Kategorie-Archiv: Ästhetische Bildung

Ästhetisches Lernen im Atelier der Erfahrungen

eigenverantwortlich – kreativ – partizipativ

Dicke Tropfen grüner Farbe landen mit einem unüberhörbaren „Platsch“ auf einem großen weißen Malgrund von
1 m x 2 m. Der zweite Farbschwall in rot folgt nur wenige Sekunden später aus einer mit Löchern versehenen Konservendose, die an einer Juteschnur baumelt. „Ein schöner Komplementärkontrast!“, stellt der Schöpfer des Werkes fest!
20 Studierende der praxisintegrierten Ausbildung zur/ zum ErzieherIn haben sich am Berufskolleg Bethel zusammengefunden, um den ersten Umsetzungsschritt für die in Kooperation mit dem Verein „Spielen mit Kindern e. V.“ geborene Projektidee „Kunst ohne Dach“ zu verwirklichen.

Die Frage nach dem „Was machen die hier?“ liegt nahe. Nennen wir es ästhetisches Lernen oder Bildung! Nun, die Aktualität der Thematik zeigt sich in der Verankerung der Bildungsvereinbarungen von Nordrhein-Westfalen und ist mittlerweile wohl unumstritten.
Musisch-ästhetische Bildung nimmt in Bezug auf das aktuelle Bildungsverständnis, welches ästhetische Bildungsprozesse in erster Linie als sinnliche Erfahrung und die kreative Auseinandersetzung mit der Umwelt und somit als Ausgangspunkt für kognitive Bildungsprozesse betrachtet, einen immer wichtigeren Stellenwert in der aktuellen Bildungsdebatte (Früh-)kindlicher Bildung und somit auch im Lehrplan der angehenden ErzieherInnen ein. Ästhetische Bildung im Sinne von Selbstbildungsprozessen versteht sich als Ergebnis sinnlicher Erfahrungen, die selber zu neuem Wissen und neuen Erkenntnissen führen können. Und das tun sie in der Tat! 20 Studierende beschreiten neben dem malerischen Dschungel des Amerikaners Jackson Pollock auch das Feld der abstrakten Malerei von Gerhard Richter. Auch hier finden sich wieder große Formate, vielschichtig angelegt, mit einer faszinierenden Dichte. Farbstrukturen werden mit Pinseln,
Rakeln und Spachteln aufgetragen, die über die nassen Farbschichten gezogen werden, wobei bereits vorhandene durch neue überlagert, aufgerissen oder ganz ausgelöscht werden. Das Prinzip des Zufalls spielt hierbei eine wesentliche Rolle, da sich der Farbauftrag bei der Arbeit mit der Rakel nur bedingt steuern lässt.

Im Rahmen der dreijährigen Ausbildung zur/zum ErzieherIn am Berufskolleg Bethel werden den Studierenden im Sinne des kompetenzorientierten Lehrplans in Workshopatmosphäre Lehr- und Lernräume eröffnet. Im „Atelier der Erfahrungen“ haben
die Studierenden die Möglichkeit, sich auf verschiedene ästhetische Erfahrungen einzulassen und deren Bedeutsamkeit für das eigene pädagogische Handeln zu erkennen. Aktiv, entdeckend, experimentierend, selbstverantwortlich, spielerisch und ungezwungen können sie ihr eigenes Repertoire an Ausdrucksformen (wieder)entdecken und weiterentwickeln. „Und genau das spiegelt sich in den Gesichtern der Studierenden wider: Begeisterung, Aufmerksamkeit, Stolz, Überzeugung und eine Menge Spaß“, resümiert auch Daniela Duckwitz, Lehrerin am Berufskolleg. In Form von Lerntheken haben die Studierenden die Möglichkeit, sich angebotene Lerninhalte nach ihren eigenen Verständniszugängen im Kontext ihrer individuellen Lebenswelt anzueignen. Die Angebote reichen von den bereits erwähnten Maltechniken des abstrakten Expressionismus, über die Herstellung von Zuckerkreide, bis hin zu Projekten in und mit der Natur (Landart). Gemeinsame Museumsbesuche, in welchen sich die Studierenden in der Kunstrezeption und Kunstvermittlung erproben und so didaktische und methodische Vorgehensweisen kennenlernen, sind als zukünftige Workshopinhalte ebenfalls geplant.
2017-aesth-Lernen

