Kategorie-Archiv: Aktuelles aus den Schulen

Jugend debattiert: „Luca gehört zu den vier Besten des Landes“

Friederike-Fliedner-Schüler debattiert überzeugend im Plenarsaal des NRW-Landtags

Düsseldorf – Auch eine Stunde nach der Debatte war Kim Luca Ströhmann noch sichtlich beeindruckt. „Das war ein unglaubliches Erlebnis, vor dieser Kulisse reden zu dürfen und so weit gekommen zu sein“, sagte der Landesfinalist beim Wettbewerb „Jugend debattiert“.

Im Plenarsaal des Düsseldorfer Landtags hatte der Schüler aus der 12. Klasse des Friederike-Fliedner Berufskollegs Iserlohn am Mittwoch gegen drei Mitstreiter gekämpft. Der Rahmen im Landtag war feierlich, die Kulisse imponierend, WDR5-Moderator Max von Malotki führte humorvoll durch das Finale, das sogar im Livestream übertragen wurde. Die Streitfrage in der Altersgruppe II lautete: „Sollen bei Wahlen zum NRW-Landtag die Parteien verpflichtet werden, auf den Landeslisten gleich viele Frauen und Männer als Kandidaten aufzustellen?“

Auch zahlreiche Landespolitiker saßen im Plenum, darunter der Iserlohner Thorsten Schick (CDU), um der 24-minütigen Debatte gespannt zuzuhören. Gemeinsam mit Louis Kruse aus Waltrop plädierte Kim Luca Ströhmann auf der Pro-Seite dafür, auch bei Landtagswahlen „Parität herzustellen“. „Es ist immer noch so, dass Politik eine Männerdomäne ist“, betonte der 18-Jährige aus Pillingsen. Die Debattanten der Contra-Position, Lia Schöneweiß aus Köln und Niklas Kastner aus Olfen, hielten mit Sachkenntnis und geschliffenem Ausdrucksvermögen dagegen.

Nach eingehender Beratung der fünfköpfigen Jury attestierte der Juryvorsitzende Prof. Dr. Ulrich von Alemann von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf den vier Finalisten „eine große Debatte auf hohem Niveau“. Die Rückmeldung für Kim Luca Ströhmann fiel ebenfalls weitgehend positiv aus: „Herausragend fand ich den Gedanken: Das Geschlecht kann man sich nicht aussuchen“, urteilte Ansgar Kemmann, bundesweiter Projektleiter von „Jugend debattiert“.

Lia Schöneweiß und Louis Kruse setzten sich am Ende als Landessieger durch und werden die NRW-Farben Ende Juni beim Bundeswettbewerb in Berlin vertreten. Niklas Kastner und Kim Luca Ströhmann halten sich für den Fall des Falles als Nachrücker bereit.

„Das war mit sehr viel Anspannung und Anstrengung verbunden, aber nun gehe ich mit einem sehr guten Gefühl nach Hause“, sagte Ströhmann nach seinem großen Auftritt. Vom Schulwettbewerb Anfang Februar bis zum Landesfinale hatte der Schüler der höheren Berufsfachschule in sechs Runden seine Debattierfähigkeit unter Beweis gestellt. Unter landesweit 46.000 Teilnehmern setzte er sich schließlich durch – zuletzt als einziger Schüler eines Berufskollegs.

„Das ist ein großartiges Ergebnis: Luca gehört zu den vier Besten des Landes“, sagte FFBK-Schulleiterin Andrea Schumann, die als Unterstützung mit nach Düsseldorf gekommen war. Das tolle Abschneiden sei auch „ein deutliches Zeichen, wie sehr es sich lohnt, Demokratie zu gestalten und dafür die Mittel zu haben – da ist Debatte ein ausgezeichnetes Mittel“.    

Das FFBK nahm als Vertreter der Region Arnsberg 3 in diesem Jahr zum ersten Mal an dem bundesweiten Wettbewerb teil. Entsprechend stolz sind Mitschüler und Lehrer an der Brüderstraße über das Abschneiden ihres Schulsiegers. Der hatte diese Woche noch ganz andere Themen auf dem Zettel: Das Landesfinale am Mittwoch war umrahmt von den Klausuren zur Erlangung der Fachhochschulreife in Deutsch, Englisch, Erziehungswissenschaften und Mathe.

spieLen mit reGeln

Fachschüler zur Exkursion in Potsdam

Das 28. Bildungsforum „Internationaler Spielmarkt 2019“ lockte wieder hunderte Spielfreudige, Spielpädagogen und pädagogische Fachkräfte nach Potsdam. Am vergangenen Wochenende lud der Spielmarkt wieder zu Workshops und Vorträgen ein, animierte die Besucher, die Spielinseln und anderen Mitmachaktionen auszuprobieren. Auch in diesem Schuljahr konnten die Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Fachschule Wolmirstedt dieses Angebot nutzen und sich für die praktische Tätigkeit Anregungen und Impulse holen – und vor allem: selbst spielen.

