Seit der Reformation ist Bildung Kernaufgabe evangelischen Denkens, Handelns und Seins

Liebe Mitgliedsschulen des BeA,

mit großer Bestürzung haben wir als Bundesverband der evangelischen Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik die Nachricht aufgenommen, dass die Evangelische Sozialpädagogische Ausbildungsstätte in Münster, kurz die ESPA, zum Schuljahr 2018/1019 aus der Trägerschaft Bethels in die Trägerschaft der Kommune, der Stadt Münster, überführt werden soll.

Erschüttert stellen wir fest, dass sich mit Bethel ein großer evangelisch-diakonischer Träger aus der Bildungsverantwortung in Münster verabschiedet.

Bethel lässt dazu folgendes, offiziell auf seiner Homepage verlautbaren:

Pressenotiz, Bielefeld 20.09.2017

„ESPA in Münster Münster/Bielefeld. Die Evangelische Sozialpädagogische Ausbildungsstätte Münster, kurz ESPA, ist seit 2004 in Trägerschaft der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Bethel hat dieses Berufskolleg der ESPA gGmbH aufgrund der Insolvenz des damaligen Trägers, des Vereins zur Unterhaltung des Diakonissenmutterhauses Münster/Westfalen, übernommen. Seitdem hat Bethel als Schulträger kontinuierlich in die Sanierung und Modernisierung des Gebäudes und die Ausstattung investiert sowie gemeinsam mit Schulleitung und Kollegium die fachliche und personelle Entwicklung an der Coerdestraße vorangetrieben. Die v.
Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel möchten die Bildungsgänge erhalten, jedoch den Übergang in eine andere Trägerschaft vorbereiten.

Motivation für Trägerwechsel

2004 ging es darum, diese evangelische Ausbildungsstätte zu retten; das ist gelungen, und die ESPA ist heute etabliert, hat einen guten Ruf und bietet ein gutes zukunftsträchtiges Ausbildungsprogramm an. Allerdings hat sich gezeigt, dass sie kein Element der Personalentwicklung Bethels geworden ist. Anders als ursprünglich geplant gibt es in Münster und Umgebung keine Angebote der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. So hat Bethel durch die ESPA keinen Nachwuchs gewinnen können.

Zugleich haben sich Absolventen der ESPA schwer damit getan, die Region zu wechseln, um in Bethel zu arbeiten. In Münster und Umgebung gibt es genug attraktive Arbeitsplätze für sie. In der Ausbildung und Personalentwicklung will sich Bethel künftig auf die eigenen Schulen und Berufskollegs in Bielefeld, Hannover und Berlin konzentrieren; dort und in den jeweiligen Regionen werden eigene Einrichtungen in verschiedenen Hilfefeldern unterhalten.

Termin des Übergangs

Ein möglicher Übergang soll zum 01.08.2018 und damit zum neuen Schuljahr angestrebt werden, da er mit dem Schuljahreswechsel verbunden sein muss.

Zukunft der ESPA / Was passiert mit dem Standort Coerdestraße?

In der ESPA werden rund 550 Schülerinnen und Schüler in Berufen der Erziehung, Pflege und Heilerziehungspflege ausgebildet. Der Fachkräftebedarf in Pflege und Erziehung zeichnet sich bereits jetzt deutlich ab, sowohl im sozialpädagogischen wie besonders auch im erzieherischen Bereich. Einig sind sich die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, Bezirksregierung und Stadt Münster nach intensiven Gesprächen, dass die Bildungsgänge und damit die Ausbildungskapazitäten für den beruflichen Nachwuchs für Stadt und Region unverzichtbar sind. Ziel ist der Erhalt der Bildungsgänge.

Die Stadt Münster könnte die Bildungsgänge der ESPA ab dem Schuljahr 2018/19 organisatorisch unter dem Dach des Anne-Frank-Berufskollegs, Manfred-von-Richthofen-Straße, fortführen. Dabei würden die angestammten Räumlichkeiten an der Coerdestraße zunächst weiter genutzt.