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Um die Lernorte Praxis und Schule enger zu verknüpfen und den Studierenden Raum und Möglichkeiten zur Erprobung professioneller Handlungskompetenzen zu gewährleisten, entstand die Projektidee „Kunst ohne Dach“ in Kooperation mit dem Verein „Spielen mit Kindern e. V.“. Im Rahmen der offenen Arbeit mit Kindern bieten die Studierenden im Lernatelier erprobte Angebote im Bereich ästhetischer Bildung an, um diese Kindern und Jugendlichen als Erfahrung, Erlebnis und Gestaltung vor Ort zu ermöglichen. Über die Umsetzung dieser Idee und den daraus resultierenden Erfahrungen wird an anderer Stelle noch berichtet werden.
Ziel ist es, über punktuelle Vorhaben hinaus Kooperationen mit kulturellen Institutionen einzugehen, die das gestalterisch-ästhetische Handeln intensiv und nachhaltig in eine Zusammenarbeit überführen, um langfristig miteinander zu kooperieren, Kulturprojekte gemeinsam zu entwickeln und zu realisieren. Denn damit ist ein wesentliches Ziel von Bildung angesprochen: Jungen Menschen ein eigenständiges, kreatives und sinnvolles Leben zu ermöglichen und sie zur Mitarbeit an der Gestaltung von Zukunft zu befähigen.

Ästhetisches Lernen in der Kunsthalle Bielefeld

Vom Erkennen, Erfahren und Verstehen der Kunst

Eine aufgewühlte Farblandschaft aus formlosen, sich überlagernden Feldern, glühendes rot und wolkiges blau. Darauf schwebt, wortwörtlich, eine Schar von Rechtecken, erfüllt von eindeutigen, intensiven Farben. Die überwältigende räumliche Wirkung, des mehr als zwei Meter hohen Bildes des deutsch-amerikanischen Künstlers Hans Hofmann, ließ auch die Studierenden der praxisintegrierten Ausbildung zur/ zum ErzieherIn vom Berufskolleg Bethel nicht unberührt. Dass der Künstler diese beeindruckenden Effekte durch ganz simple Prinzipien des Überlagerns und der Differenz erreicht, konnten die Studierenden im Museumsrundgang in der Kunsthalle Bielefeld noch genauer erfahren und in den hauseigenen Malstuben erproben.

Zeit für die letzte Workshop-Einheit vor der eigentlichen Durchführung des Kinderkunstprojektes „Kunst ohne Dach“ im Spielhaus des Vereins „Spielen mit Kindern e.V“. Dieses Mal fand der Unterricht für die Studierenden der praxisintegrierten Ausbildung zur ErzieherIn nicht im „Atelier der Erfahrung“ des Berufskollegs Bethel, sondern in der Kunsthalle Bielefeld statt, wo es die aktuelle Ausstellung von Hans Hofmann zu besichtigen galt. Was ist Kunst? Wie kann ich sie für Kinder und Jugendliche erfahrbar machen? Fragen, auf die die Studierenden im Rahmen einer Führung durch die Ausstellung Antworten suchten. Museumspädagogin Nele Oelschläger, führte die Studierenden durch die Ausstellung und berichtete dabei auch von realen Erlebnissen mit Kinder- und Jugendgruppen und deren Begegnung mit der Kunst. „Oft ist es besonders die naive und unvorbelastete Sichtweise der Kinder, die inspiriert und neue Anregungen gibt.“ Ebenso wichtig sind allerdings auch die eigene Haltung und das ehrliche Interesse der Erwachsenen an Kunst. „Denn je natürlicher Erwachsene mit Kunst und Kultur umgehen und je mehr sie Teil ihres Lebens sind, umso besser können Kinder und Jugendliche diese als Teil ihres Lebens annehmen und verstehen.“, so Nele Oelschläger. Trotz dieser Erkenntnis werden Museen als außerschulische Lernorte kultureller Bildung und sinnlich-ästhetischer Begegnung heute noch zu selten mit Kindern und Jugendlichen genutzt.

