Kategorie-Archiv: Allgemein

„Qualität in Gefahr? Vergütete Ausbildungsmodelle für Erzieher/innen“

Fachveranstaltung & Barcamp 14.-15.11.2018

Im Rahmen einer zweitägigen Fachveranstaltung mit Barcamp im Herbst möchte die Koordinationsstelle ‚Chance Quereinstieg‘ diskutieren: „Was macht die Qualität von berufsbegleitenden vergüteten Ausbildungsmodellen für Erzieher/innen aus?“

Es gibt noch ein paar freie Plätze – der Anmeldeschluss ist der 12. Oktober 2018!

Aktuelles Programm: https://www.chance-quereinstieg.de/aktuelles/fachveranstaltung/

Anmeldung: https://www.chance-quereinstieg.de/aktuelles/fachveranstaltung/anmeldung/

 

Zwischenruf zur Debatte um „duale“ Ausbildungs- und Studiengänge der Mitgliedergruppe Personal und Qualifizierung in der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ: BeA wirkt mit!

Der Mangel an Fachkräften für das Feld der Kinder – und Jugendhilfe ist Anlass, dass derzeit zahlreiche Akteure grundsätzliche Fragen an die bestehenden einschlägigen Ausbildungs- und Studiengänge formulieren und Veränderungsmöglichkeiten ins Spiel bringen, fordern oder umsetzen. Eine besondere Rolle spielt hierbei die Forderung aus Politik und Praxis nach sogenannten „dualen“ Ausbildungswegen und dualen Studiengängen.

  • Vor dem Hintergrund der skizzierten Situation ist es den in der Mitgliedergruppe „Personal und Qualifizierung“ der AGJ vertretenen Organisationen wichtig, Folgendes festzuhalten:
  • Es gibt keinen Anlass an der Struktur der Ausbildung oder Studiengänge etwas Grundsätzliches zu verändern.
  • Wie auch immer Ausbildungsgänge für den Bereich Erzieher/innen umgestaltet werden, haben sie die KMK Rahmenvereinbarung über Fachschulen und Fachakademien von 2002 (in der Fassung von 2017), die Anforderungen des länderübergreifenden Lehrplans und des kompetenzorientierten Qualifikationsprofils von 2012 zu erfüllen. Denn die qualitativen Ansprüche an angehende Erzieher/innen sind aufgrund von Bildungsplänen, Bildungs- und Erziehungsempfehlungen, Inklusion, Migration und diversen Förderbedarfen in den letzten Jahren massiv gestiegen. Diesen Ansprüchen wird in der jetzigen Ausbildung in vollem Umfang Rechnung getragen. Sie garantiert ein breites Qualifikations- und Kompetenzprofil, das weit über die Kindertagesstätte hinausgeht und das gesamte Spektrum der Kinder – und Jugendhilfe abdeckt.
  • Alle neuen Studiengänge, die für das Handlungsfeld der Sozialen Arbeit qualifizieren sollen, haben dem Qualifikationsrahmen Sozialer Arbeit zu entsprechen und sind so ausgestalten, dass der Erhalt einer staatlichen Anerkennung möglich ist.
  • Sowohl fachschulische Ausbildungen als auch grundständige Studiengänge sind in ihrer generalistischen Ausrichtung zu erhalten und
  • eine Einstufung auf DQR-Level 6 ist zu ermöglichen.
  • Werden solche grundsätzlichen Standards nicht aufrechterhalten, würde dies das Fachkräftegebot und die Qualität in der Kinder- und Jugendhilfe schwächen oder sogar gefährden.

Mehr dazu können Sie hier lesen.