Das Thema des Bildungsforums war in diesem Jahr „spieLen mit reGeln“. Es ging darum, die charakteristische Bedeutung von Regeln für die unterschiedlichsten Formate von Spielen aufzuzeigen, SpielArten über die Regeln zu identifizieren und die Wechselwirkungen zwischen Spielregeln und einem Leben nach Regeln aufzuzeigen. Gleichzeitig gab es Gelegenheiten sich mit der Problematik von festen Regeln einerseits und dem Fragen nach der Veränderbarkeit oder auch der Anpassungsfähigkeit von Regeln zu beschäftigen. Wie verändert sich der Charakter von „Mensch ärgere Dich nicht“, wenn zwei Parteien kooperieren? Was verändert sich, wenn wir nur noch kooperative Spiele spielen und Konkurrenzspiele meiden würden? Ist Oma eine Falschspielerin, wenn sie den Enkel gewinnen lässt? Beeinflussen Computerspiele, die nach den Prinzipien von Gewalt und Krieg gespielt werden, das Regelverständnis von Kindern und Jugendlichen auch im Alltag? Gibt es in Familien, in denen viel miteinander gespielt wird, eine besonders hohe Akzeptanz der Einhaltung von Regeln? Wo lernen Kinder heute den Umgang mit Regeln, wenn sie kaum noch auf der Straße spielen können?

Die unterrichtlichen Überlegungen und Kenntnisse zum Spiel(en) erfuhren für die SP18-Klassen eine weitere Vertiefung, die von den Fachlehrern Katrin Müller-Bauschke und Gregor Schöpe begleitet wurde. Beide nutzten die Angebote des Spielmarktes auch zur eigenen Fortbildung. Dass leider viele Workshops in diesem Jahr ausfielen, war sehr schade – dafür faszinierten die Angebote im Freien, die Materialien und Mitmachaktionen umso mehr.

www.efs-wms.de
www.facebook.com/evangelische.fachschule
https://www.instagram.com/evangelischefachschule/

Pressemitteilung Evangelische Fachschule für Soziale Berufe Wolmirstedt vom 08.05.2019

Kronenkreuz der Diakonie in Gold für Schulleiterin Birgit Deiss-Niethammer

„Angehende Erzieherinnen und Erzieher unterrichten zu können, begeistert mich nach wie vor.“

Direktorin Birgit Deiss-Niethammer unterrichtet seit 25 Jahren an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Stuttgart-Botnang Religionspädagogik und Deutsch. Im Jahr 2007 wurde sie zur Schulleiterin ernannt. Für ihr langjähriges Engagement überreichte ihr Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstand des Trägervereins, das Kronenkreuz der Diakonie in Gold.

STUTTGART, 15.04.2019. Birgit Deiss-Niethammer, Direktorin der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Stuttgart, erhielt das Kronenkreuz der Diakonie in Gold verliehen. Vor 25 Jahren hat die Religionspädagogin und Germanistin als Dozentin in der Erzieherausbildung an der Botnanger Fachschule begonnen. Im Jahr 2003 übernahm sie die stellvertretende Schulleitung, im September 2007 wurde sie vom Trägerverein zur Direktorin der Fachschule gewählt.

Zukunftsweisende Projekte in dieser Zeit waren der Ausbau des internationalen Profils der Fachschule, die Kooperation mit dem Bachelorstudiengang „Frühe Bildung und Erziehung“ an den Hochschulen in Ludwigsburg sowie die Etablierung der Praxisintegrierten Erzieherausbildung (PiA). Die Botnanger Fachschule führte als erste evangelische Ausbildungsstätte in Baden-Württemberg das innovative PiA-Modell ein und entwickelte ergänzend eine Fortbildung für Mentorinnen und Mentoren – als Kursangebot für Anleiterinnen in den Kitas, um die Auszubildenden professionell begleiten zu können.