Bei dem Rundgang durch die Ausstellung hatten die Studierenden die Möglichkeit, in die Welt der Formen und Farben des Künstlers, die Illusion von Raum und Bewegung abzutauchen, und dabei ihr Verständnis von Kunst und Kunstaneignung zu entwickeln, indem sich die Studierenden zum Teil eigenständig, aber auch angeleitet den ausgestellten Exponaten annäherten.
Doch wie wird Kunst für Kinder und Jugendliche nun im Konkreten erfahrbar? Da treffen sich dann wohl die Kunsthalle und das „Atelier der Erfahrung“. „Dass die Aneignung von Kunst immer stark von ästhetischen Erfahrungen geprägt ist“, weiß auch Lehrerin Daniela Duckwitz zu berichten. „Genau so funktioniert ja auch das Lernen im Atelier der Erfahrung am Berufskolleg Bethel. „Die richtige Verknüpfung sowie ein ausgewogenes Zusammenspiel von Vermittlung und Aneignung sind dabei von maßgeblicher Bedeutung.“

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Angekommen in der hauseigenen Malstube der Kunsthalle, konnten die Studierenden die wesentlichen Aspekte der Ausstellung praktisch nachzuvollziehen. Wie gelang es Hofmann, besprochene Wirkungen von Räumlichkeit und Dreidimensionalität zu erzielen? Wie setzte er Farben und Formen ein? Dazu wurde das zuvor in der Ausstellung Gesehene mit unterschiedlichen Malgründen, Farben und farbigen Papieren verarbeitet, erweitert und fixiert – mit beeindruckenden Ergebnissen.
Neben dem Erkennen und Verstehen der Kunstwerke im Vorfeld, ging es also anschließend vor allem um das Erproben von praktischen Vorgehensweisen mit dem Ziel, diese dann sowohl zielgruppenorientiert, als auch sach- und fachgerecht in der pädagogischen Praxis eröffnen zu können.
Wie lautet das Fazit am Ende eines erfahrungsreichen Tages in der Kunsthalle Bielefeld? Den Studierenden zufolge gehört zu einer zeitgemäßen (früh)pädagogischen Qualifikation auch das Feld der Kunstpädagogik. Sie ist eine wichtige Brücke zu den Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen. Das konnten die Studierenden selbst in Auseinandersetzung mit der Kunst Hans Hofmanns und der kreativen Arbeit in der Malstube der Kunsthalle erfahren, und dabei viel kunstpädagogisch Wertvolles für ihre Projektidee „Kunst ohne Dach“ mitnehmen.

„Kunst ohne Dach“ im Spielhaus – ein Kooperationsprojekt des Berufskollegs Bethel und dem Verein „Spielen mit Kindern e.V.“

Das Spielhaus wird zum Kinderkunstatelier als Lern- und Erfahrungsraum, in dem Kinder künstlerische Spuren hinterlassen.

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Es ist Samstag. Das Berufskolleg Bethel verwandelt das Spielhaus in der Teichstraße 18a in Bielefeld für einen Tag in ein Kunstatelier für Kinder von 6 bis 14 Jahren. An vielen Stationen können sich die Kinder kreativ ausprobieren und Methoden der abstrakten Kunst, wie zum Beispiel die Rakeltechnik Gerhard Richters, ebenso kennenlernen, wie die Geheimnisse fotografischer Bilder ganz ohne Kamera nach dem Vorbild Man Rays. Im Vordergrund steht das freie, prozesshafte Experimentieren mit neuen Gestaltungsformen, Materialien und Techniken. Neugier an der Kunst und Kreativität sollen geweckt werden. Wie offen Kinder der Kunst gegenüber stehen ist an ihrem kreativen Eifer in der Sache zu erkennen: Sie mischen Farben selbst, malen mit Fingern und Pinseln und fügen Formen aus diversen Materialien als Collage aneinander. Eine Dunkelkammer wird als Ort zum Experimentieren aufgesucht und bereitet den kleinen und großen Künstlern große Freude. Das erfüllt auch die Studierenden des Berufskollegs Bethel sichtlich:

„Es ist schön zu sehen mit wie viel Neugier und Begeisterung die Kinder bei der Sache sind. Beim Rakeln beispielsweise, bei dem nach dem Prinzip des Zufalls jedes Mal aufs Neue unvorhersehbare und spannende Farbkompositionen entstehen. Jede neue Rakelschicht ist für die Kinder eine echte Überraschung, die den Kindern förmlich ins Gesicht geschrieben steht“, so eine Studierende des Berufskollegs.
Doch warum heißt es denn nun „Kunst ohne Dach!“, wenn doch offensichtlich ein ganzes Haus ein ziemlich großes Dach für Kunst- und Kreativangebote bietet?
„Ursprünglich war das Konzept als mobiles Kinderkunstprojekt gedacht, um Kindern Kunst- und Kreativangebote „überall“, also auch dort, wo feste, kindgerechte Angebote und Strukturen fehlen oder nur bedingt vorhanden sind, anzubieten“, verrät Lehrerin und Verantwortliche des Projekts Daniela Duckwitz. Aus organisatorischen Gründen wurde das Projekt letztendlich ins Spielhaus verlegt. Vom eigentlichen Projekttitel wollte sich aber keiner mehr so richtig trennen und so bekam das Projekt: „Kunst ohne Dach“ im wahrsten Sinne des Wortes doch ein Dach und zwar das des Spielhauses vom Verein „Spielen mit Kindern e.V.“.