MINT in der Erzieherinnenausbildung unter der LuPE

22.11.2018
Leonardo-Hotel Weimar, Belvederer Allee 25, 99425 Weimar
www.leonardo-hotels.de/leonardo-hotel-weimar

Tagungsprogramm

Einladung und Programm

Mittwoch, 21.11.2018
19.00 Uhr
Get Together

19.30 Uhr
Gemeinsames Abendessen

Donnerstag, 22.11.2018
Ab 08.30 Uhr
Anmeldung

10.00 Uhr
Begrüßung
Kurzinterview mit Prof. Dr. Bernhard Kalicki (DJI) und Dr. Ekkehard Winter (Deutsche Telekom Stiftung)

10.20 Uhr
Das Projekt LuPE
Thomas Schmitt (Deutsche Telekom Stiftung), Dr. Margarita Stolarova (DJI), Dr. Eva
Born-Rauchenecker (DJI), Katharina Weber (DJI)

10.40 Uhr
Kreatives Intermezzo

10.45 Uhr
Überleitung in die Workshops

11.00 – 12.30 Uhr
Parallele Angebote: LuPE-Lehrkräfte stellen Möglichkeiten der Umsetzung des LuPE-Unterrichtskonzepts vor

Blinklichter aus der Schnittmenge von Mathematik und Elementarpädagogik
Dr. Michael Jachmann, Lothar Twele, AWO Berufskollegs, Bielefeld und Herford
In diesem Workshop – und der Begriff ist Programm – werden sich die Teilnehmer*innen mit verschiedenen Beispielen mathematischer Ideen (Zählen und Zahlen, Messen und Brüche, Verteilen, Entwicklung geometrischer Formen) beschäftigen. In den Fokus rücken Erfahrungen der Teilnehmer*innen mit den jeweiligen Themen sowie eine exemplarische Weiterentwicklung mit Impulsen für ein kindgemäßes Herangehen in typischen  KiTa-Situationen.

Natur trifft Mathe – Experimentieren gestern und heute
Sandra Feustel, Annett Schult, Staatliche Berufsbildende Schule Gesundheit, Soziales und Sozialpädagogik, Gera; Christa Pohlers, Steffi Rücker, BBZ Weimar; Iris Kielau, Marie-Elise-Kayser-Schule, Erfurt

Videoanalyse im Unterricht
Petra Bertelsmeier, Nicole Gülke, Holger Kempf, Berufskolleg Neandertal
Das Berufskolleg Neandertal bindet Videoanalyse systematisch in den naturwissenschaftlichen Unterricht ein. Der Workshop veranschaulicht die eingesetzten Konzepte aus dem Unterricht und zeigt Chancen zur Erhöhung der Reflexionsfähigkeit der Studierenden der Fachschule.

Videografie und Videoanalyse zur Reflexion von Bildungssituationen im Bereich der naturwissenschaftlich-technischen Bildung
Jens Daniel, Marie-Elise-Kayser-Schule, Erfurt
Anhand konkreter Erfahrungen und Beispiele werden Vorbereitung, Umsetzung und Analyse der Videografie in der Ausbildung von Erzieherinnen gegeben. Dabei wird ein großer Wert auf die Verzahnung elementardidaktischer und naturwissenschaftlicher Aspekte am Lernort Praxis gelegt. Bei Bedarf kann auf ein mögliches Prüfungsformat im o.g. Kontext eingegangen werden.

Naturerlebnistage für Kitas und Grundschulen in der Fachschule für Sozialpädagogik. Selbstreflexion durch Videografie im Unterricht der Fachschule und in der Praxisbetreuung

Dr. Jochen Kohl, Christina Stützer, Berufskolleg Vera Beckers, Krefeld
Die Studierenden des Berufskolleg Vera Beckers führen jährlich Naturerlebnistage für Kindertagesstätten und Grundschulen durch. Ergänzend wurden die Angebote des Naturerlebnistages gefilmt, um sie für die Selbstreflexion der Studierenden zu nutzen.

Im Workshop wird über das Konzept der Naturerlebnistage und über die Methode der videogestützten Reflexion berichtet und exemplarisch erfahrbar gemacht.