„Angehende Erzieherinnen und Erzieher unterrichten zu können, begeistert mich nach wie vor. Geht es doch in der Ausbildung darum, dass die Herausforderungen der Arbeit mit Kindern und Familien angenommen und kompetent gestaltet werden können. Dazu gehört, Kinder in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen und mit ihren Fragen – auch den religiösen – in offener, zugewandter Weise zu begleiten“, betont Birgit Deiss-Niethammer. „Und dass es nun bereits 25 Jahre Arbeit in Botnang sind, liegt zweifellos auch an den Gestaltungsmöglichkeiten und dem hoch engagierten und kompetenten Team der Kolleginnen und Kollegen.“

Direktorin Birgit Deiss-Niethammer (Mitte) arbeitet seit 25 Jahren an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Stuttgart. Vorstand Heidi Fritz gratuliert ihr mit einem Blumenstrauß zur Überreichung des Kronenkreuzes der Diakonie in Gold durch Oberkirchenrat Dieter Kaufmann.

Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstand des Trägervereins, überreichte die Kronenkreuz-Brosche mit Ehrenurkunde im Rahmen der Leitungskonferenz. Der Vorsitzende bedankte sich bei Schulleiterin Birgit Deiss-Niethammer sehr herzlich für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Fachschule und wünschte ihr Gottes Segen für die Weiterentwicklung der Erzieherausbildung und für die Begleitung der jungen Menschen auf dem Weg zur Erzieherin und zum Erzieher. „Unsere Gesellschaft braucht dringend gut ausgebildete pädagogische Fachkräfte. Die Botnanger Fachschule leistet hierzu einen unverzichtbaren Beitrag mit klarem evangelischen Profil“, so Kaufmann.

Christine Haag-Merz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Verein Evang. Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik e. V.
Presselstraße 29
70191 Stuttgart
Telefon: (07 11) 48 90 95 72
Telefax: (07 11) 48 90 95 77
christine.haag-merz@ev-fs.de
www.evangelische-fachschulen.de

Projekt-Startschuss am Friederike-Fliedner Berufskolleg: Sinnhafter Umgang mit Zeit

Hagen. Ob am Arbeitsplatz oder zu Hause: kaum etwas hat sich in den letzten Jahren so stark verändert wie die Möglichkeit, Informationen zu erhalten. Was vor wenigen Jahren noch einige Zeit in Anspruch nahm, etwa, weil zunächst ein Buch gelesen werden musste, ist jetzt ein Sekundenaufwand. Smartphone und Internet machen es möglich. Doch spürt man diesen deutlichen Zeitgewinn, der die Konsequenz sein sollte, oder stellt sich vielmehr ein Gefühl von Zeitnot ein? Dieser Frage geht das Friederike-Fliedner Berufskolleg der Diakonie Mark-Ruhr jetzt im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts „ReZeitKon“ nach.

Die Schule führt als bundesweit einziges Berufskolleg gemeinsam mit der Leuphana Universität Lüneburg und der TU Berlin das Projekt „ReZeitKon“ durch. „Das besondere ist, dass hier bei uns gleich zwei Perspektiven auf Zeitwohlstand und so genannte Zeit-Rebound-Effekte erforscht werden, auf der einen Seite aus Sicht der Schülerinnen und Schüler, auf der anderen Seite aus Sicht der Mitarbeitenden“, erläutert Schulleiterin Andrea Schumann.

Ende März wurde die Kooperation besiegelt und der Startschuss für das Projekt gegeben. Das Friederike-Fliedner Berufskolleg ist einer von sieben Projektpartnern aus Industrie und Gesellschaft. Am Ende des Projekts sollen – empirisch belegt – Strategien zum sinnhaften Umgang mit Zeit entwickelt werden. „ReZeitKon“ – Zeit-Rebound, Zeitwohlstand und Nachhaltiger Konsum ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes, inter- und transdisziplinäres Forschungsverbundprojekt.

Gerrit von Jorck, Stefanie Gerold (beide TU Berlin), Schulleiterin Andrea Schumann und ihr Stellvertreter Christoph Menne sowie Dr. Simon Jetzschke (Projektverantwortlicher des Friederike-Fliedner Berufskolleg) haben Ende März die Kooperation für das Projekt besiegelt.

Diakonie Mark-Ruhr gemeinnützige GmbH
Geschäftsstelle Hagen: (Sitz der Gesellschaft) Martin-Luther-Str. 11 58095 Hagen
https://www.diakonie-mark-ruhr.de/

Eine faire und nachhaltige Welt beginnt im Kindergarten

Der Kongress „Fair von Anfang an!“ am 8. April im Hospitalhof Stuttgart beschäftigt sich mit der Frage, wie bereits im Kindergarten mit der Sensibilisierung für eine faire und nachhaltige Welt begonnen werden kann. Die Vorträge, Workshops und Blitzlichter aus der Praxis richten sich an pädagogische Fachkräfte, Auszubildende, Studierende und Lehrende in der Frühkindlichen Bildung.