Das rege Interesse und der breite Zulauf der Kinder aus verschiedenen Stadtteilen Bielefelds lassen auf eine Fortsetzung des Projekts hoffen. Warum nicht? Stellt doch das Projekt „Kunst ohne Dach“ wertvolle Erfahrungen und Bildungsmöglichkeiten bereit, sowohl für Kinder, als auch für angehende Erzieherinnen und Erzieher.

Ästhetische Bildung: „Die Möglichkeiten sind so groß wie du sie siehst“

Ästhetische Bildung im Oberstufenmedienprojekt an den Evangelischen Ausbildungsstätten für sozialpädagogische Berufe, Pädagogische Akademie Elisabethenstift

die-moeglichkeiten-sind-so-gross-wie-du-sie-siehst-1Darmstadt, 21.06.2016, 14.45 Uhr. Neugierig schiebt sich eine kleine Kindergruppe durch eine Eingangstür unseres Schulhauses. Nach wenigen Schritten bleiben die Kinder stehen. Groß die Augen, die den weiten, wuseligen Raum vor ihnen abwandern. Und hängen bleiben: an den Kinderschlangen vor der Waffel- und Crepestation, an einer kleinen, selbstbemalten Kartonstadt, dem vielfarbigen Zirkuszelt im Hintergrund, körpergroßen Pappmosaiken, aus der Höhe herabbaumelnden bunten Leinwänden, einer Station für Hand- und Fußmalerei, einem weitläufigen Bewegungsparcours. Was sich hier, im Lichthof des Schulhauses, den Kinderaugen erschließt sind einzelne Facetten einer Mitmachausstellung, die sich über drei Etagen erstreckt. Und an deren Entstehen alle eingeladenen Kinder maßgeblich beteiligt sind.

die-moeglichkeiten-sind-so-gross-wie-du-sie-siehst-2Aber der Reihe nach: die Pädagogische Akademie Elisabethenstift (PAE) hat zu diesem Fest eingeladen und etwa 100 Kinder samt ihrer Erzieher/innen sind gekommen. Zu sehen und zu feiern sind die Ergebnisse eines 3-monatigen Projektes zur ästhetischen Bildung im Rahmen der Oberstufenmedienprojekte an der PAE. Während dieser Zeit haben unsere Studierenden in Kleingruppen an einem Nachmittag pro Woche 25 ausgewählte Kitas, Horte und Grundschulen besucht um, nach einer ersten Phase der Kontaktaufnahme und Beobachtung, mit einer interessierten Kindergruppe zusammen ein kleines Projekt zu entfalten, das den aktuellen Themen und Interessen der Kinder folgt. Das Themenspektrum der 3 bis 10 jährigen Kinder reichte von: geheime Rückzugsorte bauen, selber kochen und bewirten, Kochbuchautor/in sein, den eigenen Körper mit vielen Sinnen erkunden, besonders mit Einwegkameras und Spiegeln, bis zu: Außenseiterin sein, eine Andere/ein Anderer sein wollen – sich gegenseitig schminken und Rollenspiele erfinden, Farben selber herstellen, Trikots gestalten, Zirkus und Zauberkünste, Dinosaurier-Lyrik, …