Schwarz ist bunt – Licht und Farben erleben
Dr. Katja Riemann, Hannelore Schiller, Staatliches Berufsbildungszentrum „Ernst Arnold“, Greiz

Einblicke in den Unterricht des Wahlpflichtfaches NW. Praktische Übungseinheiten zur Professionalisierung der Interaktion
Ilona Gerjets, Ute Pfeiffer, Berufskolleg im Bildungspark der Stadt Essen
Wie kann Interaktion in Ausbildung und im Kitaalltag professionalisiert werden? Wie können naturwissenschaftliche Lernprozesse sprachlich professionell begleitet werden? Elemente und Methoden des SST werden praktisch im Rollenspiel erprobt. Eine Videoreflexion dieses Rollenspiels ist möglich.

LuPE-Werkstatt. Raumgestaltung und praktische Unterrichtsmöglichkeiten in der Fachschule für Sozialpädagogik
Irene Tilly, Timo Müller, Berufskolleg Simmerath/Stolberg
Vorstellung der Planung, Ausgestaltung und Einrichtung der LuPE-Werkstatt als Fachraum in der Schule unter Beteiligung von Studierenden der Fachschule für Sozialpädagogik im Berufskolleg Simmerath/Stolberg als offene Konzeption mit lebendigem Werkstattcharakter.

Außerdem:
‚Reflexion der Praxisphase
Hilde Kranz-Uftring, Berufskolleg Kohlstraße, Wuppertal

12.30 – 13.45 Uhr
Mittagessen

13.45 Uhr
Kreatives Intermezzo

14.00 Uhr
Aspekte und Bedarfe im Kontext von MINT in der Erzieherinnenausbildung
Referent*innen aus Wissenschaft und Fachpraxis
Kurzvorträge zu verschiedenen Themenkomplexen, u.a. Alltagsintegrierte Bildungsbegleitung, Elementardidaktische Methoden, Bildungsbereiche aus MINT in Kindheit und Ausbildung

14.45 Uhr
Kaffeepause

15.15 bis 16.30 Uhr
Podiumsdiskussion anhand von Statements und Fragen aus dem Tagesverlauf

16.30 Uhr
Ausblick und Abschluss

Kreativteam17.00 Uhr

Ende der Veranstaltung


 

Sie können sich bis zum 30. September 2018 unter folgendem Link anmelden:
https://www.dji.de/Anmeldung_LuPE_Weimar

Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldung vergeben.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos.

 

„Qualität statt Schmalspur“ (Kindergarten heute, Ausgabe 09_2018)

kindergarten heute / 9_2018

In der aktuellen „Kindergarten heute“ (9_2018) äußern sich Norbert Göttker, Ute Eggers und Dr. Ludger Mehring zur Qualität in der Erzieher*innen-Ausbildung. Um den Beruf für junge Erwachsene und Quereinsteigende attraktiv zu machen, wird derzeit über eine Ausbildungsreform diskutiert. Norbert Göttker warnt, gemeinsam mit Ute Eggers (Vorsitzende der BöfAE) und Dr. Ludger Mehring (Vorsitzender der BAG KAE) vor Ausbildungen, die den gestiegenen Qualitätsansprüchen nicht gerecht werden.

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel.