STUTTGART, 29.03.2019. Bereits 2015 hat die Weltgemeinschaft unter der Federführung der Vereinten Nationen die Agenda 2030 mit 17 Weltnachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDG) beschlossen. Zum Unterziel „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) wurde von der Bundesregierung ein nationaler Aktionsplan verabschiedet. Auch das Land Baden-Württemberg macht sich aktuell daran, eine landesweite BNE-Gesamtstrategie zu erarbeiten. Der Kongress „Fair von Anfang an!“ am 8. April im Hospitalhof Stuttgart nimmt das Thema ganz konkret für die Kindertagesstätten in den Blick. In Vorträgen und Praxis-Workshops geht es darum, wie bereits im Kindergarten mit der Sensibilisierung für eine faire und nachhaltige Welt begonnen werden kann.

Veranstaltet wird der Kongress vom Zentrum für Entwicklungsbezogene Bildung (ZEB) innerhalb der Evangelischen Landeskirche. „Mit dem Kongress möchten wir konkrete Vorschläge für ein klimagerechtes Handeln im Vorschulbereich erarbeiten. Die Kindertagesstätten sind ein Ort, wo Eltern, Fachkräfte und Kinder gemeinsam angesprochen werden können“, unterstreicht Ralf Häußler vom ZEB. Kooperationspartner sind unter anderem die Diözese Rottenburg-Stuttgart, die Initiative „kikuna“ aus Dornstadt, das Entwicklungspädagogische Informationszentrum (EPIZ) Reutlingen und die Außenstelle von Engagement Global, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das Programm Entwicklungsbezogene Bildung in Deutschland (EBD) durchführt.

Zu den Initiatoren der Tagung gehören auch die Evangelischen Fachschulen für Sozialpädagogik, die bereits während der Erzieherausbildung das Thema der globalen Gerechtigkeit in den Blick nehmen. Für Schulleiterin Birgit Deiss-Niethammer von der Evangelischen Fachschule in Stuttgart-Botnang passt das Thema zum evangelischen und friedenspädagogischen Profil der Schule. „Unsere Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich in fächerübergreifenden Projekten exemplarisch mit den Themen Klimagerechtigkeit, fairem Handel oder Kinderarbeit. Sie setzen sich dabei mit der Frage auseinander, welche Zusammenhänge zwischen dem eigenen Lebensstil und den Lebensbedingungen anderer Menschen oder Generationen bestehen. Und sie entwickeln Ideen, wie bereits in der Arbeit mit Kindern und Familien in Kindertageseinrichtungen Grundlagen gelegt werden können, verantwortlich mit Ressourcen umzugehen.“

Beim Kongress stehen zielgerichtete Fragen im Mittelpunkt: Wie können pädagogische Fachkräfte, Eltern und Träger ein Verständnis für globale Gerechtigkeit entwickeln? Welche praktischen Handlungsmöglichkeiten gibt es in der Kita? Wie wird das Thema in der Erzieherausbildung aufgegriffen? „Endlich wird diese Lücke geschlossen und Globales Lernen hält Einzug in der Beruflichen Bildung in Baden-Württemberg”, unterstreicht Gabriele Winkler, Engagement Global, „Erzieherinnen und Erzieher haben eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, zukünftige Generationen aufzuklären und gemeinsam mit den Kindern alltagsbezogene Möglichkeiten für einen fairen, nachhaltigen Lebensstil zu entwickeln.”

Eröffnet wird der Kongress „Fair von Anfang an!“ von Oberkirchenrat Norbert Lurz und Kultusstaatssekretär Volker Schebesta. Das Kultusministerium unterstützt den Kongress im Sinne der landesweiten BNE-Strategie. „Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit spielen sowohl im Bildungsplan der Schulen in Baden-Württemberg als auch im Orientierungsplan für Kindertageseinrichtungen eine große Rolle. Im Rahmen der Entwicklung zu einer nachhaltigen und gerechteren Gesellschaft ist es wichtig, Kinder und Jugendliche schon früh mit der Thematik vertraut zu machen. Damit ihnen die Bedeutung und die Ernsthaftigkeit des Themas bewusst wird, brauchen sie aber auch Vorbilder, und da sind wir alle gefordert: Erzieher, Lehrkräfte und Eltern“, so Kultusstaatssekretär Volker Schebesta.

