Archiv für den Monat: Februar 2019

Angehende Erzieher*innen berichten von ihren Auslandspraktika

Erste Zinzendorfschüler mit EU-Programm Erasmus+ im Ausland

Königsfeld. Wie sehr ein Auslandsaufenthalt junge Menschen im positiven Sinne verändert, zeigt sich gerade bei den angehenden Erzieherinnen und Erziehern sowie Jugend- und Heimerzieherinnen und –erziehern der Zinzendorfschulen, die einen Teil ihrer Praktika über das von der Europäischen Union geförderte Programm ERASMUS+ absolvieren. Die Fachschulen für Sozialwesen und Sozialpädagogik der Zinzendorfschulen arbeiten mit bislang drei Standorten in Italien, Spanien und Rumänien zusammen.

Zu den Schwierigkeiten gehört es, Kindern, die noch nie im Leben Schnee gesehen haben, zu erklären, was ein Schneemann ist. Die angehende Jugend- und Heimerzieherin Alketa Kutleshi hat aber auch diese Hürde genommen, wie sie ihren Mitschülern an den Zinzendorfschulen schildert. Foto: Zinzendorfschulen

Die erste Teilnehmerin des erst im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen Programms, Alketa Kutleshi, hat gerade die Hälfte ihres einjährigen Berufspraktikums in Bilbao beendet und kurz vor ihrer endgültigen Rückkehr während eines Besuchs in Königsfeld ihren Mitschülern davon berichtet. Vier weitere Teilnehmerinnen haben per Mail ihre ersten Eindrücke aus Bukarest, Sizilien und Bilbao geschildert.

Die angehende Jugend- und Heimerzieherin, die an der Deutschen Schule in Bilbao eine Kindergartengruppe betreut hat, sprühte nur so vor Begeisterung. „Die Zeit war für mich unfassbar bereichernd“, sagte sie. „Ich bin in an mir selbst und in meiner Rolle als Erzieherin gewachsen.“

Sie schilderte die politische Situation im Baskenland und ihre Arbeit mit den Kindern, die sie manchmal vor ungeahnte Probleme stellt: „Es ist nicht einfach, Kindern, die nie in ihrem Leben Schnee gesehen haben, zu erklären, was ein Schneemann ist.“ Ihren Mitschülern gab sie wertvolle Tipps, was den Spracherwerb, die Wohnungssuche und die kulturellen Unterschiede angeht, aber auch zu alltäglichen Dingen wie Einkauf oder öffentliche Verkehrsmittel.

Anna Gottwald freute sie sich über die Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen in Rumänien. Foto: Zinzendorfschulen

Auch Marisa Flaig und Diana Kocovski sind an der Deutschen Schule in Bilbao. „Hier sind alle sehr hilfsbereit und haben für jeden ein offenes Ohr“ freut sich Marisa und berichtet: „Auf dem eingezäunten Gelände befinden sich der Kindergarten, die Grundschule und das Gymnasium. Wenn die Kinder morgens mit den Bussen oder von ihren Eltern gebracht werden, geht der Trubel in der Einrichtung los. Die Kinder sind aufgeweckt und offen und haben kaum Berührungsängste, was mir den Start als Praktikantin erleichtert hat. In Spanien geht es insgesamt viel gelassener zu als in Deutschland.“

Als „Maestra Rosa” (Lehrerin Rosa) wurde Rosa D’Alessandro im sizilianischen Riesi von den zwei- bis sechsjährigen Kindern im Servizio Cristiano Valdese aufgenommen. Foto: Zinzendorfschulen

Diese Erfahrung hat auch Rosa D’Alessandro im sizilianischen Riesi gemacht. „An den ersten Tagen des Praktikums wusste ich nicht wirklich, wie ich mit dieser Gelassenheit umgehen soll. Teilweise hat sie mich überfordert. Jetzt aber kann ich sagen, dass ich diese Haltung sehr gut finde, da sie einem das Gefühl der Sorgenlosigkeit gibt.“ Auch sie wurde an ihrer Praktikumsstelle von den Kindern vom ersten Tag an als „Maestra Rosa” (Lehrerin Rosa) aufgenommen und akzeptiert. Rosa arbeitet im Kindergarten des Servizio Cristiano Valdese mit Kindern im Alter von 2- bis 6 Jahren.