Einladung zur Präsentationsveranstaltung Diakonie-Siegel Fort- und Weiterbildung

Fort- und Weiterbildungsangebote haben eine gewichtige Bedeutung für die Träger und Einrichtungen der Diakonie. Denn diakonische Fort- und Weiterbildungsangebote erweitern oder vertiefen die Kompetenzen der Mitarbeitenden und tragen zur Mitarbeitendenmotivation und zur Zufriedenheit bei, was sich wiederum positiv auf die Produktivität der Träger und Einrichtungen auswirkt. Dabei fördern Fort- und Weiterbildungen die Fachkompetenz und die personalen Kompetenzen der Mitarbeitenden und befähigen sie zu Handlungskompetenz, die in der Praxis gebraucht wird. Das in der Fort- und Weiterbildung leitende Prinzip des lebensbegleitenden Lernens verbindet verschiedene (erwerbs-) bildungsbiographische Elemente miteinander und basiert auf einer Work-learn-life-balance, die es allen ermöglicht, an Qualifizierungsangeboten teilzunehmen und ihr Know-how gestaltend, im Sinne der Professionalität, in die Praxis einzubringen. Der Bereich der Fort- und Weiterbildung steht im Dialog zwischen Organisationen, Berufsfeldern, Professionen und Lebenswelten.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Fort- und Weiterbildung der Diakonie (BAGfwd) hat bereits Qualitätsstandards erarbeitet. Diese wurden 2015 völlig neu überarbeitet und dienten dem gemeinsamen Projekt der BAGfwd und des Diakonischen Instituts für Qualitätsentwicklung der Diakonie Deutschland e.V. als Arbeitsgrundlage.

Aus der Verbindung der Erfahrungen mit den bisherigen Diakonie-Siegel-Konzepten und dem Orientierungsrahmen für Qualitätsstandards der BAGfwd sowie der wertvollen Bearbeitung durch die Fachexpert*innen in der Projektgruppe ist das Bundesrahmenhandbuch Fort- und Weiterbildung entstanden. Es dient als Grundlage für die kontinuierliche Weiterentwicklung der diakonischen Qualität in der Fort- und Weiterbildung und kann zur Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001, AZAV sowie Diakonie-Siegel genutzt werden.

Die Veranstaltung richtet sich an interessierte Trägervertreter*innen, Leitungskräfte und Qualitätsbeauftragte diakonischer Fort- und Weiterbildungsanbieter. Sie bietet Ihnen einen interessanten, spannenden und praxisorientierten ersten Eindruck vom Bundesrahmenhandbuch.
Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Hilfe des neuen Bundesrahmenhandbuches das diakonische Profil und die Marke Diakonie in Ihrer Einrichtung stärken und die Qualität der Kernprozesse weiterentwickeln können. Exemplarisch lernen Sie kennen, wie die DIN EN ISO 9001:2015 und die AZAV in das Bundesrahmenhandbuch eingegangen sind und auf das Arbeitsfeld übertragen wurden.
Im Rahmen der Präsentationsveranstaltung werden auch die Möglichkeiten der Teilnahme am Pilotprojekt zur Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems auf der Grundlage des Bundesrahmenhandbuches und weitere Unterstützungsangebote in Form von dreitägigen Workshops zur Qualitätsentwicklung vorgestellt.

Flyer und Programm hier zum Download.

AGJ würdigt Wissenschaft, Praxis und Medien für herausragende Leistungen für junge Menschen und ihre Familien – Minister Dr. Garg, Prof. Böllert und Prof. Schröer überreichen Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreis

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ hat gestern Abend in Berlin den Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreis – Hermine-Albers-Preis – an drei Preisträger verliehen. Prämiert wurden innovative und herausragende Arbeiten der politischen Bildung, der Medien und der Wissenschaft. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 12.000 Euro vergeben.

„Für die Zukunftsfähigkeit einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft ist es wichtig, dass sich Menschen für Kinder, Jugendliche und ihre Familien engagieren – ihnen eine Stimme geben, sie beteiligen und Innovationen voranbringen,“ sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ, Prof. Dr. Karin Böllert, auf der Preisverleihung. Die Bewerbungen für den Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreis 2018 zeigten, wie vielfältig die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe sind, mit wie viel Herzblut sich Journalistinnen und Journalisten in ihrer Berichterstattung um die Belange von jungen Menschen und ihren Familien kümmern und wie mannigfaltig sich die Forschungslandschaft darstellt. Ermittelt wurden die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger aus 135 eingereichten Bewerbungen von einer elfköpfigen Jury. Stifter des Preises sind die Obersten Jugend- und Familienbehörden der Länder. Die Preise wurden vom Vorsitzenden der Jugend- und Familienministerkonferenz, Minister Dr. Heiner Garg, der AGJ-Vorsitzenden Prof. Dr. Karin Böllert und dem Juryvorsitzenden Prof. Dr. Wolfgang Schröer in einem feierlichen Rahmen übergeben.