Das Interesse am Kongress ist groß, er ist mit über 300 Anmeldungen bereits ausgebucht, eine Warteliste ist eingerichtet. Den Keynote-Vortrag zum Thema „Globales Lernen und Bildung für Nachhaltige Entwicklung in Ausbildung, Praxis und Alltag“ hält Susanne Schubert aus Bonn. Zum Programm gehören außerdem Blitzlichtrunden aus der Praxis, ein zentrales Podiumsgespräch, 13 Workshop-Angebote und ein Improtheater zum Abschluss, mit Mirjam Woggon und Jakob Nacken vom Harlekintheater Tübingen.

KONGRESS: Fair von Anfang an!
Montag, 8. April 2019, 9:30-16:30 Uhr, Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstraße 33, 
www.dimoe.de/veranstaltungen

Kontakt für inhaltliche Fragen:
Dietmar Böhm, stellv. Schulleiter Evang. Fachschule, Tel: 0711-697620, dietmar.boehm@ev-fs.de


Auf dem Weg zur Fair-Trade-Schule

Als wir im letzten Schuljahr die Türen unseres Neubaus in Herbrechtingen öffneten und die Studierenden, neu wie alt, begrüßten, entdeckten wir schon sehr bald, welche Chancen uns dieser Neubau bieten würde: Zum Beispiel die Möglichkeit, ganz neue Formen des Unterrichtens zu erproben, viel Raum, Licht und Privilegien zu haben wie beispielsweise Smartboards oder modern gestaltete Seminarräume …

Es ist Tradition an unserer Schule, dass die SMV ein Projekt oder eine Aktion organisiert. Der im vorherigen Jahr durchgeführte Bad-Taste Day wurde schnell von der Liste gestrichen. Doch worum könnte es in diesem ersten Jahr im Neubau gehen? Etwas Bedeutendes musste her, so viel war klar, aber was genau?

Fair-Trade-Schulteam aus SMV und Vertrauenslehrerinnen in Herbrechtingen.

Schon bald keimte eine Idee in den Köpfen der Studierenden, genährt durch den Studientag der damaligen PiA-1-Klasse zum Thema „Fair-Trade Kindergarten“ und den Besuch von Expertin Karin Wirnsberger im Rahmen des Religionspädagogischen Projekts, die die Initiative „kikuna – Zukunft nachhaltig gestalten“ vorstellte. Wir wollen eine Fair-Trade-Schule werden: fair sein – gerecht sein – etwas von unseren Privilegien zurückgeben. Der Grundstein war gelegt.

Doch der Weg dorthin sollte noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Referentin Maria Gießmann, die für die Umsetzung der Fair-Trade-Schulen in Baden-Württemberg verantwortlich ist, besuchte uns im letzten Schuljahr, um unsere abschließenden Fragen zu klären. Letztendlich trennten uns fünf zu erfüllende Kriterien von unserem Ziel:

  • die Gründung eines Schulteams,
  • das Entwickeln eines Fair-Trade-Kompasses,
  • eine Schulaktion pro Schuljahr zum Thema Fair-Trade,
  • der Verkauf mindestens zweier Fair-Trade-Produkte an unserer Schule und
  • die Integration des Themas „Fairer Handel“ in den Unterrichtsverlauf.

Die Gründung des Schulteams war schnell beschlossene Sache: die SMV würde diese Aufgabe gemeinsam mit den Vertrauenslehrerinnen übernehmen. Für das Amt des Sprechers erklärte sich unser Studierendensprecher Daniel Söder bereit. Gemeinsam entwickelten wir Kriterien, die uns als zukünftige Fair-Trade-Schule besonders am Herzen liegen. Daraus formulierte die SMV den Fair-Trade-Kompass. Auch die Fair-Trade-Schulaktion pro Schuljahr konnten wir durch den Besuch der beiden Referentinnen für dieses Schuljahr bereits in doppelter Form erfüllen. Die Idee eines Verkaufs von Fair-Trade-Produkten fand bei den Studierenden großen Anklang. Neben dem sowieso schon fair gehandelten Kaffee in unserem Kaffeeautomaten sollte es endlich die Möglichkeit geben, Snacks an der Schule erwerben zu können. Und dann auch noch Fair-Trade! Die Schwierigkeit dabei zeigte sich eher in der Organisation. Wann und wo sollte ein solcher Verkauf stattfinden? Und wer übernimmt diese Aufgabe? Die Lösung: Der Verkauf soll alle zwei Wochen vor und nach dem Religionspädagogischen Projekt stattfinden, wenn sich sowieso die gesamte Schulgemeinschaft im Foyer trifft. Auch für die Integration des Themas „Fair-Trade“ in den Unterricht bot sich der Bereich Religionspädagogik sowie das Fach Englisch an. Somit konnten wir auch das letzte Kriterium auf dem Weg zu einer Fair-Trade-Schule erfüllen. Unsere SMV ist sehr stolz und hofft, schon bald zur offiziellen Nominierung einladen zu können!