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Die Anregung und Schulung ästhetischer Wahrnehmung und ästhetischen Ausdrucks als dominante Form der Weltbegegnung von Kindern in ihrer offenen, überraschenden, meist lustvollen Prozesshaftigkeit war eines der zentralen Ziele der Bemühungen unserer Studierenden. Ausgangspunkt und Anlass für ästhetische Prozesse kann fast alles sein, was der Erkenntnislust von Kindern entspringt. Das methodische Spektrum ästhetischer Handlungsformen, in der Unterstufe weitgehend in den sogenannten Medienfächern erworben, konnte hier in der Oberstufe möglichst umfassend verbunden und in der Praxis mit Kindern erprobt werden. Denn ästhetische Bildung (Aisthesis (griech.) = sinnliche Wahrnehmung, Empfindung, Erfahrung) will eben nicht nur die Konzentration auf eine bestimmte kreative Ausdrucksform. Sie will ein möglichst breites Sinnenspektrum ansprechen, Wahrnehmung in viele Richtungen differenzieren, Vorstellungsbildung, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Konzentration, Raumempfinden, Ideenreichtum und Fantasietätigkeit entwickeln. Durch die eingehende Beschäftigung mit den Eigenschaften und Potenzialen unterschiedlichster Materialien, Klänge, Bewegungen, innerer Bilder und Worte werden Handlungen und Auseinandersetzungen angeregt, die – in Produktion wie Rezeption – Grundlage einer selbstgesteuerten Aneignung von Welt mit „allen“ Sinnen und damit Grundlage von Sinn- und Sinnenbildung sind.

die-moeglichkeiten-sind-so-gross-wie-du-sie-siehst-4Wer „unsere Kinder“ bei der Präsentation und erneuten Erprobung der Ergebnisse ihrer Ästhetischen Prozesse in diesem Sommer beobachten konnte, wurde Zeuge von Genuss und Verweilen, Neugierde und Freude am Tun, Kommunikation und Bewegung, Selbstwirksamkeitserleben und Stolz. Nicht nur die Kinder waren beseelt von diesem Tag. Unsere Studierenden, wir als Dozentinnen in den Oberstufenmedienprojekten und unsere Kolleginnen und Kollegen ebenso!

Katja Rauch
Dozentin
Evangelische Ausbildungsstätten für sozialpädagogische Berufe

Stuhl-Verwandlungen

Stuhl-Verwandlungen-1Ich bin ein Stuhl – ein ziemlich alter Stuhl.
Die meisten meiner Kollegen und Freunde sind längst kaputt oder wurden jetzt einfach ausgetauscht. Dabei weiß ich noch genau, wie es war, als ich jung war und vor fast 33 Jahren hier an die Fachschule kam. Ich war aufgeregt und noch völlig unerfahren in meiner Rolle als Sitzgelegenheit für Schülerinnen. Schüler gab es damals nur ganz wenige. Der Raum, in den ich mit vielen anderen gestellt wurde, roch noch ganz neu, aber er gefiel mir gleich: hier war es hell und die Menschen wirkten freundlich.

In den vielen Jahren habe ich einiges erlebt und mitgemacht: Menschen mit ganz unterschiedli-chem Gewicht haben sich auf mir niedergelassen; oft war ich auch nur Ablage für Taschen oder Füße; manche SchülerInnen kippelten mit mir – das auszuhalten fiel mir im Lauf der Jahre immer schwerer.

Manchmal wurde ich in andere Räume geschleppt und fremde Menschen nahmen auf mir Platz. Eines Tages – ich konnte es kaum fassen –, da klebte wirklich jemand einen Kaugummi an mich. Wie eklig!
Mit der Zeit habe ich auch ganz schön viele unterschiedliche Gespräche mitbekommen. Manches hat sich Jahr für Jahr wiederholt, das wurde dann ziemlich langweilig und ich habe mich auf die Ferien gefreut: die Ruhe, die Leichtigkeit, das Nichtstun!

Aber spannender war es schon, wenn alle SchülerInnen und LehrerInnen da waren und etwas los war. Nebenbei habe ich auch einiges gelernt und manche Geheimnisse gehört … unglaublich, was an einem Schultag alles gesprochen wird! Ich bin ein alter Stuhl und gespannt, was nun mit mir gemacht wird.

18 junge Frauen aus dem Oberkurs 1 haben 18 alte Stühle mutig und kreativ bearbeitet: Es wurde gesägt und geschliffen, gefräst und geraspelt, gebohrt und gehämmert, bemalt und beklebt, besprüht und geleimt.

Ich bin ein Stuhl – ein ziemlich einzigartiger Stuhl.
Stuhl-Verwandlungen-4Wenn ich es richtig verstanden habe, werde ich bald bei der netten Frau einziehen, die mich in den letzten Wochen so bearbeitet hat. Zugegeben: das war nicht immer lustig! Die Frau behauptet aber, nun wäre ich was ganz Besonderes, ihr Lieblingsstuhl, ihr Traumstuhl!