Bislang sind politische Gremien mit einer Übernahme der Trägerschaft noch nicht befasst worden. Erforderliche Beschlüsse stehen daher noch aus.

Konditionen für den Übergang

Im Sinne eines gelingenden und auch für die Stadt Münster verkraftbaren Übergangs haben die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel angeboten, die Aufwendungen für die ersten beiden Jahre (Schuljahr 2018/19 und 2019/20) zu erstatten, so dass für den städtischen Haushalt erstmalig in 2020 Aufwendungen entstehen würden.

Wie viele Beschäftigte gibt es / Welche Zukunft haben sie?

37 Lehrkräfte, 5 Personen nicht-lehrendes Personal (Hausmeister, Schulsekretärinnen) und 5 Lehrkräfte mit Einzelstunden sind aktuell in der ESPA tätig. Allen Lehrkräften soll für den Fall eines Trägerwechsels ein Angebot zum Übergang in den Landesdienst NRW gemacht werden. Dazu wird aktuell eine Rahmenvereinbarung mit der Bezirksregierung abgestimmt, um einen guten Übergang zu regeln. Die Schulsekretärinnen und Hausmeister sollen ein Angebot der Stadt Münster zur Übernahme bekommen.

Auswirkungen für Schülerinnen und Schüler?

Auf die Schülerinnen, die zurzeit ihre Ausbildung an der ESPA machen, wird es keine Auswirkungen geben. Die Ausbildungen können bei einem möglichen Trägerwechsel wie begonnen weitergeführt und abgeschlossen werden. Wie oben beschrieben, sollen die Ausbildungskapazitäten in diesen zukunftsträchtigen Berufen erhalten bleiben.“

(Zitat der Pressemeldung Ende)

Für den BeA ergeben sich daraus folgende Fragen:

1. Welchen Stellenwert nimmt die evangelische berufliche Bildung im evangelischen Sein und Handeln ein?

2. Können wir es uns leisten, Schulgemeinden als Teil evangelischen Lebens aufzugeben?

3. Wie soll es gelingen, dass sich aus dem anvisierten Trägerwechsel keine Auswirkungen für die Schulgemeinde ergeben werden?

4. Ist die Berufsbildung an evangelischen Ausbildungsstätten nur dem Zweck der Personalgewinnung unterworfen und unter markt- und fiskalpolitischen Aspekten zu betrachten?

Der Vorstand des BeA ist bestürzt!

Im letzten Jahr haben wir uns im BeA intensiv mit der Zukunftsfähigkeit evangelischer Fachschulen auseinandergesetzt. Nun ist dies aktueller denn je. Der BeA-Vorstand arbeitet an einer weiteren Stellungnahme, die den entsprechenden Gremien zugehen und im BeA veröffentlicht wird. Am Rande des Bundeskongresses der evangelischen Schulen in Warnemünde (27.-29.9.2017) haben wir zahlreiche Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Diakonie, der EKD und der Evangelischen Landeskirche von Westfalen geführt.

Wir fordern die Verantwortlichen aus Kirche, Diakonie und Gesellschaft auf, einem Paradigmenwechsel entgegenzuwirken und die berufsbildenden Schulen in evangelischer Trägerschaft nicht zu schwächen, sondern zu stärken.

Mit freundlichen Grüßen
für den BeA-Vorstand

Silvia Gartinger, Fachschule für Sozialpädagogik d. Ev. Johannesstift, Berlin

Ulrike Kläfker, Ev. Fachschule für Sozial- und Heilpädagogik, Osnabrück

Andrea Schumann, Friederike-Fliedner-Berufskolleg, Iserlohn

Silke Seidel-Beck, Ev. Fachschule für Sozialpädagogik Nonnenweier, Schwanau

Susanne Weber-Ludwig, Diakonisches Bildungsinstitut Johannes Falk gGmgH, Eisenach

 

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