Archiv für den Monat: März 2019

Auf dem Weg zur Fair-Trade-Schule

Als wir im letzten Schuljahr die Türen unseres Neubaus in Herbrechtingen öffneten und die Studierenden, neu wie alt, begrüßten, entdeckten wir schon sehr bald, welche Chancen uns dieser Neubau bieten würde: Zum Beispiel die Möglichkeit, ganz neue Formen des Unterrichtens zu erproben, viel Raum, Licht und Privilegien zu haben wie beispielsweise Smartboards oder modern gestaltete Seminarräume …

Es ist Tradition an unserer Schule, dass die SMV ein Projekt oder eine Aktion organisiert. Der im vorherigen Jahr durchgeführte Bad-Taste Day wurde schnell von der Liste gestrichen. Doch worum könnte es in diesem ersten Jahr im Neubau gehen? Etwas Bedeutendes musste her, so viel war klar, aber was genau?

Fair-Trade-Schulteam aus SMV und Vertrauenslehrerinnen in Herbrechtingen.

Schon bald keimte eine Idee in den Köpfen der Studierenden, genährt durch den Studientag der damaligen PiA-1-Klasse zum Thema „Fair-Trade Kindergarten“ und den Besuch von Expertin Karin Wirnsberger im Rahmen des Religionspädagogischen Projekts, die die Initiative „kikuna – Zukunft nachhaltig gestalten“ vorstellte. Wir wollen eine Fair-Trade-Schule werden: fair sein – gerecht sein – etwas von unseren Privilegien zurückgeben. Der Grundstein war gelegt.

Doch der Weg dorthin sollte noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Referentin Maria Gießmann, die für die Umsetzung der Fair-Trade-Schulen in Baden-Württemberg verantwortlich ist, besuchte uns im letzten Schuljahr, um unsere abschließenden Fragen zu klären. Letztendlich trennten uns fünf zu erfüllende Kriterien von unserem Ziel:

  • die Gründung eines Schulteams,
  • das Entwickeln eines Fair-Trade-Kompasses,
  • eine Schulaktion pro Schuljahr zum Thema Fair-Trade,
  • der Verkauf mindestens zweier Fair-Trade-Produkte an unserer Schule und
  • die Integration des Themas „Fairer Handel“ in den Unterrichtsverlauf.

Die Gründung des Schulteams war schnell beschlossene Sache: die SMV würde diese Aufgabe gemeinsam mit den Vertrauenslehrerinnen übernehmen. Für das Amt des Sprechers erklärte sich unser Studierendensprecher Daniel Söder bereit. Gemeinsam entwickelten wir Kriterien, die uns als zukünftige Fair-Trade-Schule besonders am Herzen liegen. Daraus formulierte die SMV den Fair-Trade-Kompass. Auch die Fair-Trade-Schulaktion pro Schuljahr konnten wir durch den Besuch der beiden Referentinnen für dieses Schuljahr bereits in doppelter Form erfüllen. Die Idee eines Verkaufs von Fair-Trade-Produkten fand bei den Studierenden großen Anklang. Neben dem sowieso schon fair gehandelten Kaffee in unserem Kaffeeautomaten sollte es endlich die Möglichkeit geben, Snacks an der Schule erwerben zu können. Und dann auch noch Fair-Trade! Die Schwierigkeit dabei zeigte sich eher in der Organisation. Wann und wo sollte ein solcher Verkauf stattfinden? Und wer übernimmt diese Aufgabe? Die Lösung: Der Verkauf soll alle zwei Wochen vor und nach dem Religionspädagogischen Projekt stattfinden, wenn sich sowieso die gesamte Schulgemeinschaft im Foyer trifft. Auch für die Integration des Themas „Fair-Trade“ in den Unterricht bot sich der Bereich Religionspädagogik sowie das Fach Englisch an. Somit konnten wir auch das letzte Kriterium auf dem Weg zu einer Fair-Trade-Schule erfüllen. Unsere SMV ist sehr stolz und hofft, schon bald zur offiziellen Nominierung einladen zu können!

