eine international renommierte Referentin für die Fachschule gewinnen konnte.

Erntedankfest: Gehört das Smartphone zum „täglichen Brot“?

Erntedank in der Evangelischen Fachschule Stuttgart-Botnang – das bedeutet ein großes Buffet mit allem, was gut schmeckt und viele lecker belegte Brote. Denn Brot ist ein Grundnahrungsmittel und es steht für all das, was wir im Leben brauchen. So wie Martin Luther das erklärt in seinem Kleinen Katechismus:

„Was heißt denn tägliches Brot?
Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“

Und so wie im Hause Luther die Mahlzeiten immer auch Diskussionsrunden waren, so haben wir das auch versucht: Wir haben überlegt, was denn das tägliche Brot für uns heute alles ist. Große Einigkeit herrschte bei „Familie“ und „Freunden“. Ob das Smartphone auch schon dazu gehört, wurde heiß diskutiert.

 

Text: Birgit Deiss-Niethammer, Direktorin
Fotos: Annemarie Steiner, Dozentin für Ästhetische Bildung

Reformation – Bildung im Aufbruch

Luthers Traum von einem Kindergarten, von Bildung in Freiheit und Vision vom Paradies lässt uns aufbrechen, spielen, tanzen und uns bilden. Wir möchten mit den bereitgestellten Videos und Texten an den Abschlussgottesdienst unserer Fachtagung „Reformation – Bildung im Aufbruch“ vom 23. bis 24.3.2017 in Eisenach erinnern. Sie können zugleich als Ideen für eigene Gottesdienste dienen und dürfen gern verwendet werden.

Fürbitten Gottesdienst Reformation – Bildung im Aufbruch

Luthers Brief an seinen Sohn Hans Gottesdienst Reformation – Bildung im Aufbruch

Predigt Reformation – Bildung im Aufbruch

Infor-Brief: Zur Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Freie Schulen Nds. e.V. (AGFS) am 15. September 2017 in der Freien Rudolf-Steiner-Schule Ottersberg

„Vor der Landtagswahl nachgefragt: Wie sehen die Rahmenbedingungen für das freie Schulwesen in 2022 aus?“

Politiker aller im Landtag vertretenen Parteien waren von der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Niedersachsen (AGFS) zu einer Podiumsdiskussion über das freie Schulwesen an die Freie Rudolf-Steiner-Schule nach Ottersberg eingeladen worden. Auf dem Podium diskutierten unter der Moderation von Martin Brüning (Rundblick) die Landtagsabgeordneten Anja Piel (Bündnis 90/Die Grünen), Kai Seefried (CDU), Ralf Borngräber (SPD) und Björn Försterling (FDP) sowie die Vorsitzende der AGFS, Heike Thies, vor über 100 Gästen.

Einstimmig hoben die Abgeordneten den besonderen bildungspolitischen Wert der freien Schulen in Niedersachsen hervor. Gleichwohl mussten sich die Landtagsabgeordneten der Tatsache stellen, dass Niedersachsen nach dem neuesten Bildungsbericht mit nur 5,9 % Schulen in freier Trägerschaft das Schlusslicht im Bundesländervergleich ist. Heike Thies machte dafür die nicht auskömmliche Finanzierung der freien Schulen in Niedersachsen und die fehlenden Finanzhilfeleistungen des Landes in den ersten drei Jahren nach Schulgründung sowie die zu großen bürokratischen Hürden beim Genehmigungsverfahren verantwortlich.

Dass die Finanzhilfe erhöht werden muss, darin waren sich alle Abgeordneten einig. Anja Piel stellte fest, dass ihre Partei eine Menge Sympathien für freie Schulen habe, so dass sie keine Sorge hätte, in einem Koalitionsvertrag eine solide Finanzgrundlage für freie Schulen mit zu diskutieren. Kai Seefried forderte: „Nach der Landtagswahl muss die Finanzhilfe massiv aufgeholt werden und die Abstände, die sich zwischen staatlichen und freien Schulen ergeben haben, müssen aufgearbeitet werden, so dass man wieder zu einem fairen Miteinander kommt“. Björn Försterling erwartet, dass automatisch freie Schulen mitgedacht werden müssen, wenn es Verbesserungen für staatliche Schulen gäbe. Diese positive Haltung freien Schulen gegenüber würde auch verhindern, dass sich die finanzielle Lücke immer weiter vergrößere. Ralf Borngräber hingegen sieht Niedersachsen bei den freien Schulen bereits auf einem Weg zu einer offeneren, besseren und transparenteren Finanzierung. Man müsse aber eine Menge Geduld haben.

Auf die Publikumsfrage, ob die Parteien politischen Spielraum sähen, um das Volumen der Finanzhilfe zu erhöhen, antworteten abschließend alle vier Landtagsabgeordneten mit “Ja”.

Anerkennung erhielten von Seiten der Politiker die berufsbildenden Schulen in freier Trägerschaft, die einen erheblichen Beitrag zur Beseitigung des Fachkräftemangels in Sozial- und Gesundheitsberufen leisten. An die Landtagsabgeordneten wurde die Forderung gestellt, sich dafür einzusetzen, dass das Land für diese Ausbildungsberufe, so wie bei der Altenpflegeausbildung, auch das Schulgeld übernimmt.