Simone Schmidbaur, Dozentin
Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Herbrechtingen
www.fachschule-herbrechtingen.de

Erasmus-Projekt „Mission Maths“ in Schwäbisch Hall erfolgreich abgeschlossen

Das gemeinsame Ziel der fünf Projekt-Schulen aus Polen, Italien, Spanien, Griechenland und Deutschland war es, die praktische Anwendung mathematischer Fähigkeiten im Alltag der Kinder und Jugendlichen zu verbessern, sich über innovative Unterrichtsmethoden auszutauschen sowie durch den kulturellen Austausch Vorurteile abzubauen und sprachliche Fähigkeiten zu verbessern.

Hintergrund
In den verschiedenen Ländern wurde beobachtet, dass Schülerinnen und Schüler ihre theoretischen Kenntnisse in der Mathematik (die sie in Klausuren durchaus positiv unter Beweis stellen) kaum auf Alltagssituationen übertragen können. Demzufolge sind die traditionellen Methoden, die im Unterricht genutzt werden, nicht effektiv genug, um den Übertrag auf Alltagssituationen zu gewährleisten. Lehrkräften fehlen dazu innovative und effektive Lehrmethoden. Unter dieser Voraussetzung wurden wir als Schule angefragt, das Projekt Mission Maths mit dem Weitergeben von kreativen Problemlösestrategien zu unterstützen. Unser Knowhow als Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik: Wir regen an, die Perspektive zu verändern. Wir schauen ganz bewusst und genau auf das Neugierverhalten der jungen Kinder: Ihr Interesse an einer ganzheitlichen Welterkundung und der „handgreifliche“ Zugang kann auch dem mathematischen und naturwissenschaftlichen Lernen mehr Sinnlichkeit und Alltagsnähe geben.

Umsetzung
Im Rahmen des Projekts fand ein jährlicher Schüleraustausch statt. Durch die positiven Rückmeldungen der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler gab es im zweiten Projektjahr fünfmal so viele Interessierte wie Plätze, und es musste per Losverfahren ausgewählt werden, wer am Austausch teilnehmen darf. Pro Schuljahr wurden zwei Online-Workshops mit kreativen Inhalten für die Partnerschulen erstellt, um ihnen damit praktische Anregungen zum erfahrensorientierten mathematischen Lernen zu geben.

Ergebnis
Durch die Teilnahme am Erasmus+ Projekt „Mission Maths“ von 2015-2018 hat sich an unserer Schule das Interesse am kindgerechten und spielerischen Vermitteln mathematischer Inhalte deutlich intensiviert. Die Ziele des Projektes „Mission Maths“, das praktische Wissen über Mathematik auszubauen und auf andere Naturwissenschaften zu übertragen, sowie das methodische Know­how der Lehrerinnen und Lehrer zu vergrößern und durch kreative und innovative Problemlösestrategien zu erweitern, scheinen gut zu gelingen. Durch den gegenseitigen Austausch und den Einblick in die Vorgehensweisen der Partnerschulen konnte das Interesse der Schülerinnen und Schüler an der Mathematik geweckt und ausgebaut werden.

Martin Berger, Schulleiter
Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Schwäbisch Hall
www.fachschule-hall.de/erasmus


„Schritte gegen Tritte“ – Gewaltprävention auf Studientagen

„Erziehung und Bildung, insbesondere aber Friedenserziehung leisten bei der Entwicklung einer Friedenskultur einen wichtigen Beitrag. Frieden zu lernen ist deshalb die notwendige und aktuelle Aufgabe von Kirche und Gesellschaft und so ein selbstverständlicher Teil der Ausbildung an unseren Evangelischen Fachschulen“, so heißt es im friedenspädagogischen Profil der Evangelischen Fachschulen. Wenn wir auf eine freundliche, offene und konstruktive Lern­atmosphäre achten, erfahren die Schülerinnen und Schüler, was sie selber später mit Kindern in der Tageseinrichtung umsetzen sollen. Unser Beitrag für ein friedliches Zusammenleben muss auf zwei Ebenen ansetzen: zum einen auf der Ebene der Klassengemeinschaft und des Umgangs in der Klasse, zum anderen auf der gesellschaftlichen Ebene, indem wir uns mit wichtigen Themen kritisch im Unterricht auseinandersetzen. Wenn beides zusammenkommt, dann wird eine Kultur des Friedens etabliert.