Ich habe mich in dieser Zeit ziemlich verändert. Der alte Lack ist ab, neue Farbe kam drauf, manche meiner Freunde bekamen sogar Glitzer und einige beneide ich um ihre gemütlichen Sitz-kissen. Ich bin ziemlich gespannt darauf (und auch ein bisschen ängstlich), meine alte Heimat, die Fachschule, zu verlassen und ein neues Le-ben in einem neuen Zuhause zu beginnen.

Ich bin ein verwandelter Stuhl.

Annemarie Steiner,
Dozentin für ästhetische Bildung
Evang. Fachschule für Sozialpädagogik Stuttgart

 


Stuhl-VerwandlungenBeitrag als PDF zum Download:
Stuhl-Verwandlungen

Land Art, Inszenierte Fotografie, Natürlich-Künstlich

Kinder bauen gerne Sandburgen am Strand. Sie formen mit ihren Händen oder mit Schaufeln den Sand zu einem Gebilde nach ihrer Vorstellung. Eigentlich besteht keine Notwendigkeit dies zu tun.
Es scheint jedoch Freunde zu machen, sich etwas Auszudenken, Umzuformen, Auszuprobieren, Spuren zu hinterlassen und damit Gedanken sichtbar zu machen. So ähnlich entsteht auch Land Art.
Land Art kennenzulernen, auch in Bezug zu einer inszenierten Fotografie war das Vorhaben einer Klasse der Erzieherausbildung des Seminars für Kirchlichen Dienst in Greifswald. In der Klasse und in kleinen Gruppen wurden spannende Ideen entwickelt und dokumentiert.

Wir, die Anderen + ich

Inszenierte Fotografie – Neue Arbeiten der Erzieher-Oberstufe BBS Stiftung kreuznacher diakonie

Bei den präsentierten Arbeiten ging es vor allem vorerst darum, dass sich die SchülerInnen frei und ohne Vorgaben mit historischen Kunstwerken auseinander setzten, um die eigene Fantasie zu beflügeln und eigene Ideen zu einer Inszenierung wachsen zu lassen. Hierbei befinden sich Interessen, Bedürfnisse, Wünsche, Vorlieben, Gefühle stark im Fokus.
Die Teilnehmer halfen sich bei der Verwirklichung der jeweiligen Bildidee. Die Gruppenbildung war frei; auch externe Darsteller konnten einbezogen werden.


Als Endprodukt sehen wir nun sehr individuelle Neuinterpretationen historischer Kunstwerke.
Auffallend sind die ernsten, gesellschaftskritischen Inhalte: Mobbing, Drogen, Gewalt, Neue Medien, Migranten- und Flüchtlingsproblematik. Beachtlich ist die Professionalität der ausgestellten Arbeiten. Wir wünschen den jungen Künstlerinnen viele Besucher zur Vernissage.

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„Ästhetische Bildung“: Farbbomben werfen im Unterricht

2016-Evangelisches-Johannesstift-Artikel-Kreatives-Angebot-2Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Erzieherin/ zum Erzieher gestalteten Studierende der Sozialen Fachschulen des Evangelischen Johannesstifts  einen „Kreativ-Tag“ für 12 Schülerinnen des Heinz-Berggruen-Gymnasiums. In den Unterrichtsräumen und auf dem Außengelände der Sozialen Fachschulen hatten sie Farben, Leinwände und geeignete Schutzbekleidung vorbereitet, denn der Tag stand unter der Überschrift: „Action Painting“. Weiterlesen

„Ästhetische Bildung“: Kreative Ideen treffen auf aufrüttelnde Botschaften

19 Schülerinnen und Schüler der EFS Osnabrück präsentieren facettenreiche und kreative Vielschichtigkeit der Erzieherausbildung

EFS-SchwarzlichtPrickeln war gestern. Kreativität sowie kreative Bildung in Kindergarten, Krippe, Hort und Co. sowie in der Erzieherausbildung haben sich in den vergangenen Jahren stets weiterentwickelt. Von Medienpädagogik bis zu neuen Materialien sind viele Aspekte hinzugekommen, an die beispielsweise in den 80er-Jahren noch nicht zu denken war. Schülerinnen und Schüler der EFS Osnabrück sowie ihre Pädagoginnen und Pädagogen beschäftigen sich kontinuierlich mit den vielen Möglichkeiten und Trends in Sachen Kreativität. Die folgenden Beispiele zeigen, mit welchen Themen sich die Studierenden in den vergangenen Wochen und Monaten gezielt beschäftigt haben: Weiterlesen