Minister Dr. Garg betont: „Mein herzlicher Dank und meine Gratulation gehen an die Ausgezeichneten, auch im Namen der Länder. Sie tragen dazu bei, dass der Fokus auf Jugendhilfe und innovative Entwicklungen in der Jugendhilfe gelenkt wird. Damit helfen die Preisträgerinnen und Preisträger auch, Jugendhilfe zu verbessern und geben wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung in der Praxis. Im Mittelpunkt muss dabei immer das Wohl der Kinder und Jugendlichen stehen“, so Garg.

„Die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises sind wichtige Vorbilder für eine gerechte und solidarische Gesellschaft – ganz im Sinne der Namensgeberin des Preises Hermine Albers.“ ergänzte Böllert.

Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises 2018, v. l.n. r: Jessica Briegmann (Medienpreis), Anja Kretschmer (Medienpreis); für das ABC Bildungs- und Tagungszentrum/Praxispreis: Patrick Merz, Franca Ulrich, Henning Wötzel-Herber, Meisam Amini; Dr. Daniela Reimer (Theorie- und Wissenschaftspreis)

 

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2018

Praxispreis:
ABC Bildungs- und Tagungszentrum für das inklusive, filmische Partizipationsprojekt BIG EARTH

In der Kategorie Praxispreis wurde das ABC Bildungs- und Tagungszentrum Drochtersen-Hüll ausgezeichnet, das sich mit dem inklusiven, filmischen Partizipationsprojekt BIG EARTH für Jugendliche mit und ohne Fluchtgeschichte beworben hatte. In dem Kooperationsprojekt mit der Hüller Medienwerkstatt e. V. und DirectorsCut.ch und weiteren Partnern haben vier  Jahre lang mehr als 100 junge Menschen aus aller Welt zusammen mit professionellen Filmemachern, Theaterschaffenden, Pädagoginnen und Pädagogen aus der politischen Bildung einen abendfüllenden Langspielfilm produziert. Erzählt wird darin die Geschichte von sog. unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die in einem Landhotel in einer abgelegenen Gegend Niedersachsens gelandet sind. Was sie erleben, von rassistischen Anfeindungen über den Kontakt mit der Dorfjugend und Freundschaften schließen bis dahin, dass sie für eine Flüchtlingsshow missbraucht werden sollen, von Abschiebung bedroht sind und sich zwischen Hoffnung und Verzweiflung, tiefer Weisheit und Witz bewegen – dies alles erzählt dieser absolut sehenswerte Film. Als Grundlage für das Drehbuch dienten Geschichten, Episoden und Erlebnisse der Jugendlichen, die sie im Rahmen von Workshops des ABC Bildungs- und Tagungszentrums erzählten und in Medien-, Musik- und Theaterprojekten umsetzten.

Die Jury des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises hat sich einstimmig für das ABC Bildungs- und Tagungszentrum als Preisträger in der Kategorie Praxispreis entschieden: „Das Projekt BIG EARTH erfüllt gleich mehrere Anliegen außerschulischer Jugendbildungsarbeit wie Partizipation, die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Inklusion. Der Schwerpunkt der diesjährigen Ausschreibung des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises „politische Bildung in der Kinder- und Jugendhilfe“ ist klar zu erkennen. Aufgegriffen werden u. a. Themen wie Alltagsrassismus, Flüchtlingspolitik und ein demokratisches Miteinander. Das Projekt hat Menschen mit und ohne Fluchterfahrungen zusammengebracht. Darüber hinaus fand es die Jury besonders wohltuend, dass junge Menschen, z. B. aus Syrien oder Afghanistan, nicht als hilfsbedürftige Benachteiligte angesprochen wurden, sondern als junge Menschen mit Erfahrungen und Kompetenzen, die gefragt waren und die erfolgreich in das Projekt eingebracht werden konnten. Das Projekt hat die Jury vollkommen überzeugt.“

Medienpreis:
Anja Kretschmer und Jessica Briegmann für den Film „Krieg ums Kind – Wenn Eltern Betreuung brauchen“ (veröffentlicht am 24. November 2016 im WDR, Redaktion Menschen hautnah).