Broschüre der Evangelischen Landeskirche Hannover zur Gewaltprävention

Eben hier setzt das Gewaltpräventionsprogramm „Schritte gegen Tritte“ an, das seit über 15 Jahren zu einer Kultur des Friedens und der Gerechtigkeit beiträgt. Das Programm wurde im Rahmen der Dekade zur Überwindung von Gewalt entwickelt. Die Studientage im Berufskolleg verfolgen das Ziel, die Basis für eine gute Klassengemeinschaft zu legen, die durch die Ausbildung trägt, wohlwissend, dass dies auch zur Gewaltverminderung beiträgt und beispielsweise Mobbing deutlich reduziert.

Während der Studientage setzten wir uns mit Hilfe von Referenten des Evangelischen Jugendwerks Württemberg (EJW) mit dem Programm „Schritte gegen Tritte“ zu Fragen von Gewalt und Rassismus auseinander. Wir beschäftigten uns mit der Situation von geflüchteten Menschen und erarbeiteten den Begriff der strukturellen Gewalt, wie ihn der norwegische Friedensforscher Johann Galtung entwickelt hat. Was bedeutet es beispielsweise, in einer Massenunterkunft auf nur wenigen Quadratmetern zu leben, ohne eigene Rückzugsmöglichkeiten? Die Schülerinnen und Schüler drückten es deutlich aus: So entsteht personale Gewalt aufgrund äußerer Bedingungen. In einem Rollenspiel erlebten sie, wie ungleich Ressourcen verteilt sind und wie dies zu mehr Gewalt führen kann. Auch stand die Auseinandersetzung mit persönlichen Einstellungen zum Thema Gewalt auf dem Programm. Innerhalb der Klasse entstand eine offene und nachdenkliche Diskussion. Wir lernten unterschiedliche Sichtweisen kennen und erlebten, dass sich so auch die eigene Meinung veränderte. Die handlungsorientierte Ausrichtung dieses Programms entspricht ganz den Prinzipien globalen Lernens. (vgl. Böhm, Dietmar (2017): Elementarpädagogik und Globales Lernen. In: Handlexikon Globales Lernen, S. 60ff)

So fiel die Bilanz in der Auswertungsrunde sehr positiv aus: Wir haben uns mit interessanten Themen beschäftigt und uns auch noch besser kennengelernt.

Dietmar Böhm, Klassenlehrer Berufskolleg
Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Stuttgart
www.fachschule-stuttgart.de

Aus HEP wird TEP

Fachkraft für TEilhabe und Pflege als neue Berufsbezeichnung für die Heilerziehungspflege

Ende Januar fand auf Einladung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege (BAG HEP) ein Workshop mit Vertreter*innen zentraler Verbände statt. Das Ziel: eine neue Berufsbezeichnung für die Heilerziehungspflege. Am Ende stand ein eindeutiges Votum. Die Berufsbezeichnung soll sich in „Fachkraft für TEilhabe und Pflege“ weiter entwickeln.

Die BAG HEP Mitgliederversammlung hatte im November 2017 den Vorstand der BAG beauftragt erneut aktiv zu werden in Richtung einer neuen Berufsbezeichnung für die Heilerziehungspflege. Immer wieder stand der Name Heilerziehungspflege in den vergangenen Jahrzehnten in der Kritik vor allem auch der Selbstvertreter*innen. Zu fremdbestimmt, zu wenig positiv aussagekräftig für das, was den Beruf kennzeichnet, zu wenig lockend für am Beruf Interessierte, war die immer wieder vorgetragene kritische Rückmeldung.

Der Workshop-Tag startete Ende Januar 2019 mit einem Blick zurück in die Geschichte der Berufsbezeichnung und die in den letzten Jahren immer wieder geführte Diskussion rund um den Namen. Der Begründer des Berufs, Pfarrer Ludwig Schlaich, brandmarkte schon mit der Einführung des Namens für den von ihm in der damaligen „Anstalt“ Stetten (Baden-Württemberg) etablierten Beruf, die Berufsbezeichnung als „Wortungetüm“.

