Kategorie-Archiv: Ästhetische Bildung

Ästhetische Bildung: „Die Möglichkeiten sind so groß wie du sie siehst“

Ästhetische Bildung im Oberstufenmedienprojekt an den Evangelischen Ausbildungsstätten für sozialpädagogische Berufe, Pädagogische Akademie Elisabethenstift

die-moeglichkeiten-sind-so-gross-wie-du-sie-siehst-1Darmstadt, 21.06.2016, 14.45 Uhr. Neugierig schiebt sich eine kleine Kindergruppe durch eine Eingangstür unseres Schulhauses. Nach wenigen Schritten bleiben die Kinder stehen. Groß die Augen, die den weiten, wuseligen Raum vor ihnen abwandern. Und hängen bleiben: an den Kinderschlangen vor der Waffel- und Crepestation, an einer kleinen, selbstbemalten Kartonstadt, dem vielfarbigen Zirkuszelt im Hintergrund, körpergroßen Pappmosaiken, aus der Höhe herabbaumelnden bunten Leinwänden, einer Station für Hand- und Fußmalerei, einem weitläufigen Bewegungsparcours. Was sich hier, im Lichthof des Schulhauses, den Kinderaugen erschließt sind einzelne Facetten einer Mitmachausstellung, die sich über drei Etagen erstreckt. Und an deren Entstehen alle eingeladenen Kinder maßgeblich beteiligt sind.

die-moeglichkeiten-sind-so-gross-wie-du-sie-siehst-2Aber der Reihe nach: die Pädagogische Akademie Elisabethenstift (PAE) hat zu diesem Fest eingeladen und etwa 100 Kinder samt ihrer Erzieher/innen sind gekommen. Zu sehen und zu feiern sind die Ergebnisse eines 3-monatigen Projektes zur ästhetischen Bildung im Rahmen der Oberstufenmedienprojekte an der PAE. Während dieser Zeit haben unsere Studierenden in Kleingruppen an einem Nachmittag pro Woche 25 ausgewählte Kitas, Horte und Grundschulen besucht um, nach einer ersten Phase der Kontaktaufnahme und Beobachtung, mit einer interessierten Kindergruppe zusammen ein kleines Projekt zu entfalten, das den aktuellen Themen und Interessen der Kinder folgt. Das Themenspektrum der 3 bis 10 jährigen Kinder reichte von: geheime Rückzugsorte bauen, selber kochen und bewirten, Kochbuchautor/in sein, den eigenen Körper mit vielen Sinnen erkunden, besonders mit Einwegkameras und Spiegeln, bis zu: Außenseiterin sein, eine Andere/ein Anderer sein wollen – sich gegenseitig schminken und Rollenspiele erfinden, Farben selber herstellen, Trikots gestalten, Zirkus und Zauberkünste, Dinosaurier-Lyrik, …

die-moeglichkeiten-sind-so-gross-wie-du-sie-siehst-3

Die Anregung und Schulung ästhetischer Wahrnehmung und ästhetischen Ausdrucks als dominante Form der Weltbegegnung von Kindern in ihrer offenen, überraschenden, meist lustvollen Prozesshaftigkeit war eines der zentralen Ziele der Bemühungen unserer Studierenden. Ausgangspunkt und Anlass für ästhetische Prozesse kann fast alles sein, was der Erkenntnislust von Kindern entspringt. Das methodische Spektrum ästhetischer Handlungsformen, in der Unterstufe weitgehend in den sogenannten Medienfächern erworben, konnte hier in der Oberstufe möglichst umfassend verbunden und in der Praxis mit Kindern erprobt werden. Denn ästhetische Bildung (Aisthesis (griech.) = sinnliche Wahrnehmung, Empfindung, Erfahrung) will eben nicht nur die Konzentration auf eine bestimmte kreative Ausdrucksform. Sie will ein möglichst breites Sinnenspektrum ansprechen, Wahrnehmung in viele Richtungen differenzieren, Vorstellungsbildung, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Konzentration, Raumempfinden, Ideenreichtum und Fantasietätigkeit entwickeln. Durch die eingehende Beschäftigung mit den Eigenschaften und Potenzialen unterschiedlichster Materialien, Klänge, Bewegungen, innerer Bilder und Worte werden Handlungen und Auseinandersetzungen angeregt, die – in Produktion wie Rezeption – Grundlage einer selbstgesteuerten Aneignung von Welt mit „allen“ Sinnen und damit Grundlage von Sinn- und Sinnenbildung sind.