In der Kategorie Medienpreis wurden Anja Kretschmer und Jessica Briegmann für den Film „Krieg ums Kind – Wenn Eltern Betreuung brauchen“ ausgezeichnet. Der Film schildert den Arbeitsalltag einer Umgangsbegleiterin mit getrenntlebenden, zerstrittenen Eltern, die ihre Kämpfe über das Kind austragen. Die Autorin Anja Kretschmer begleitet dafür die Umgangsbegleiterin Cornelia Knöfel ein halbes Jahr lang und zeigt alle Menschen hautnah. Der Film präsentiert ein wenig thematisiertes Angebot der Kinder- und Jugendhilfe mit all seinen Chancen, aber auch den Problemen, die daraus entstehen. Er vermittelt einen seltenen intensiven Einblick in eine Situation, die für viele Menschen wahrlich kein Randproblem ist: rund 160.000 Ehen wurden im vergangenen Jahr geschieden. Der Film zeigt die Übergaben von Kindern, Geburtstage und vieles mehr. Eine Neunjährige sieht ihren Vater alle zwei Wochen für eineinhalb Stunden – unter Beaufsichtigung der Umgangsbegleiterin. Ihr Vater ist darüber nicht begeistert, aber ohne sie würde er seine Tochter überhaupt nicht mehr sehen dürfen. Neben dem Arbeitsalltag der Umgangsbegleiterin wird auch deren Rolle sehr eindringlich und genau dargestellt. Sie gerät immer mal wieder „zwischen die Fronten“ – in Einzelfällen wird sie sogar bedroht. Auch die Schattenseiten dieser Arbeit, wie u. a. zu wenig Anerkennung, werden thematisiert.

Die Jury des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises hat sich einstimmig für den Film „Krieg ums Kind – Wenn Eltern Betreuung brauchen“ und damit für die Autorin Anja Kretschmer und die Redakteurin Jessica Briegmann als Preisträgerinnen in der Kategorie Medienpreis entschieden: „Die Arbeit der Umgangsbegleiterin wird emphatisch und gut nachvollziehbar dargestellt. Neben ihr kommen die Kinder zu Wort und beide Eltern, um deren Sichtweisen darzustellen, um die Geschichte von zwei Seiten aus zu erzählen und was es für das Kind bedeutet. Besonders die offenen Antworten und Überlegungen des Kindes rühren den Zuschauer. Der Film ist sehr ruhig, unaufgeregt und erzählt das Thema sehr ausgewogen. Wenn überhaupt Partei ergriffen wird, dann am ehesten für die Kinder. Es macht Freude, den Film zu sehen, weil die distanziert-emphatische Darstellung die Möglichkeit gibt, sich behutsam auf die Personen, ihre Sichtweisen und ihren Umgang mit dem Kind einzulassen. Der Film überrascht mit einer großen Nähe, Intensität und Differenziertheit.“

Theorie- und Wissenschaftspreis:
Dr. Daniela Reimer für ihre Dissertation und Buchveröffentlichung „Normalitätskonstruktionen in Biografien ehemaliger Pflegekinder“.

In der Kategorie Theorie- und Wissenschaftspreis wurde Dr. Daniela Reimer von der Universität Siegen für die Dissertation und Buchveröffentlichung „Normalitätskonstruktionen in Biografien ehemaliger Pflegekinder“ ausgezeichnet. In Biografien ehemaliger Pflegekinder gibt es Erfahrungen, die sie von Menschen, die keine Pflegekinder sind oder waren, unterscheiden und die sie in ihren eigenen Augen und denen anderer als unnormal erscheinen lassen. Mit biografischen Interviews untersucht Daniela Reimer, welche konkreten Erfahrungen und Erlebnisse es sind, die Pflegekinder mit mangelnder oder fragiler Normalität machen. Aus den Erfahrungen werden Konstruktionen von Normalität, die die jeweiligen Biografieträger vornehmen, rekonstruiert; biografische Hintergründe sowie Strategien der Normalitätsbalance werden analysiert.

