Russische Studentinnen am Elisabeth-von-der-Pfalz-Berufskolleg

Sieben Deutschstudentinnen von der Universität Iwanowo und ihre Professorin haben jetzt eine Woche am evangelischen Berufskolleg verbracht. Schüler*innen und eine Lehrerin stellten ihre Gästezimmer zur Verfügung und werden im kommenden Herbst zum Gegenbesuch nach Iwanowo starten. Der Freundeskreis Iwanowo, die Evangelische Kirche von Westfalen und der Ausschuss für Weltweite Ökumene, Partnerschaften und Mission des Kirchenkreises Herford fördern und unterstützen diese inzwischen vierte Begegnung.

Die Gäste haben die Herforder Stadtgeschichte und deutsche (Schul-) Kultur durch eine Stadtführung, eine Führung durch das Rathaus mit Begrüßung durch den stellvertretenden Bürgermeister Ralf Grebe sowie bei gemeinsamen Mahlzeiten und während der Teilnahme am Unterricht im Berufskolleg kennengelernt.

Abschiedsfoto Russische Gäste und Gastgeber im evdp-Berufskolleg mit Schulleiter Gert Flörke, Rgine Stelte (3. v.l.) und Dr. Annelore Siller (2. v.r.)

Den Blick über den jeweiligen Tellerrand haben Gastgeber und russische Besucherinnen bei einer Studienfahrt zum Übersee-Museum Bremen geweitet. „Ein tolles Museum“, betonte Professorin Raissa Babaeva aus Iwanowo. Für ihre Germanistikstudentinnen gehörte sicherlich auch das Einpersonenstück „Schlafen Fische?“ im Stadttheater Herford zu den kulturellen Highlights. Schauspielerin Anna-Marie Lehmann verkörpert darin die zehnjährige Jette, die über Tod und Sterben ihres Bruders Emil nachdenkt. Sie fragt sich, ob Fische schlafen und wann der Alltag nach dem Tod wieder normal wird. Sollte er das überhaupt? Diese und viele weitere Fragen reflektierte sie am anderen Morgen sehr lebendig mit Gästen und Schülern im Elisabeth-von-der-Pfalz-Berufskolleg.

„Wird es mal wieder besser werden?“ Mit einer offenen Frage endete auch der Schulgottesdienst in der Jakobi-Kirche, mit dem die Woche der Begegnung zu Ende ging. Eine Klasse von Fachabiturienten*innen hatte sich im Vorfeld intensiv mit den verheerenden Folgen von Nationalismus und Rassismus auseinandergesetzt. Sie hatten Texte von Kindern unter anderem aus Theresienstadt gelesen und wollen sich als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ jetzt gegen das Vergessen der Gräuel des zweiten Weltkrieges und für ein vielfältiges Miteinander einsetzen.

Beim Abschied gab es viele Tränen. Die 19- bis 21-jährigen Studentinnen aus Russland dankten für den herzlichen Empfang, obwohl das Stereotyp des Deutschen eher als distanziert gelte. Auch auf deutscher Seite sind mit jeder Reise mehr Vorurteile gefallen, berichtete Schulleiter Gert Flörke und wünschte den neuen Freundschaften, dass sie lange bestehen bleiben. Professorin Raisa Babaeva betonte, dass sich Menschen jenseits aller Politik auf einer anderen Ebene verstehen und sich durch kulturelle Unterschiede bereichern könnten. Das ursprüngliche Ziel Friedensarbeit und Völkerverständigung kann also schon jetzt (im Kleinen) als erreicht gelten.

Elisabeth-von-der-Pfalz-Berufskolleg
Berufs-/Fachschulen im Sozial- und Gesundheitswesen des Kirchenkreises Herford
Löhrstraße 2
32052 Herford