die-moeglichkeiten-sind-so-gross-wie-du-sie-siehst-4Wer „unsere Kinder“ bei der Präsentation und erneuten Erprobung der Ergebnisse ihrer Ästhetischen Prozesse in diesem Sommer beobachten konnte, wurde Zeuge von Genuss und Verweilen, Neugierde und Freude am Tun, Kommunikation und Bewegung, Selbstwirksamkeitserleben und Stolz. Nicht nur die Kinder waren beseelt von diesem Tag. Unsere Studierenden, wir als Dozentinnen in den Oberstufenmedienprojekten und unsere Kolleginnen und Kollegen ebenso!

Katja Rauch
Dozentin
Evangelische Ausbildungsstätten für sozialpädagogische Berufe

Stuhl-Verwandlungen

Stuhl-Verwandlungen-1Ich bin ein Stuhl – ein ziemlich alter Stuhl.
Die meisten meiner Kollegen und Freunde sind längst kaputt oder wurden jetzt einfach ausgetauscht. Dabei weiß ich noch genau, wie es war, als ich jung war und vor fast 33 Jahren hier an die Fachschule kam. Ich war aufgeregt und noch völlig unerfahren in meiner Rolle als Sitzgelegenheit für Schülerinnen. Schüler gab es damals nur ganz wenige. Der Raum, in den ich mit vielen anderen gestellt wurde, roch noch ganz neu, aber er gefiel mir gleich: hier war es hell und die Menschen wirkten freundlich.

In den vielen Jahren habe ich einiges erlebt und mitgemacht: Menschen mit ganz unterschiedli-chem Gewicht haben sich auf mir niedergelassen; oft war ich auch nur Ablage für Taschen oder Füße; manche SchülerInnen kippelten mit mir – das auszuhalten fiel mir im Lauf der Jahre immer schwerer.

Manchmal wurde ich in andere Räume geschleppt und fremde Menschen nahmen auf mir Platz. Eines Tages – ich konnte es kaum fassen –, da klebte wirklich jemand einen Kaugummi an mich. Wie eklig!
Mit der Zeit habe ich auch ganz schön viele unterschiedliche Gespräche mitbekommen. Manches hat sich Jahr für Jahr wiederholt, das wurde dann ziemlich langweilig und ich habe mich auf die Ferien gefreut: die Ruhe, die Leichtigkeit, das Nichtstun!

Aber spannender war es schon, wenn alle SchülerInnen und LehrerInnen da waren und etwas los war. Nebenbei habe ich auch einiges gelernt und manche Geheimnisse gehört … unglaublich, was an einem Schultag alles gesprochen wird! Ich bin ein alter Stuhl und gespannt, was nun mit mir gemacht wird.

18 junge Frauen aus dem Oberkurs 1 haben 18 alte Stühle mutig und kreativ bearbeitet: Es wurde gesägt und geschliffen, gefräst und geraspelt, gebohrt und gehämmert, bemalt und beklebt, besprüht und geleimt.

Ich bin ein Stuhl – ein ziemlich einzigartiger Stuhl.
Stuhl-Verwandlungen-4Wenn ich es richtig verstanden habe, werde ich bald bei der netten Frau einziehen, die mich in den letzten Wochen so bearbeitet hat. Zugegeben: das war nicht immer lustig! Die Frau behauptet aber, nun wäre ich was ganz Besonderes, ihr Lieblingsstuhl, ihr Traumstuhl!

Ich habe mich in dieser Zeit ziemlich verändert. Der alte Lack ist ab, neue Farbe kam drauf, manche meiner Freunde bekamen sogar Glitzer und einige beneide ich um ihre gemütlichen Sitz-kissen. Ich bin ziemlich gespannt darauf (und auch ein bisschen ängstlich), meine alte Heimat, die Fachschule, zu verlassen und ein neues Le-ben in einem neuen Zuhause zu beginnen.