Aus Bukarest berichtet Anna Gottwald von der Deutsche Schule, in der Wert auf die Entwicklung interkultureller Kompetenz gelegt wird. Dort gibt es  eine Krippe, einen Kindergarten, eine Grundschule und ein Gymnasium. Anna absolviert ihr Praktikum in der Grundschule, in der rumänische und deutsche Kinder gemeinsam mit Kindern aus anderen Ländern lernen. Im Alltag freut sie sich über die Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen. „Dadurch findet man schnell Freunde und Anschluss.“ Die Menschen seien sehr hilfsbereit sind und man brauche keine Angst zu haben, um Hilfe zu fragen. „Ich spreche zwar rumänisch, aber man kommt hier auch gut mit Englisch durch.“

Diana Kocovski, die zeitgleich mit Marisa Flaig in Bilbao war, hatte sich anfangs etwas Sorgen gemacht, da sie noch nie alleine über mehreren Wochen von zu Hause weg war. „Aber es hat sich definitiv gelohnt, da ich mich dadurch ein bisschen mehr kennengelernt habe.“

Auch Rosa D’Alessandro ist trotz der Fülle an Aufgaben und manchen Hindernissen sehr glücklich über ihr Auslandspraktikum und empfiehlt es ihren Mitschülern, es ihr gleich zu tun: „Es ist eine unglaubliche Erfahrung in der ihr euren Horizont in jederlei Hinsicht erweitern könnt.“

Zusatz-Info:
Als einzige Fachschule in der Region bieten die Fachschulen für Sozialwesen und Sozialpädagogik der Zinzendorfschulen mit dem europäischen Förderprogramm Erasmus+ Schülerinnen oder Schülern die Möglichkeit, Praxiszeiten im Rahmen der Ausbildung im europäischen Ausland zu absolvieren.

Durch den Arbeitsalltag in einem neuen Umfeld werden einmalige Einblicke in unterschiedliche Vorgehensweisen, Kulturkreise und andersartige pädagogische Konzeptionen vermittelt. Dies stärkt die angehenden Erzieher in ihrer Wahrnehmung, schenkt ihnen Selbstvertrauen, baut Sprach- und Sozialkompetenzen aus und stärkt sie für den späteren Beruf. Grundsätzliches Ziel ist es auch, Offenheit und Wertschätzung gegenüber Neuem und ungewohnten Gepflogenheiten zu schaffen. Mit dem ERASMUS+-Programm können unsere  Schülerinnen und Schüler ihre Praxiszeiten (Blöcke á vier oder sieben Wochen) im Rahmen der Erzieherausbildung im europäischen Ausland absolvieren, werden dabei gefördert und erhalten organisatorische Unterstützung. Die Praxiszeiten werden wie übliche Praxiserfahrungen anerkannt und professionell begleitet. Im praktischen Anerkennungsjahr/Berufspraktikum nach der Schulausbildung können sogar sechs bis zu 12 Monate im europäischen Ausland erlebt werden. Hierzu haben wir die Kooperationspartner im Ausland gesucht und alles mit ihnen geregelt.

Interkulturelle Kompetenz als Qualitätskennzeichen der Erzieher*innen*ausbildung

Das Projekt „Interkulturelles Lernen für angehende Erzieherinnen und Erzieher“ geht in die vierte Runde. Auch diesen Sommer wird die Bernstein Köllner Stiftung zwei Stipendien für ein mehrwöchiges Kita-Praktikum im muslimisch geprägten Sarajevo finanzieren. In Kooperation mit der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Stuttgart-Botnang wird zum ersten Mal ein männlicher Erzieher nach Bosnien entsendet.

