„Schneller mehr Fachkräfte – auch um den Preis geringerer Qualität?“
Diese Frage durchzieht viele aktuelle Debatten. Am 4. und 5. September haben wir uns als Vorstand des Bundesverbands Evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik (BeA) im traditionsreichen Hotel MutterHaus Düsseldorf zu unserer Vorstandsklausur getroffen, um genau darüber zu beraten.

Im Mittelpunkt stand die Weiterentwicklung der Strategie 2030. Mit großer Sorge sehen wir die zunehmenden Tendenzen zur De-Professionalisierung in der Kinder- und Jugendhilfe. Deshalb haben wir den gemeinsamen Appell von Diakonie Deutschland und ver.di, den der BeA mitgezeichnet hat, ausdrücklich unterstützt: Professionalität ist kein Luxus, sondern die Grundlage für gelingende Bildung, Erziehung und Betreuung.

Wichtig ist uns dabei die Klarstellung: Die Ausbildung von Erzieher:innen ist keine duale Ausbildung, die – wie andere duale Berufe – auf dem Qualifikationsniveau 4 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) endet. Sie wird entweder als schulische Vollzeitausbildung oder in praxisintegrierter Form absolviert und führt zu dem Qualifikationsniveau 6. Wer diese Ausbildung fälschlich mit der dualen Berufsausbildung gleichsetzt, verkennt die Tiefe, den Umfang und den professionellen Anspruch, die für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unverzichtbar sind. Unser Positionspapier „Betreuung statt Bildung? Ohne uns!“ macht deutlich, wie gefährlich es wäre, die Kinder- und Jugendhilfe auf eine reine Betreuungsperspektive zu verkürzen. Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Bildung, auf qualifizierte Fachkräfte und auf eine professionelle Begleitung.

Auch die aktuellen parlamentarischen Initiativen zur Fachkräftegewinnung haben wir intensiv diskutiert. Die Bundesregierung verweist auf vergütete und praxisnahe Ausbildungsformate in Anlehnung an duale Modelle. Doch unser Standpunkt bleibt klar: Attraktivität darf nicht mit der Absenkung des Qualifikationsniveaus erkauft werden. Wer Qualität in Kitas, Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe sichern will, muss zuerst die Qualität der Ausbildung sichern.

Die Klausur war geprägt von intensiven Diskussionen, klaren Positionierungen und dem gemeinsamen Ziel, die Ausbildungslandschaft für soziale Berufe zukunftsfest zu gestalten – im Interesse der Fachkräfte von morgen und der Kinder und Jugendlichen, die auf sie vertrauen.