Simone Schmidbaur, Dozentin
Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Herbrechtingen
www.fachschule-herbrechtingen.de

Erasmus-Projekt „Mission Maths“ in Schwäbisch Hall erfolgreich abgeschlossen

Das gemeinsame Ziel der fünf Projekt-Schulen aus Polen, Italien, Spanien, Griechenland und Deutschland war es, die praktische Anwendung mathematischer Fähigkeiten im Alltag der Kinder und Jugendlichen zu verbessern, sich über innovative Unterrichtsmethoden auszutauschen sowie durch den kulturellen Austausch Vorurteile abzubauen und sprachliche Fähigkeiten zu verbessern.

Hintergrund
In den verschiedenen Ländern wurde beobachtet, dass Schülerinnen und Schüler ihre theoretischen Kenntnisse in der Mathematik (die sie in Klausuren durchaus positiv unter Beweis stellen) kaum auf Alltagssituationen übertragen können. Demzufolge sind die traditionellen Methoden, die im Unterricht genutzt werden, nicht effektiv genug, um den Übertrag auf Alltagssituationen zu gewährleisten. Lehrkräften fehlen dazu innovative und effektive Lehrmethoden. Unter dieser Voraussetzung wurden wir als Schule angefragt, das Projekt Mission Maths mit dem Weitergeben von kreativen Problemlösestrategien zu unterstützen. Unser Knowhow als Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik: Wir regen an, die Perspektive zu verändern. Wir schauen ganz bewusst und genau auf das Neugierverhalten der jungen Kinder: Ihr Interesse an einer ganzheitlichen Welterkundung und der „handgreifliche“ Zugang kann auch dem mathematischen und naturwissenschaftlichen Lernen mehr Sinnlichkeit und Alltagsnähe geben.

Umsetzung
Im Rahmen des Projekts fand ein jährlicher Schüleraustausch statt. Durch die positiven Rückmeldungen der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler gab es im zweiten Projektjahr fünfmal so viele Interessierte wie Plätze, und es musste per Losverfahren ausgewählt werden, wer am Austausch teilnehmen darf. Pro Schuljahr wurden zwei Online-Workshops mit kreativen Inhalten für die Partnerschulen erstellt, um ihnen damit praktische Anregungen zum erfahrensorientierten mathematischen Lernen zu geben.

Ergebnis
Durch die Teilnahme am Erasmus+ Projekt „Mission Maths“ von 2015-2018 hat sich an unserer Schule das Interesse am kindgerechten und spielerischen Vermitteln mathematischer Inhalte deutlich intensiviert. Die Ziele des Projektes „Mission Maths“, das praktische Wissen über Mathematik auszubauen und auf andere Naturwissenschaften zu übertragen, sowie das methodische Know­how der Lehrerinnen und Lehrer zu vergrößern und durch kreative und innovative Problemlösestrategien zu erweitern, scheinen gut zu gelingen. Durch den gegenseitigen Austausch und den Einblick in die Vorgehensweisen der Partnerschulen konnte das Interesse der Schülerinnen und Schüler an der Mathematik geweckt und ausgebaut werden.

Martin Berger, Schulleiter
Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Schwäbisch Hall
www.fachschule-hall.de/erasmus


„Schritte gegen Tritte“ – Gewaltprävention auf Studientagen

„Erziehung und Bildung, insbesondere aber Friedenserziehung leisten bei der Entwicklung einer Friedenskultur einen wichtigen Beitrag. Frieden zu lernen ist deshalb die notwendige und aktuelle Aufgabe von Kirche und Gesellschaft und so ein selbstverständlicher Teil der Ausbildung an unseren Evangelischen Fachschulen“, so heißt es im friedenspädagogischen Profil der Evangelischen Fachschulen. Wenn wir auf eine freundliche, offene und konstruktive Lern­atmosphäre achten, erfahren die Schülerinnen und Schüler, was sie selber später mit Kindern in der Tageseinrichtung umsetzen sollen. Unser Beitrag für ein friedliches Zusammenleben muss auf zwei Ebenen ansetzen: zum einen auf der Ebene der Klassengemeinschaft und des Umgangs in der Klasse, zum anderen auf der gesellschaftlichen Ebene, indem wir uns mit wichtigen Themen kritisch im Unterricht auseinandersetzen. Wenn beides zusammenkommt, dann wird eine Kultur des Friedens etabliert.