Ich bin ein verwandelter Stuhl.

Annemarie Steiner,
Dozentin für ästhetische Bildung
Evang. Fachschule für Sozialpädagogik Stuttgart

 


Stuhl-VerwandlungenBeitrag als PDF zum Download:
Stuhl-Verwandlungen

Land Art, Inszenierte Fotografie, Natürlich-Künstlich

Kinder bauen gerne Sandburgen am Strand. Sie formen mit ihren Händen oder mit Schaufeln den Sand zu einem Gebilde nach ihrer Vorstellung. Eigentlich besteht keine Notwendigkeit dies zu tun.
Es scheint jedoch Freunde zu machen, sich etwas Auszudenken, Umzuformen, Auszuprobieren, Spuren zu hinterlassen und damit Gedanken sichtbar zu machen. So ähnlich entsteht auch Land Art.
Land Art kennenzulernen, auch in Bezug zu einer inszenierten Fotografie war das Vorhaben einer Klasse der Erzieherausbildung des Seminars für Kirchlichen Dienst in Greifswald. In der Klasse und in kleinen Gruppen wurden spannende Ideen entwickelt und dokumentiert.

Wir, die Anderen + ich

Inszenierte Fotografie – Neue Arbeiten der Erzieher-Oberstufe BBS Stiftung kreuznacher diakonie

Bei den präsentierten Arbeiten ging es vor allem vorerst darum, dass sich die SchülerInnen frei und ohne Vorgaben mit historischen Kunstwerken auseinander setzten, um die eigene Fantasie zu beflügeln und eigene Ideen zu einer Inszenierung wachsen zu lassen. Hierbei befinden sich Interessen, Bedürfnisse, Wünsche, Vorlieben, Gefühle stark im Fokus.
Die Teilnehmer halfen sich bei der Verwirklichung der jeweiligen Bildidee. Die Gruppenbildung war frei; auch externe Darsteller konnten einbezogen werden.


Als Endprodukt sehen wir nun sehr individuelle Neuinterpretationen historischer Kunstwerke.
Auffallend sind die ernsten, gesellschaftskritischen Inhalte: Mobbing, Drogen, Gewalt, Neue Medien, Migranten- und Flüchtlingsproblematik. Beachtlich ist die Professionalität der ausgestellten Arbeiten. Wir wünschen den jungen Künstlerinnen viele Besucher zur Vernissage.

Weiterlesen

„Ästhetische Bildung“: Farbbomben werfen im Unterricht

2016-Evangelisches-Johannesstift-Artikel-Kreatives-Angebot-2Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Erzieherin/ zum Erzieher gestalteten Studierende der Sozialen Fachschulen des Evangelischen Johannesstifts  einen „Kreativ-Tag“ für 12 Schülerinnen des Heinz-Berggruen-Gymnasiums. In den Unterrichtsräumen und auf dem Außengelände der Sozialen Fachschulen hatten sie Farben, Leinwände und geeignete Schutzbekleidung vorbereitet, denn der Tag stand unter der Überschrift: „Action Painting“. Weiterlesen

„Ästhetische Bildung“: Kreative Ideen treffen auf aufrüttelnde Botschaften

19 Schülerinnen und Schüler der EFS Osnabrück präsentieren facettenreiche und kreative Vielschichtigkeit der Erzieherausbildung

EFS-SchwarzlichtPrickeln war gestern. Kreativität sowie kreative Bildung in Kindergarten, Krippe, Hort und Co. sowie in der Erzieherausbildung haben sich in den vergangenen Jahren stets weiterentwickelt. Von Medienpädagogik bis zu neuen Materialien sind viele Aspekte hinzugekommen, an die beispielsweise in den 80er-Jahren noch nicht zu denken war. Schülerinnen und Schüler der EFS Osnabrück sowie ihre Pädagoginnen und Pädagogen beschäftigen sich kontinuierlich mit den vielen Möglichkeiten und Trends in Sachen Kreativität. Die folgenden Beispiele zeigen, mit welchen Themen sich die Studierenden in den vergangenen Wochen und Monaten gezielt beschäftigt haben: Weiterlesen