Mehrfach wurde sich mit dem Namen kritisch im Rahmen von Fachtagen auseinandergesetzt. „Vom Heilerziehungspfleger … zum Hepatroniker“ hieß es im März 2012 in Fulda. Kreativ wurden seinerzeit Ideen für einen möglichen Nachfolgenamen gesucht. In der im Juli 2012 von BAG HEP, Berufsverband HEP und Schlaich-Stiftung etablierten Online-Befragung sprachen sich 64% der Teilnehmenden für eine neue Berufsbezeichnung aus. Von einer Einigung auf einen Namen war man aber noch meilenweit entfernt. Der 2. Fachtag im März 2014 in Mainz wurde unter dem Motto: „Berufsbezeichnung Heilerziehungspflege – den Aufbruch wagen“ konkreter. Neben Kritik an der Berufsbezeichnung von Selbstvertreter*innen wurden drei konkrete Vorschläge als alternative Namen diskutiert:

  • Inklusionspädagoge,
  • Sozialpädagoge Fachrichtung Behindertenhilfe oder die
  • Fachkraft für Teilhabe, Bildung und Pflege.

Zuletzt setzte sich Ende 2017 prominent Raul Krauthausen als Selbstvertreter unter dem Titel „Ich möchte nicht geheilt werden“ kritisch mit der Berufsbezeichnung auseinander.[1]

Angesichts aktueller Entwicklungen in der Eingliederungshilfe und der Ausbildungsdiskussion (ICF, UN-Behindertenrechtskonvention, Bundesteilhabegesetz, DQR 6) ist es notwendiger denn je, die Berufsbezeichnung zu aktualisieren, denn der Berufsname Heilerziehungspflege trägt immer wieder zu Missverständnissen in Bezug auf das Berufsbild bei. Der Name für die Fachkräfte in der Eingliederungshilfe repräsentiert nicht stimmig, was heute die Arbeit in der sogenannten Heilerziehungspflege ausmacht.

Vor diesem Hintergrund kamen Vertreter*innen der BAG-HEP, der Ludwig-Schlaich-Stiftung, des Inklusionsbeirats, des Berufsverband HEP, der Verbände (Anthropoi Bundesverband, Bundesverband evangelische Behindertenhilfe BeB, Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie CBP, Bundesvereinigung Lebenshilfe), der Gewerkschaft Ver.di, und Fachschüler*innen und Heilerziehungspfleger*innen zusammen mit dem Ziel eine zeitgemäße attraktive Berufsbezeichnung für das Berufsbild HEP zu entwickeln.

Am Ende des Tages stand ein sehr eindeutiges Votum mit einer 80-prozentigen Zustimmung der Teilnehmenden für eine neue Berufsbezeichnung:
Aus HEP wird TEP!
Fachkraft für TEilhabe und Pflege.

Mit der Einigung auf eine neue Berufsbezeichnung ist nun ein erster wichtiger Schritt in Richtung Umbenennung des Berufs getan. Gemeinsam mit den Verbänden wird sich nun die BAG HEP für eine Umsetzung der Namensänderung einsetzen!

Dabei schlägt der am Tag entwickelte Slogan „aus HEP wird TEP“ eine gelungene Verbindung zwischen alter und neuer Berufsbezeichnung. Mit dieser Brücke gilt es nun auch alle die, die vielleicht noch Berührungsängste mit dem neuen Namen haben, nicht nur zu überzeugen und mit ins Boot zu holen, sondern in dieser zukunftsfähigen Entscheidung für die Heilerziehungspflege zu aktiven Mitstreitern zu machen.

In der finalen Diskussion des Workshop-Tages wurde deutlich auf den Punkt gebracht was die Heilerziehungspflege dringend benötigt: Einen realistischen Namen, der gut die Besonderheit der Heilerziehungspflege und die Kernaufgaben als die Fachkräfte für Teilhabe und Pflege deutlich macht! Mit dieser Kurzfassung des Berufs können zukünftig viel leichter neue Berufsinteressent*innen angesprochen werden. Sie ist auch berufspolitisch wertvoll, da Sie gleich die Besonderheit des Berufes als „Multiprofession“ im Namen stimmig deutlich macht und die beiden im Beruf verknüpften Kernbereiche schon in der Berufsbezeichnung aufführt: Aus Heilerziehungspflege wird die Fachkraft für TEilhabe und Pflege. Aus HEP wird TEP!


[1] https://raul.de/allgemein/ich-moechte-nicht-geheilt-werden/ zuletzt aufgerufen am 26.02.2019