STUTTGART, 21.02.2019. Bereits seit vier Jahren läuft erfolgreich das Stipendium der Bernstein Köllner Stiftung „Interkulturelles Lernen für angehende Erzieherinnen und Erzieher“. In Kooperation mit der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Stuttgart-Botnang können Studierende ein mehrwöchiges Kita-Praktikum im muslimisch geprägten Ausland absolvieren. Die Stiftung mit Sitz in Feuerbach fördert durch dieses Projekt die konkrete Begegnung mit der islamischen Kultur. Das Ziel ist, pädagogischen Fachkräften eigene Erfahrungen im Ausland zu ermöglichen, um eine kultursensible Haltung in den Kitas auszubauen. Ein Projekt, das laut Philip C. Hansis, Vorstand der Bernstein Köllner Stiftung, Schule machen sollte: „Es ist unser Wunsch, dass auch andere den Mehrwert erkennen und sehen, dass ein Praxiseinsatz im Ausland ein wesentlicher Baustein in unserer heutigen Ausbildung ist. Unsere Erfahrungen zeigen, dass die jungen Erzieher bei einem solchen Einsatz eine große persönliche und fachliche Bereicherung erfahren.“

Laura Kurzendörfer und Florian Schwemmer von der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Stuttgart-Botnang sind die neuen Stipendiaten der Bernstein Köllner Stiftung für das Kita-Praktikum in Sarajevo/Bosnien im Sommer 2019.

Zum ersten Mal wird in diesem Sommer ein männlicher Erzieher in die Kita nach Sarajevo entsendet. Für den 25-jährigen Florian Schwemmer, Auszubildender an der Evangelischen Fachschule in Stuttgart-Botnang, ist dies ein wertvoller Schritt in seinem pädagogischen Werdegang: „Ich möchte meine Persönlichkeit weiterentwickeln und stelle mich neuen Herausforderungen und Unbekanntem. In unserer vernetzten und multikulturellen Welt ist es wichtiger denn je, einander Verständnis, Toleranz und Wertschätzung entgegen zu bringen.“ Auch seine Kommilitonin Laura Kurzendörfer findet es wichtig, als angehende pädagogische Fachkraft Erfahrungen mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen, Bildungsplänen und Religionen zu sammeln. „Durch das Auslandspraktikum fällt es mir im späteren Berufsleben sicherlich leichter, mich in die Lage von Menschen zu versetzen, die eine andere Herkunft haben und möglicherweise kaum etwas verstehen“, sagt die 22-Jährige zu ihrer Motivation.

In der Erzieher*innen*ausbildung an der Evangelischen Fachschule wird interkulturelle Kompetenz als Basisfähigkeit in den Blick genommen. Schulleiterin Birgit Deiss-Niethammer sieht den Unterricht in Religionspädagogik und die Studienfahrten ins Ausland als wichtige Impulsgeber, um später Unterschiedlichkeit und Vielfalt in der Kita gestalten zu können. „Entscheidend ist das Hinwirken auf eine grundlegend positive Einstellung gegenüber kultureller und religiöser Vielfalt. Dies wird nur durch zahlreiche Lernerfahrungen in der Ausbildung erreicht, besonders auch durch ein Praktikum im Ausland“, so Deiss-Niethammer. In der Praxis spielt vor allem auch die Kommunikation mit den Eltern eine wichtige Rolle. Gabriele Vogt, Leiterin des Kindergartens der Fachschule, legt Wert darauf, Elternbedürfnisse und Erziehungsvorstellungen der Kita in Einklang zu bringen. „Für mich ist eine Kita kultursensibel, wenn durch eine gelebte Erziehungspartnerschaft alle voneinander profitieren, egal welcher Herkunft, Religion oder Kultur“, betont die Kindergarten-Leiterin.