Broschüre der Evangelischen Landeskirche Hannover zur Gewaltprävention

Eben hier setzt das Gewaltpräventionsprogramm „Schritte gegen Tritte“ an, das seit über 15 Jahren zu einer Kultur des Friedens und der Gerechtigkeit beiträgt. Das Programm wurde im Rahmen der Dekade zur Überwindung von Gewalt entwickelt. Die Studientage im Berufskolleg verfolgen das Ziel, die Basis für eine gute Klassengemeinschaft zu legen, die durch die Ausbildung trägt, wohlwissend, dass dies auch zur Gewaltverminderung beiträgt und beispielsweise Mobbing deutlich reduziert.

Während der Studientage setzten wir uns mit Hilfe von Referenten des Evangelischen Jugendwerks Württemberg (EJW) mit dem Programm „Schritte gegen Tritte“ zu Fragen von Gewalt und Rassismus auseinander. Wir beschäftigten uns mit der Situation von geflüchteten Menschen und erarbeiteten den Begriff der strukturellen Gewalt, wie ihn der norwegische Friedensforscher Johann Galtung entwickelt hat. Was bedeutet es beispielsweise, in einer Massenunterkunft auf nur wenigen Quadratmetern zu leben, ohne eigene Rückzugsmöglichkeiten? Die Schülerinnen und Schüler drückten es deutlich aus: So entsteht personale Gewalt aufgrund äußerer Bedingungen. In einem Rollenspiel erlebten sie, wie ungleich Ressourcen verteilt sind und wie dies zu mehr Gewalt führen kann. Auch stand die Auseinandersetzung mit persönlichen Einstellungen zum Thema Gewalt auf dem Programm. Innerhalb der Klasse entstand eine offene und nachdenkliche Diskussion. Wir lernten unterschiedliche Sichtweisen kennen und erlebten, dass sich so auch die eigene Meinung veränderte. Die handlungsorientierte Ausrichtung dieses Programms entspricht ganz den Prinzipien globalen Lernens. (vgl. Böhm, Dietmar (2017): Elementarpädagogik und Globales Lernen. In: Handlexikon Globales Lernen, S. 60ff)

So fiel die Bilanz in der Auswertungsrunde sehr positiv aus: Wir haben uns mit interessanten Themen beschäftigt und uns auch noch besser kennengelernt.

Dietmar Böhm, Klassenlehrer Berufskolleg
Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Stuttgart
www.fachschule-stuttgart.de

Aus HEP wird TEP

Fachkraft für TEilhabe und Pflege als neue Berufsbezeichnung für die Heilerziehungspflege

Ende Januar fand auf Einladung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege (BAG HEP) ein Workshop mit Vertreter*innen zentraler Verbände statt. Das Ziel: eine neue Berufsbezeichnung für die Heilerziehungspflege. Am Ende stand ein eindeutiges Votum. Die Berufsbezeichnung soll sich in „Fachkraft für TEilhabe und Pflege“ weiter entwickeln.

Die BAG HEP Mitgliederversammlung hatte im November 2017 den Vorstand der BAG beauftragt erneut aktiv zu werden in Richtung einer neuen Berufsbezeichnung für die Heilerziehungspflege. Immer wieder stand der Name Heilerziehungspflege in den vergangenen Jahrzehnten in der Kritik vor allem auch der Selbstvertreter*innen. Zu fremdbestimmt, zu wenig positiv aussagekräftig für das, was den Beruf kennzeichnet, zu wenig lockend für am Beruf Interessierte, war die immer wieder vorgetragene kritische Rückmeldung.

Der Workshop-Tag startete Ende Januar 2019 mit einem Blick zurück in die Geschichte der Berufsbezeichnung und die in den letzten Jahren immer wieder geführte Diskussion rund um den Namen. Der Begründer des Berufs, Pfarrer Ludwig Schlaich, brandmarkte schon mit der Einführung des Namens für den von ihm in der damaligen „Anstalt“ Stetten (Baden-Württemberg) etablierten Beruf, die Berufsbezeichnung als „Wortungetüm“.