Die Jury des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises hat sich einstimmig für die Dissertation und Buchveröffentlichung „Normalitätskonstruktionen in Biografien ehemaliger Pflegekinder“ und damit für Dr. Daniela Reimer als Preisträgerin in der Kategorie Theorie- und Wissenschaftspreis entschieden: „Die Arbeit liefert wichtige empirische Einsichten sowohl für die Fach- als auch die öffentliche Diskussion um das Pflegekinderwesen speziell zu der Frage, wie Pflegekinder ihre Biografie deuten und verarbeiten. Mit Hilfe von aufwändigen Detailanalysen der geführten Interviews werden Perspektiven und Einsichten eröffnet, die den bisherigen Debatten wichtige Differenzierungen aus der Sicht der ehemaligen Pflegekinder hinzufügen. Gerade weil die aus der Sicht der Betroffenen geschilderten Fälle sich in weiten Teilen den üblichen Klischees von Pflegekinderkonstellationen widersetzen und es zudem gelingt, die Mühen der Auseinandersetzung mit diesen Zuschreibungen empirisch sichtbar zu machen, gehört das Buch in jede Ausbildung von Pflegefamilien und ins Zentrum der entsprechenden Fachdiskussion.“

Die Dokumentation der Veranstaltung und nähere Informationen zum Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreis finden Sie auf der Website der AGJ unter www.agj.de. Die nächste Ausschreibung des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises erfolgt im Frühjahr 2019.

Schwarz, weiß Farbig?

Sprache bezeichnet und schafft Bedeutungszusammenhänge!!

Neue Begriffe für eine diskriminierungsfreie Sprache

In Politik, Zeitungen, Internet und im Bildungsbereich arbeiten wir jeden Tag mit der Sprache. Dabei sollte Sprache möglichst wertfrei sein und korrekt wie präzise die Sachverhalte wiedergeben, um diskriminierungsfrei Zusammenhänge zu formulieren.

Nicht selten werden Wörter wie »Einwanderer«, »Zuwanderer” und »Migrantin« im selben Text nebeneinander verwendet, in der Annahme, sie würden alle dasselbe bedeuten. Worin sich diese Begriffe unterscheiden und bei welchen weiteren Themen ungenau formuliert wird, wird im „Glossar der Neuen deutschen Medienmacher“ nachgegangen und Formulierungshilfen vorgeschlagen. Das Glossar soll als Hilfestellung für die tägliche Arbeit dienen. Alle Anregungen, Alternativbegriffe und Empfehlungen darin sind ein Beitrag zu einer laufenden Debatte und nicht abschließend. Ein Beispiel: Schwarz, weiß, farbig, was ist die richtige Bezeichnung? Dazu das Glossar: „Schwarze – ‚Wenn es um Rassismus, unterschiedliche Erfahrungen und Sozialisationen geht, ist der politisch korrekte Begriff Schwarze. In allen anderen Fällen gibt es aber meistens gar keinen Grund, dazu zu sagen, ob eine Person Schwarz oder Weiß ist.‘ (zitiert von www.derbraunemob.info). [und weiter] Farbige/farbig ist ein kolonialistischer Begriff und negativ konnotiert. Eine Alternative ist die Selbstbezeichnung People of Color (PoC, Singular: Person of Color).“ Schauen Sie einfach mal rein: https://glossar.neuemedienmacher.de/glossar/filter:a/

Migration und Flucht von Kindern – globale und lokale Herausforderungen für ein kinderrechtlich orientiertes Denken und Handeln