Aus der Zusammenarbeit von Stiftung und Fachschule hat sich seit 2015 eine Erfolgsgeschichte entwickelt, sagt Roswitha Wenzl, Projektleiterin Interkulturelle Bildung der Bernstein Köllner Stiftung: „Es war der richtige Weg, nicht in die Theorie, sondern in die Praxis zu investieren, und zwar mit dem Thema der interkulturellen Kompetenz. Nur wer selbst kulturell sensibel denkt und handelt, kann den Kindern ein Vorbild sein. Wo aber kann man das besser lernen und erfahren, als wenn man sich selber in eine andere Kultur begibt und am eigenen Leib erfährt, was es heißt, fremd zu sein.“

Kontakt
Direktorin Birgit Deiss-Niethammer, T: 0711 697620, birgit.deiss-niethammer@ev-fs.de 
Projektleiterin Roswitha Wenzl, Bernstein Köllner Stiftung,
T: 0151 46329017, roswitha.wenzl@me.com

Kennen.Lernen. – Das Schwerpunktthema der Diakonie Deutschland

Mit der Initiative „Kennen.Lernen.“ setzt sich die Diakonie Deutschland in Kooperation mit den evangelischen Kirchen für Vielfalt und Begegnung ein.

Das Schwerpunktthema 2018-2020 „Kennen.Lernen. Eine Initiative für Vielfalt und Begegnung“

Unsere Gesellschaft wird kulturell, religiös und sozial vielfältiger. Die Diakonie tritt für eine offene, vielfältige Gesellschaft ein, in der Menschen sich vor Ort in ihrem Alltag mit Respekt und Toleranz begegnen. Integration, Inklusion und Teilhabe sind gewichtige Querschnittsthemen für alle diakonischen und kirchlichen Arbeitsfelder.

Einladung zur Beteiligung an der Initiative

Die Initiative Kennen.Lernen will die Sensibilität für Diversität stärken und zu einer breiteren gesellschaftlichen Debatte über Inklusion, Diversität und interkultureller Orientierung ermutigen.

Fachverbände, Landeskirchen und Diakonische Werke, aber auch einzelne Kirchengemeinden, Einrichtungen und Projekte sind eingeladen, sich am Schwerpunktthema zu beteiligen.

Die Teilnahme am Schwerpunktthema „Kennen.Lernen.“ kann in vielfältiger Weise geschehen:

  • Sie planen im Rahmen Ihres Arbeitsgebiets eine Veranstaltung (z.B. einen Fachtag, ein Forum, eine Aktion oder Ähnliches), die zum Thema „Vielfalt“ passt? Ziehen Sie Ihre Veranstaltung doch unter das Dach des Schwerpunktthemas!
  • Gleiches gilt für geplante Publikationen, die sich – egal in welchem Fachgebiet – mit gesellschaftlicher Vielfalt auseinandersetzen: Auch Texte, Beiträge, Veröffentlichungen können Teil des Schwerpunktthemas sein.
  • Sie leiten ein Projekt, das „Vielfalt und Begegnung“ ermöglicht oder haben im Rahmen Ihrer Arbeit mit solchen Projekten zu tun? Wir wollen gute Projekte und Initiativen auf unserer digitalen Plattform bündeln und für andere sichtbar machen. Stellen Sie Ihr Projekt dort ein und erhalten als Dankeschön Materialien (möglich ab 01.03.2019): www.diakonie.de/kennenlernen
  • Sie wollen Vielfalt ein Gesicht geben? Werden Sie Botschafter*in des Kennen.Lernens  – melden Sie sich dazu ab März 2019 auf der Plattform www.diakonie.de/kennenlernen an und nehmen an einem Gipfeltreffen im Sommer 2019 teil!
  • Kennen Sie schon den „Tag der Nachbarn“? Die Diakonie Deutschland kooperiert im Rahmen des Schwerpunktthemas mit der nebenan.de Stiftung. Am 24. Mai 2019 sollen  im ganzen Bundesgebiet Nachbarschaftsfeste stattfinden. Diakonische Projekte und Träger sind herzlich dazu eingeladen, sich zu beteiligen! Mehr Informationen auf www.tagdernachbarn.de

Sie möchten mehr über die Initiative erfahren oder haben bereits Ideen, um sich zu beteiligen?

Wir informieren und beraten sie gern:

Tobias Wirth & Nina Awe
Schwerpunktthema Diakonie Deutschland
Email: kennen.lernen@diakonie.de
Tel.: 030-65211-1635 /-1775

Ev. Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.
Caroline-Michaelis-Str. 1
10115 Berlin