Mehrfach wurde sich mit dem Namen kritisch im Rahmen von Fachtagen auseinandergesetzt. „Vom Heilerziehungspfleger … zum Hepatroniker“ hieß es im März 2012 in Fulda. Kreativ wurden seinerzeit Ideen für einen möglichen Nachfolgenamen gesucht. In der im Juli 2012 von BAG HEP, Berufsverband HEP und Schlaich-Stiftung etablierten Online-Befragung sprachen sich 64% der Teilnehmenden für eine neue Berufsbezeichnung aus. Von einer Einigung auf einen Namen war man aber noch meilenweit entfernt. Der 2. Fachtag im März 2014 in Mainz wurde unter dem Motto: „Berufsbezeichnung Heilerziehungspflege – den Aufbruch wagen“ konkreter. Neben Kritik an der Berufsbezeichnung von Selbstvertreter*innen wurden drei konkrete Vorschläge als alternative Namen diskutiert:

  • Inklusionspädagoge,
  • Sozialpädagoge Fachrichtung Behindertenhilfe oder die
  • Fachkraft für Teilhabe, Bildung und Pflege.

Zuletzt setzte sich Ende 2017 prominent Raul Krauthausen als Selbstvertreter unter dem Titel „Ich möchte nicht geheilt werden“ kritisch mit der Berufsbezeichnung auseinander.[1]

Angesichts aktueller Entwicklungen in der Eingliederungshilfe und der Ausbildungsdiskussion (ICF, UN-Behindertenrechtskonvention, Bundesteilhabegesetz, DQR 6) ist es notwendiger denn je, die Berufsbezeichnung zu aktualisieren, denn der Berufsname Heilerziehungspflege trägt immer wieder zu Missverständnissen in Bezug auf das Berufsbild bei. Der Name für die Fachkräfte in der Eingliederungshilfe repräsentiert nicht stimmig, was heute die Arbeit in der sogenannten Heilerziehungspflege ausmacht.

Vor diesem Hintergrund kamen Vertreter*innen der BAG-HEP, der Ludwig-Schlaich-Stiftung, des Inklusionsbeirats, des Berufsverband HEP, der Verbände (Anthropoi Bundesverband, Bundesverband evangelische Behindertenhilfe BeB, Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie CBP, Bundesvereinigung Lebenshilfe), der Gewerkschaft Ver.di, und Fachschüler*innen und Heilerziehungspfleger*innen zusammen mit dem Ziel eine zeitgemäße attraktive Berufsbezeichnung für das Berufsbild HEP zu entwickeln.

Am Ende des Tages stand ein sehr eindeutiges Votum mit einer 80-prozentigen Zustimmung der Teilnehmenden für eine neue Berufsbezeichnung:
Aus HEP wird TEP!
Fachkraft für TEilhabe und Pflege.

Mit der Einigung auf eine neue Berufsbezeichnung ist nun ein erster wichtiger Schritt in Richtung Umbenennung des Berufs getan. Gemeinsam mit den Verbänden wird sich nun die BAG HEP für eine Umsetzung der Namensänderung einsetzen!

Dabei schlägt der am Tag entwickelte Slogan „aus HEP wird TEP“ eine gelungene Verbindung zwischen alter und neuer Berufsbezeichnung. Mit dieser Brücke gilt es nun auch alle die, die vielleicht noch Berührungsängste mit dem neuen Namen haben, nicht nur zu überzeugen und mit ins Boot zu holen, sondern in dieser zukunftsfähigen Entscheidung für die Heilerziehungspflege zu aktiven Mitstreitern zu machen.

In der finalen Diskussion des Workshop-Tages wurde deutlich auf den Punkt gebracht was die Heilerziehungspflege dringend benötigt: Einen realistischen Namen, der gut die Besonderheit der Heilerziehungspflege und die Kernaufgaben als die Fachkräfte für Teilhabe und Pflege deutlich macht! Mit dieser Kurzfassung des Berufs können zukünftig viel leichter neue Berufsinteressent*innen angesprochen werden. Sie ist auch berufspolitisch wertvoll, da Sie gleich die Besonderheit des Berufes als „Multiprofession“ im Namen stimmig deutlich macht und die beiden im Beruf verknüpften Kernbereiche schon in der Berufsbezeichnung aufführt: Aus Heilerziehungspflege wird die Fachkraft für TEilhabe und Pflege. Aus HEP wird TEP!


[1] https://raul.de/allgemein/ich-moechte-nicht-geheilt-werden/ zuletzt aufgerufen am 26.02.2019