Die internationale Tagung lädt alle Interessierten dazu ein, sich auf eine Reise durch verschiedene Länder und Kontinente zu begeben, um Flucht und Migration in der Gegenwart als lokale wie auch globale Bewegung begreifen zu können. Die Referent*innen berichten zum einen von Projekten und Studien im Gemeinwesen und zum anderen aus der Perspektive der Kinderrechte, die für Kinder in der ganzen Welt sehr unterschiedliche Bedeutung haben kann. Die Tagung verspricht eine Annäherung an unterschiedliche Lebenswelten von Mädchen und Jungen und Einblicke in Sichtweisen und Diskurse, die Kindheiten in ihren unterschiedlichen gesellschaftspolitischen und epochalen wie auch geopolitischen Dimensionen erkennbar werden lassen.

Positionspapier: Vom Menschen her denken

Frühkindliche Bildung aus evangelischer Perspektive. Eine Positionierung des Bundesverbandes ev. Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik (BeA)

Der Titel benennt programmatisch Anspruch, Perspektive und Ziel dieser Veröffentlichung, mit der der Bundesverband evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik (BeA) sich einmischt und einbringt in die aktuelle bildungspolitische Debatte um die Bedeutung und den Stellenwert frühkindlicher Bildung.

Das Thema „Frühkindliche Bildung“ steht historisch betrachtet spätestens seit Fröbel auf der Agenda der Pädagogik. Fröbel versteht den Kindergarten als Ort frühkindlicher Bildung – frühe Kindheit ist Bildungszeit. Mit Montessori wird das Verhältnis zwischen selbsttätigem Kind und unterstützendem Erwachsenen neu ausgelotet und bestimmt. „Hilf mir, es selbst zu tun!“ – der Erwachsene begleitet die Selbstbildungsprozesse des Kindes. Mit der Reggiopädagogik werden die Kinder als Akteure und Konstrukteure ihres eigenen Weltaneignungsprozesses wahrgenommen.

Spätestens mit dem PISA-Schock wird die frühe Kindheit deutlich von der deutschen Bildungspolitik entdeckt. Verfechter eines eigenständigen Bildungsauftrages von Kindertageseinrichtungen und Befürworter einer schulaffinen Ausrichtung von Frühkindlicher Bildung debattieren um das Verhältnis von Elementar- und Primarbereich. Gleichwohl – auch in dieser Kontroverse bleibt die Bedeutung Frühkindlicher Bildung unstrittig!

Die vorliegende Schrift des Bundesverbandes ev. Ausbildungsstätten (BeA) erhebt den Anspruch, in dieser Diskussion konsequent vom Menschen und damit also vom Kind her zu denken und zu argumentieren. Es entspricht unserem Bild vom Menschen, ihn und sie von Anfang an als eine von Gott bejahte und mit Würde ausgestattete Person zu sehen.

Aus dieser Überzeugung heraus wird ein Frühkindlicher Bildungsbegriff aus evangelischer Perspektive formuliert. Der Bundesverband ev. Ausbildungsstätten (BeA) weiß sich dabei in die Tradition der Reformation als umfassender Bildungsbewegung gestellt. Gleichzeitig können wir anknüpfen an aktuelle Stellungnahmen der Evangelischen Kirche von Deutschland (EKD) und vorherige Veröffentlichung des Bundesverbandes zum „Evangelischen Profil von Bildung“.

Unsere Positionierung folgt dem Ziel, einen aktuellen Beitrag zur Stärkung eines vom Kind her gedachten Bildungsverständnisses zu leisten, das den evangelischen Fachschulen für Sozialpädagogik zur Orientierung dienen kann.

Gleichzeitig betont unsere Positionierung die hohe Bedeutung Frühkindlicher Bildung für die Bildungsbiografie von Menschen, und unterstreicht den hohen Stellenwert, den die professionelle Begleitung der kindlichen Selbstbildungsprozesse durch gut ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher hat.

Norbert Göttker (Vorsitzender des BeA)

Das Positionspapier als PDF zum Download.